6. Hertha BSC Berlin. Der Hauptstadt fehlt es an guten Fußballern in der Abwehr. Für Roman Hubnik, Andre Mijatovic, Maik Franz und Levan Kobiashvili ist der Ball ein Arbeitsgerät, das ihnen während einer Schicht nun mal einige Male unterkommt – aber Gegenspieler werden zur Erfüllung des Produktionssolls bevorzugt. Weil davor auch Andreas Ottl und Peter Niemeyer Sechser der alten, unbeweglichen Schule verkörpern, tut sich Hertha in Heimspielen schwer, das Spiel zu machen. Noch weiter vorne spielen allerdings einige gute Fußballer, aus denen Raffael noch einmal herausragt – siehe seine Gegenangriffe beim Sieg in Dortmund.
5. 1. FC Köln. Kaum prophezeie ich Lukas Podolski den Herbst seiner Karriere, läuft er wie gewohnt zur alten (Konter)form auf. Zwar hat Köln einige spielerische Stützen in der Mannschaft, und zeigt unter Stale Solbakken manchmal auch durchdachte Spielzüge gegen tief stehende Gegner – doch seine einmalige Wucht bei Kontern und allgemein vor dem Laden machen ihn unverzichtbar.
4. Bayer Leverkusen: Ähnlich wie Dortmund hat Bayer viele gute Fußballer im offensiven Mittelfeld und mit Eren Derdiyok auch im Sturm. Doch es fehlt ein kreativer Spieler, der aus tiefen Positionen das Angriffsspiel strukturiert und Tempo ins Passspiel bekommt. Die kantigen Lars Bender, Simon Rolfes und Michael Ballack fahren in deutscher Tradition als unbewegliche Panzer auf der Sechser-Position auf. Daher wird in dieser Saison viel von den atemberaubenden Antritten Andre Schürrles abhängen.
3. SC Freiburg. Papiss Demba Cisse knipst und knipst und knipst. Zwar verfügt Freiburg im Vergleich zu anderen Kellerkindern immer noch über eine gute Spielanlage, die fast immer Chancen heraus spielt. Doch das Team hängt von der Kalblütigkeit Cisses ab, um die vielen Gegentore zu kompensieren.
2. Schalke 04. Bei Schalke war in den letzten Jahren der große Kontrast zwischen Erfolg und spielerischer Qualität auffällig: vertikale Bälle auf Kevin Kuranyi, Effizienz bei Standards, eine gute Abwehr und Manuel Neuer waren die Säulen des Erfolgs. Ralf Rangnick hat versucht, mit Lewis Holtby im defensiven Mittelfeld endlich mehr spielerische Tiefe in die Mannschaft zu bekommen. Und trotzdem haben auch in dieser Saison die außergewöhnlichen Antritte Jefferson Farfans Schalker Spieler entscheiden müssen – so gegen Mainz, als er nach seiner Einwechslung das Spiel gedreht hat. Mit Raul und Jan-Klaas Huntelaar steht vorne viel Qualität auf dem Platz. Rangnick hat auch einige standardisierte Angriffe über die Flügel in die Mannschaft gebimst, die auf rechts wie links funktionieren. Dennoch liegt Schalke in dieser Tabelle fast an der Spitze, weil an manchen Tagen immer noch viel von der Schnelligkeit Jefferson Farfans abhängt.
1. Borussia Mönchengladbach. Lucien Favre hat Mönchengladbach in der letzten Monaten spielerisch in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Vor seinem Amtsantritt konnte die Mannschaft nur kontern. Jetzt kann sie an guten Tagen selber das Spiel machen; Martin Stranzl und das defensive Mittelfeld zeigen über den rechten Flügel schöne und gründlich automatisierte Angriffszüge. Doch diese funktionieren nur über die rechte Seite, und an normalen Tagen hängt die Mannschaft immer noch von den Explosionen von Marco Reus ab. Seine Schnelligkeit und seine (noch ausbaufähige) Kaltschnäuzigkeit vor dem Torwart bei Kontern sowie seine diagonalen Läufe von außen nach innen sind die wesentliche Waffe Gladbachs – zumal die anderen Verdächtigen im Sturm vor dem Tor bei vielen Chancen genau das bleiben: verdächtig (Gladbach hat den drittschlechtesten Sturm der Liga). Gladbach ist daher erster.
Eine Spielerei. Aber wenn man alle Bundesligisten unter diesem Aspekt querliest, ergeben sich auch Erkenntnisse. Wenn Mannschaften stark von einem Spieler abhängen, dann ist dieser meistens ein überdurchschnittlicher Flügelspieler. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Mannschaft Probleme hat, als Mannschaft den Ball spielerisch und variabel in die torgefährliche Zone zu bekommen. Es hapert bei diesen Mannschaften also an einer guten, vertikalen Spieleröffnung aus der Abwehr und an spielstarken Sechsern, die den Ball zum Spielfeld hin mitnehmen.
Denn Räume auf dem Flügel, die auch einem durchschnittlichen Flügelspieler genügen, schafft eine Mannschaft, indem sie die ersten ein oder zwei Pässe des Angriffs in das Dickicht in der Mitte spielt.
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