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Theorie

Die Abhängigkeits-Tabelle der Bundesliga: Platz 6 bis 1

von Johan Petersen am 21. Oktober 2011

6. Hertha BSC Berlin. Der Hauptstadt fehlt es an guten Fußballern in der Abwehr. Für Roman Hubnik, Andre Mijatovic, Maik Franz und Levan Kobiashvili ist der Ball ein Arbeitsgerät, das ihnen während einer Schicht nun mal einige Male unterkommt – aber Gegenspieler werden zur Erfüllung des Produktionssolls bevorzugt. Weil davor auch Andreas Ottl und Peter Niemeyer Sechser der alten, unbeweglichen Schule verkörpern, tut sich Hertha in Heimspielen schwer, das Spiel zu machen. Noch weiter vorne spielen allerdings einige gute Fußballer, aus denen Raffael noch einmal herausragt – siehe seine Gegenangriffe beim Sieg in Dortmund.

5. 1. FC Köln. Kaum prophezeie ich Lukas Podolski den Herbst seiner Karriere, läuft er wie gewohnt zur alten (Konter)form auf. Zwar hat Köln einige spielerische Stützen in der Mannschaft, und zeigt unter Stale Solbakken manchmal auch durchdachte Spielzüge gegen tief stehende Gegner – doch seine einmalige Wucht bei Kontern und allgemein vor dem Laden machen ihn unverzichtbar.

4. Bayer Leverkusen: Ähnlich wie Dortmund hat Bayer viele gute Fußballer im offensiven Mittelfeld und mit Eren Derdiyok auch im Sturm. Doch es fehlt ein kreativer Spieler, der aus tiefen Positionen das Angriffsspiel strukturiert und Tempo ins Passspiel bekommt. Die kantigen Lars Bender, Simon Rolfes und Michael Ballack fahren in deutscher Tradition als unbewegliche Panzer auf der Sechser-Position auf. Daher wird in dieser Saison viel von den atemberaubenden Antritten Andre Schürrles abhängen.

3. SC Freiburg. Papiss Demba Cisse knipst und knipst und knipst. Zwar verfügt Freiburg im Vergleich zu anderen Kellerkindern immer noch über eine gute Spielanlage, die fast immer Chancen heraus spielt. Doch das Team hängt von der Kalblütigkeit Cisses ab, um die vielen Gegentore zu kompensieren.

2. Schalke 04. Bei Schalke war in den letzten Jahren der große Kontrast zwischen Erfolg und spielerischer Qualität auffällig: vertikale Bälle auf Kevin Kuranyi, Effizienz bei Standards, eine gute Abwehr und Manuel Neuer waren die Säulen des Erfolgs. Ralf Rangnick hat versucht, mit Lewis Holtby im defensiven Mittelfeld endlich mehr spielerische Tiefe in die Mannschaft zu bekommen. Und trotzdem haben auch in dieser Saison die außergewöhnlichen Antritte Jefferson Farfans Schalker Spieler entscheiden müssen – so gegen Mainz, als er nach seiner Einwechslung das Spiel gedreht hat. Mit Raul und Jan-Klaas Huntelaar steht vorne viel Qualität auf dem Platz. Rangnick hat auch einige standardisierte Angriffe über die Flügel in die Mannschaft gebimst, die auf rechts wie links funktionieren. Dennoch liegt Schalke in dieser Tabelle fast an der Spitze, weil an manchen Tagen immer noch viel von der Schnelligkeit Jefferson Farfans abhängt.

1. Borussia Mönchengladbach. Lucien Favre hat Mönchengladbach in der letzten Monaten spielerisch in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Vor seinem Amtsantritt konnte die Mannschaft nur kontern. Jetzt kann sie an guten Tagen selber das Spiel machen; Martin Stranzl und das defensive Mittelfeld zeigen über den rechten Flügel schöne und gründlich automatisierte Angriffszüge. Doch diese funktionieren nur über die rechte Seite, und an normalen Tagen hängt die Mannschaft immer noch von den Explosionen von Marco Reus ab. Seine Schnelligkeit und seine (noch ausbaufähige) Kaltschnäuzigkeit vor dem Torwart bei Kontern sowie seine diagonalen Läufe von außen nach innen sind die wesentliche Waffe Gladbachs – zumal die anderen Verdächtigen im Sturm vor dem Tor bei vielen Chancen genau das bleiben: verdächtig (Gladbach hat den drittschlechtesten Sturm der Liga). Gladbach ist daher erster.

Eine Spielerei. Aber wenn man alle Bundesligisten unter diesem Aspekt querliest, ergeben sich auch Erkenntnisse. Wenn Mannschaften stark von einem Spieler abhängen, dann ist dieser meistens ein überdurchschnittlicher Flügelspieler. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Mannschaft Probleme hat, als Mannschaft den Ball spielerisch und variabel in die torgefährliche Zone zu bekommen. Es hapert bei diesen Mannschaften also an einer guten, vertikalen Spieleröffnung aus der Abwehr und an spielstarken Sechsern, die den Ball zum Spielfeld hin mitnehmen.

Denn Räume auf dem Flügel, die auch einem durchschnittlichen Flügelspieler genügen, schafft eine Mannschaft, indem sie die ersten ein oder zwei Pässe des Angriffs in das Dickicht in der Mitte spielt.

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Die Abhängigkeits-Tabelle der Bundesliga: Platz 12 bis 7

von Johan Petersen am 18. Oktober 2011

12. Hamburger SV. Die kollektive Krise des HSV bringt es mit sich, dass sich die Mannschaft als Sammelsurium verunsicherter Spieler darstellt, aus dem niemand mit guten persönlichen Leistungen herausragen kann. Dies ist zum Beispiel an Mladen Petric zu sehen, der eigentlich den Unterschied ausmachen kann, aber mit allen anderen im Tief steckt.

11. 1899 Hoffenheim. In der Petrischale der Liga ist das Offensivspiel auf so viele Schultern verteilt, dass beim ständigen Rochieren der vordersten Vier manchmal das Ziel aus den Augen gerät. Vielleicht ein Erbe Ralf Rangnicks, für den immer der Trainer der Star ist (bis dieser nicht mehr leuchten kann). Bis die Mannschaft diese Strukturen geschaffen hat, bietet Tom Starke der Truppe etwas Halt.

10. Augsburg. Der Aufsteiger wird wohl keinen bleibenden Eindruck in der Bundesliga hinterlassen. Man freut sich auf das Wiedersehen mit Fortuna Düsseldorf oder den Aufstieg des ewigen Nicht-Aufsteigers Greuther Fürth. Ohne Sascha Mölders, der die Hälfte aller Tore der Bayern erzielt hat, sowie Simon Jentzsch sähe es wohl noch trüber aus.

9. Werder Bremen. Ein schwieriger Fall. Aus größerer Entfernung sieht es sicherlich so aus, dass viel von Claudio Pizarro abhängt. Seine Kopfball- und Zweikampfstärke unmittelbar vor dem Tor ist überragend. Doch im Vergleich zur Vorsaison hat sich Werder in den Details spielerisch enorm verbessert und Pizarro kann sich auf Aktionen im und am Strafraum konzentrieren, weil er weniger am Spiel teilnehmen muss. Werder spielt sich also ohne ihn viele Chancen und Standards heraus, die auch andere verwerten können: Markus Rosenberg und Marko Arnautovic haben soviele Tore auf dem Konto wie keine andere zweite Garnitur der Liga. Auch im Mittelfeld herrscht bei Werder große Konkurrenz.

8. Hannover 96. Im 4-4-2 von Mirko Slomka spielt Jan Schlaudraff an guten Tagen die Hauptrolle. Wie alle anderen Angreifer und offensiven Mittelfeldspieler im Team ist er ein guter Konterspieler: schnell, zielstrebig, technisch gut und eiskalt vor dem Tor. Doch der umtriebige Schlaudraff hat ein gutes Gefühl für den Raum zwischen gegnerischer Viererkette und Mittelfeld: hierhin zieht er Gegenspieler aus der gegnerischen Ordnung und nimmt an eigenen Kombinationen teil.

7. Borussia Dortmund. Eigentlich hat Dortmund im Mittelfeld den mit Werder Bremen und Bayer Leverkusen am besten besetzten Kader der Bundesliga (Bayern lassen wir hier in einer anderen Liga spieln). Doch weil Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz ihrer persönlichen Meisterform hinter her hecheln, und Ilkay Gündogan nicht Nuri Sahin ist, hängt im Moment viel von den Ideen, den Laufwegen und natürlich der Technik Mario Götzes ab. Lucas Barrios im übrigen kann vom bestem Gesamtpaket der Liga, Robert Lewandowski, vertreten werden. So oder so läuft Dortmund Gefahr, in dieser Tabelle im Laufe der Saison tief in den Keller zu rutschen, wenn sich die Form der genannten Spieler verbessert.

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Die Abhängigkeits-Tabelle der Bundesliga: Platz 18 bis 13

von Johan Petersen am 17. Oktober 2011

Fußball ist ein Mannschaftssport: elf spielen gegen elf. Doch wer einmal auf dem Garagenhof mitgekickt hat, weiß, dass es so einfach — und so langweilig — nicht ist: beim Wählen der Mannschaften ist man nie der erste. Der kleine Fummler aus dem Nachbarhaus wird immer weit vor einem in die Mannschaft gewählt.

So ist es auch in der Bundesliga. Es gibt die Stars und die Sternchen, und dann gibt es die Rasen-Arbeiter, die nur Statistikern und nörgelnden Bloggern auffallen.

Trainer müssen sowohl die individuellen Fertigkeiten ihrer Stars auf Hochglanz polieren, als auch zu große Abhängigkeiten innerhalb der Mannschaft verhindern. Es gibt Verletzungen, Sperren und Launen.

Welche Mannschaft in der Bundesliga warum von wem abhängig ist, oder eben nicht:

18. Bayern München. Mario Gomez hat mit acht Toren etwa 40 Prozent aller Bayern-Tore erzielt, und es gibt wenig Ersatz für ihn. Doch seine vier Tore gegen Freiburg zeigen, warum die Bayern in dieser Tabelle einmal letzter sind: zwei Mal hat er den Ball ins leere Tor geschoben, einmal wurde er aus unmöglichem Winkel und großer Entfernung angeschossen, und der Ball wollte trotzdem ins Tor. Hinzu kam ein Elfmeter. Diese Tore hätte auch ein Petersen, ein Olic, ein Müller erzielt. Die Mannschaft hat so viel fußballerische und spielerische Qualität, dass es zumindest in der Bundesliga kaum eine Rolle spielt, wer vorne den Fuß hinhält.

17. VfL Wolfsburg. Ich habe den Überblick verloren, welche im Geschäft — aus verschiedenen Gründen — um Anschluss suchenden Spieler sich mittlerweile der psychologischen Kader-Kriegsführung Felix Magaths verschrieben haben. Da sie an jedem Wochenende neue Nebenleute vorfinden, konnte sich noch keiner in den Vordergrund spielen – Mandzukic’ Tore hin oder her.

16. 1. FC Nürnberg. Vielleicht keine andere Mannschaft hängt so sehr von ihrem Trainer ab wie die junge Bande des Clubs. Doch Trainer laufen hier außer Konkurrenz und im Team Dieter Heckings fehlt bei allem Talent bei Ballbesitz ein Spieler, der sagt, wo es lang geht – sowohl beim Umschalten nach Ballgewinnen als auch im letzten Spielfelddrittel.

15. 1. FC Kaiserslautern. Bereits in der Vorsaison lebte die Mannschaft vom Kollektiv. Nach dem Abgang von Ilo Ilicevic dürfte das nicht mehr reichen.

14. VfB Stuttgart. Das Prunkstück der Mannschaft ist der Verbund, den die beiden Sechser William Kvist und Ydravko Kuzmanovic mit den Innenverteidigern bilden. In diesem Block würde der Ausfall Serdar Tascis vermutlich am meisten schmerzen. Weiter vorne scheint Martin Harnik die wichtigste Rolle zu spielen – ich glaube aber, dass er eher zur Zeit einfach am besten in Form ist. So sind Tamas Hajnal, Cacau und Christian Gentner im Zentrum bisher reichlich blass geblieben – der VfB hätte sicher gerne mehr Ideen im Zentrum, auch wenn er damit in dieser Tabelle sicherlich weiter oben stehen würde.

13. FSV Mainz 05. Die Mannschaft hat in diesem Sommer so viel fußballerische Substanz verloren wie sonst nur der 1. FC Nürnberg. Das neue Gesicht der Mannschaft hat sich immer noch nicht gebildet – damit ist die Last des Abstiegskampfs auch gleichmäßig verteilt.


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Das ewige Prinzip des Fußballs ist der doppelte Wettstreit zwischen Angriff und Verteidigung: man versucht besser zu verteidigen als der Gegner angreift und besser anzugreifen als der Gegner verteidigt.
Beide Strategien bedingen einander – wer in der gegnerischen Hälfte den Ball erobert, kann in der Folge effektiver angreifen, als wenn er ihn am eigenen Strafraum gewinnt.

Die vielen kleinen Zufälle, Reibungen, Lücken und Fehler, die dieser Wettstreit in den Platz furcht, bestellen das Fußballfeld für Innovationen.

Alle paar Jahre versucht sich auch ein Bundesligist an einem ausländischen Modernisierer. Köln hat Stale Solbakken verpflichtet, doch erst nach den ersten Niederlagen scheint dem Verein und der Mannschaft zu dämmern, wie tief sie nun in den Furchen des Innovation-Ackers wühlen müssen.

Im Zentrum von Solbakkens Taktik steht die Antwort auf die Frage, die ich im letzten Jahr gestellt habe: wie verteidigen, wenn es keine Stürmer mehr gibt? Anders gesagt: ist die Anforderung an Verteidiger, ihren Gegenspielern durch ihre Zone zu folgen, noch zeitgemäß, wenn die Stürmer nur noch die Aufgabe haben, sie durch ihre Laufwege aus ihren Positionen zu locken und damit den gesamten Abwehrverband zu zertrümmern?

Das veranschaulicht dieses gerade diskutierte Beispiel aus dem Freundschaftsspiel Deutschland gegen Brasilien: Lucio (3) folgt Klose (9) dem Ball entgegen, und öffnet damit gleichzeitg den Passweg für Kroos (10) und den Laufweg für Götze (8), die sich so tödlicher Weise direkt vor dem Torwart vereinigen.

Durch Lucios Ausrücken bricht das kollektive Gebilde Viererkette in seine Einzelteile auseinander.

Ich habe damals einige Kriterien formuliert, anhand derer Verteidiger entscheiden, ob sie ihre Position in der Viererkette verlassen. Bei Solbakken sollen sie dies nur tun, wenn sie den Ball sicher erobern können. Das fügt den Entscheidungen, die Abwehrspieler treffen müssen, eine völlig neue und ungewohnte Dimension hinzu, die zunächst überfordern muss. Es dauert lange und bedarf viel Trainings, bis diese vom Kopf in die Intuition übergehen.

Noch ganz dicht?

Wäre das Tor Götzes gegen Brasilien auch gefallen, wenn Lucio seine Position gehalten hätte, anstatt Klose zu folgen? Zunächst hätte Klose den Ball annehmen und sich auf die Viererkette hin drehen können, vermutlich unterstützt von Kroos. Das ist aber erst einmal nur dann ein gefährliches Szenario, wenn ihm Passwege auf Mitspieler zur Verfügung stehen, die Laufwege durch die Abwehr haben. Genau die würde Lucio aber zu stellen, so dass Klose ins Dribbling gegen zwei Innenverteidiger müsste, die von den Aussenverteidigern unterstützt werden – sehr wahrscheinlich verliert er hier den Ball.

Trotzdem eine gefährliche Situation, vor allem wenn Klose den Ball auf Flügelspieler durchstecken kann, die nicht im Abseits stehen. Deswegen ist es so wichtig, dass in Solbakkens 4-4-2 die beiden Viererketten – Abwehr und Mittelfeld – ganz dicht beieinander stehen. Kann Lucio den auf ihn zulaufenden Klose nur kurz aufhalten, muss der von oben kommende Sechser wieder eingreifen können.

Der springende Punkt für mich ist, ob man daraus Konsequenzen für die Höhe und Breite der Mannschaft zieht. Bei Solbakken soll die Viererkette sehr hoch stehen – das ist riskant, braucht verdammt schnelle Abwehrspieler und einen sehr gut mitspielenden Torwart. International geht der Trend eher wieder davon weg. Ich glaube auch nicht, dass es dadurch einfacher wird, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen kurz zu halten.

Die Sichel bricht

Zu Solbakkens Neuerungen gehört, dass die Außenverteidiger im 1 gegen 1 auf dem Flügel alleine gelassen werden.

Eine Ungenauigkeit der Presse bei diesem Punkt scheint mir zu sein, dass es schon länger nicht mehr zwingend üblich ist, dass der Innenverteidiger mit dem Außenverteidiger doppelt. Es ist international bereits seit einiger Zeit zu beobachten, dass sie sich ins Zentrum zurück ziehen, um dort die Flanken abzuwehren – zum Beispiel bei der WM in Südafrika; auch Werder handhabt das so.

In der blauen Sichel sichert der Innenverteidiger (4) den Außenverteidiger ab. In der roten, neueren Sichel hält er das Zentrum:

Allerdings doppeln in der Liga die Mittelfeldspieler den Außenverteidiger, vor allem gegen Spieler der Klasse Robbens oder Riberys.

Solbakken denkt also einen Schritt weiter, und versucht, die Außenverteidiger gar nicht erst in diese 1 gegen 1-Situation auf dem Flügel geraten zu lassen. Dazu sollen die Flügelspieler im 4-4-2 bzw. 4-5-1 so weit außen stehen, dass Pässe auf die gegnerischen Flügelspieler zugestellt werden:

Damit steht die gesamte Mannschaft sehr breit, während es eine sonst oft zu beobachtende Strategie ist, den Gegner auf den Flügel zu lenken, und ihn dann mit Pressing an der Seitenlinie festzunageln: man trifft die Fliege nicht, wenn sie durch den Raum schwirrt, sondern wenn sie an der Wand sitzt. Hier ist entsprechende Arbeit der Stürmer gefordert, damit der Gegner das Spiel auch dann nicht vertikal eröffnen kann, wenn die Flügelspieler nicht einrücken.

Spätestens an dieser Stelle ergeben sich allerdings Konsequenzen für die Höhe der Mannschaft. Steht sie am eigenen Strafraum und der Außenverteidiger verliert das 1 gegen 1, brennt sofort der Baum, weil er direkt flanken kann. Passiert dies hoch in der eigenen Hälfte, ist noch genug Zeit, den Brandherd zu löschen.

Wieviel reisst der Provinz-Gott mit sich?

Ob sich Solbakken in Köln behaupten kann, wird mitentscheiden über die Innovationsfreudigkeit der Bundesliga, die sich taktisch im Vergleich zu anderen europäischen Spitzenligen oft langsamer entwickelt.

Leider trifft er in Köln auf eine der unglücklichsten Konstellationen der Liga, deren Innovations-Hochburgen an den ruhigen Standorten in Freiburg und Mainz stehen, vielleicht auch Nürnberg und Hoffenheim. Er trifft dort nicht nur auf das unruhigste Medien-Umfeld, sondern auch auf den Provinz-Gott Lukas Podolski, der seit zwei bis drei Jahren stagniert und der in der Nationalmannschaft bei der EM im nächsten Sommer von Schürrle oder Götze verdrängt werden wird. Er ist auf dem Weg zu einem lokalen Helden, der am Ende der Versuchung erliegen könnte, seinen Bedeutungsverlust ausserhalb des Clubs durch eine Zementierung seiner Position innerhalb seines kleinen Horizonts auszugleichen. Seinen Kampf um einen Nationalmannschaftsplatz wird er über seine — tatsächlich unverwechselbaren — bang-boom-bang Tore führen wollen, nicht indem er Solbakkens kleinteilige Anweisungen im Stellungsspiel gegen die gegnerischen Sechser buchstabengetreu umsetzt.

Die Situation Solbakkens in Köln erinnert an Werders Verpflichtung von Aad de Mos als  Nachfolger von Otto Rehhagel 1995. Dessen Retro-Fussball lag in Bremen in seinen letzten Zügen (erlebte aber später in Lautern und Griechenland eine erstaunliche Renaissance) und nach fast 15 Jahren Amtszeit bestand ein grosser Modernisierungs- und Änderungsbedarf. De Mos führte die Viererkette ein, doch er wollte zu viel zu schnell, und das Experiment dauerte nur ein halbes Jahr.  Die Liga hat die Kette flächendeckend später als andere Ligen eingeführt.

Damit sind wir beim nicht minder spannenden – aber hier zu weit führenden – Thema, unter welchen Bedingungen Innovationen in Institutionen gelingen oder nicht. Günstig ist eine schwere Krise, die allen Beteiligten die Notwendigkeit für Änderungen deutlich macht – zum Beispiel die Situation beim DFB Anfang der 2000er Jahre. Sonst braucht ein Trainer vermutlich erst Akzeptanz und Erfolg, bevor er radikale Veränderungen durchsetzen kann.

Ein weiterer, in diesem Sinne interessanter Schauplatz ist in dieser Saison Bayer Leverkusen, wo der innovative und taktisch sehr versierte Dutt auf die ewigen Platzhirsche Ballack und Rolfes trifft.

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In den Fußball-Geschichtsbüchern wird die false nine eines Tages einen gesonderten Eintrag zu den 2000er Jahren erhalten. Das 2:0 aus dem Freundschaftsspiel gegen Brasilien dürfte als historisches Beispiel angeführt werden. [click to continue…]

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Spielkultur vs Siegermentalität?

von Johan Petersen am 12. Juni 2011

Ich war schon immer fasziniert davon, wie sich über Spielergenerationen hinweg die Eigenschaften von Mannschaften und Vereinen fortpflanzen.

Es ist egal, wer bei Portugal auf dem Platz steht: nach der Vorrunde haben sie den Pokal gewonnen und in der nächsten Runde fliegen sie hochkant raus. Den Spielern fehlt die nötige mentale Stabilität und die Fähigkeit, sich im gesamten Turnier-Verlauf in den richtigen Momenten zu konzentrieren. Deutschland hingegen war vor fünfzig Jahren eine Turniermannschaft, und ist es auch heute noch. [click to continue…]

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Das Drei-Säulen-Modell des Aufbauspiels

von Johan Petersen am 11. Februar 2011

Die Nationalmannschaft hat es bei der WM praktiziert (Schweinsteiger), Dortmund tut es (Sahin), Bayern auch (auch Schweinsteiger bzw. zuletzt Pranjic) und Barca sowieso: Ein Sechser, zumeist der spielerisch stärkere der beiden, lässt sich bei eigenem Ballbesitz auf Höhe der Innenverteidiger fallen, während die Außenverteidiger nach vorne ins Mittelfeld rücken. Es entsteht vorübergehend eine Dreier-Reihe. [click to continue…]

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Mainz vs Werder, das 1:0: ein Sammelsurium namens Abwehr

von Johan Petersen am 8. Februar 2011

Ich habe meine Sicht auf das 1:0 von Mainz schon in der Spielanalyse erläutert, aber es gab hier lange keine Toranalyse mehr und der Blick aufs Grauen macht doch Spaß.

Die Ausgangssituation: Es beginnt damit, dass Frings (22) zu hoch steht, nämlich vor dem Mainzer Spielmacher Holtby (10). Als der Einwurf von Fuchs (3) auf den entgegen kommenden Holtby kommt, muss deswegen Mertesacker (29) aus der Abwehr. Er hat aber den längeren Weg, und kommt zu spät.

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Werder vs Inter, das 2:0: Marins Straßensperren

von Johan Petersen am 16. Dezember 2010

Die meisten Tore fallen, weil der Gegner Fehler macht. In Ermangelung eines solchen fiel das 2:0 gegen Inter trotz eigener Fehler im Angriff, beide von Marko Marin.

Die Ausgangssituation: Hunt treibt den Ball von der Mittellinie auf Inters Abwehr zu. Arnautovic startet aus dem Zentrum auf halbrechts, ohne angespielt zu werden (vertretbar, weil es keinen freien Passweg gab). Marin steht im Zentrum und müsste in den von Arnautovic geöffneten Raum unmittelbar vor der Viererkette laufen – Hunt hätte einen diagonalen Pass spielen können, und Marin wäre vielleicht durch die Kette gekommen (siehe den in Rot dargestellten Raum mit dazugehörigen Lauf- und Passwegen). Ein nachrückender Mittelfeldspieler hätte seinen Raum besetzen können, als Absicherung im Falle eines Ballverlusts.

Stattdessen bleibt Marin stehen, lässt sich de facto fallen und zwingt Hunt zu einem Querpass. Dann weiß er nicht wohin, weil Inters Viererkette die Lücke inzwischen geschlossen hat. Marin wartet einige Momente mit Ball und nimmt dem Angriff den letzten Rest Tempo.

Dann begeht er seinen zweiten Fehler: er spielt einen Querpass in den Rücken von Hugo – weil er den rechten Fuß nimmt, nicht den linken wie damals Bargfrede.

Hugo muss einige Schritte zurück laufen, um den Ball aufzunehmen. Die Klasse von Hugo und Arnautovic bringt den Ball dann trotz dieser doppelten Straßensperre von Marin noch in Inters Tor unter. [click to continue…]

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Der linke Fuß ist nicht immer der rechte

von Johan Petersen am 23. November 2010

Beim Thema Beidfüßigkeit geht es um Feinheiten, vielleicht ist es deshalb eines der meist unterschätzten Themen des Fußballs. Alle diskutieren über den Unterschied zwischen 4-4-2 und 4-3-3, aber wann nimmt man eigentlich welchen Fuß?

Dank daher an den qatarischen Nationalspieler Khalfan Fahad, der das Problem mit diesem spektakulären Fehlversuch für jeden anschaulich macht. Anstatt den Ball mit dem rechten Fuß ins Tor zu schieben, löffelt er ihn unkontrolliert mit dem linken an den Pfosten.

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