von Johan Petersen am 6. November 2010
Da wir gerade so gut in Form sind, nach der Trainer- nun also die Torwartdiskussion. Gegen Stuttgart steht Wiese wieder im Kasten. Muss das sein?
Fakt ist, dass Mielitz in vier wichtigen Bereichen des Torwartspiels besser ist:
- Abfangen von Flanken und hohen Bällen
- Fußballspielen mit beiden Füßen
- Spieleröffnung, besonders die flache, vertikale ins Mittelfeld (mit Wiese auf dem Platz wäre Pizarro gegen Twente definitiv nicht zu seiner Chance gekommen, die am Pfosten endete)
- 1 gegen 1-Situationen – Mielitz erfasst die Situation schnell, bleibt lange stehen, zeigt gutes Stellungsspiel und ist reaktionsschnell. [click to continue…]
Tagged as:
anpfeifen,
Geplänkel,
Spieler,
Torhüter
von Johan Petersen am 26. Juni 2010
Die große Enttäuschung im deutschen Spiel bisher sind die Standards. Das liegt daran, dass sie wie schon 2006 und 2008 nicht trainiert werden: nur “zwei-, dreimal” bisher. Angenommen, Deutschland hatte bisher mehr als 60 Trainingseinheiten, dann haben wir weniger als 5 Prozent unserer Trainingszeit auf die Methode verwandt, mit der etwa ein Drittel aller Tore erzielt werden.
Man darf nicht vergessen, dass selbst eine spielstarke Mannschaft wie Argentinien gegen Südkorea erst einmal zwei Standards verwandelt hat, bevor sie die sich bietenden Räume mit Konter- und Kombinationsfussball ausgenutzt hat. Und ab jetzt werden die Spiele richtig eng, noch kleinere Kleinigkeiten entscheiden, und das werden unter anderem Standards sein.
Hinten liegt bei uns immer wieder ein Gegentor in der Luft, während vorne bisher gar nichts los war. Es gab nicht eine einzige Ecke, bei der ich in Erwartung eines Treffer von der Bierkiste aufgestanden wäre (Ausnahme der Lattenknaller von Khedira gegen Serbien, aber das war ein zweiter Ball).
Ich mag mich täuschen, aber ich kann mich an keine Ecke erinnern, die vom Tor weggedreht worden wäre. Linksfuß Özil schießt von rechts und Rechtsfuß Schweinsteiger schießt von links.
Bei Eckbällen und Standards in der Nähe der Eckfahne gibt es vermutlich zwei grundlegende Elemente, die die Wahrscheinlichkeit eines Treffers erhöhen. Man muss den Torhüter aus dem Spiel halten, und die Angreifer müssen sich von ihren Gegenspielern lösen (durch Blocken oder Bewegungsvorsprung).
Es gibt zwei Bereiche, die der Torhüter bei Eckbällen nicht oder nur schwierig erreichen kann. Am kurzen Pfosten, weil der Weg weit ist, und der Ball nur kurz in der Luft ist – siehe die hellgrüne Fläche. Und am langen Pfosten außerhalb des Fünfers - siehe die weiße Fläche. Hier ist der Ball zwar länger unterwegs, aber der Keeper muss gleichzeitig den Ball und für seinen Laufweg die Mit- und Gegenspieler im Auge behalten, wozu er in zwei Richtungen blicken müsste. Um das noch schwieriges zu machen, wird der Ball vom Tor weggedreht. Der Torhüter muss halb rückwärts laufen und sich durch ein Knäuel von Spielern kämpfen – siehe sein schwarzer Laufweg.

Zu den Angreifern: laufen sie schnell und aggressiv auf den ersten Pfosten, können sie sich von ihren Gegenspielern lösen. Oft stehen auf dem Weg dorthin zwei weitere Gegenspieler im Raum, um sie aufzunehmen falls sie ihren direkten Gegenspielern entwischen, aber dann kann es beim Gegner zu Konfusion zwischen Mann- und Raumdeckung kommen. So hat van Buyten in dieser Saison vom ersten Pfosten einige Tore erzielt. (Einige Mannschaften spielen natürlich auch mit reiner Raumdeckung.)
Im zweiten hier dargestellen Raum am langen Pfosten täuschen die Angreifer einen Sprint nach vorne an, verlangsamen dann aber im Kalkül, dass die Gegenspieler trotzdem weiter nach vorge gesogen werden (wie hier mit landestypischen Bildern detaillierter diskutiert), und die Bälle dann über sie hinweg bei den Angreifern landen.
Ich habe hingegen den Eindruck, dass bei uns die zum Tor hingedrehten Ecken eher auf den zweiten Pfosten gezogen werden, und damit in keine dieser beiden Strategien fallen. Oder die Laufwege auf den ersten Pfosten sind nicht ausreichend abgestimmt.
Auffällig ist allerdings auch, dass wir bisher sehr wenig Standards aus dem Halbfeld hatten. Die sind oft gefährlicher als Ecken, gerade die von rechts (siehe diese Auswertung von Özils Freistößen in der Hinrunde). Entweder waren unsere bisherigen Gegner bisher sehr diszipliniert und haben Fouls in diesen Bereichen vermieden, oder sie haben es über zu lange Phasen des Spiels geschafft, uns ganz von diesen Bereichen fernzuhalten.
Tagged as:
Deutschland,
Standards,
Theorie,
Torhüter