Posts tagged as:

Spieleröffnung

Das Drei-Säulen-Modell des Aufbauspiels

von Johan Petersen am 11. Februar 2011

Die Nationalmannschaft hat es bei der WM praktiziert (Schweinsteiger), Dortmund tut es (Sahin), Bayern auch (auch Schweinsteiger bzw. zuletzt Pranjic) und Barca sowieso: Ein Sechser, zumeist der spielerisch stärkere der beiden, lässt sich bei eigenem Ballbesitz auf Höhe der Innenverteidiger fallen, während die Außenverteidiger nach vorne ins Mittelfeld rücken. Es entsteht vorübergehend eine Dreier-Reihe. [click to continue…]

{ 9 Kommentare }

Außenverteidiger: das Tabu der Spieleröffnung

von Johan Petersen am 3. August 2010

“Im modernen Fußball wird die Spieleröffnung mehr denn je den Füßen des Außenverteidigers anvertraut…”

Diese Aussage hat so viel Wahrheitsgehalt wie ein Teebeutel (mit denen Außenverteidiger heute in der SZ aus irgendeinem Grund verglichen werden.) Man könnte sagen, das Gegenteil stimmt: ein Angriff, der über die Außenverteidiger eröffnet wird, ist zum Scheitern verurteilt.

Denn je früher ich den Ball auf eine Seite verlagere, desto eher weiß der Gegner, über welche Seite ich komme. Das Anspiel auf einen Außenverteidiger ist für den Gegner ein Signal für Pressing und Verschieben zum Ball hin: spätestens, wenn ich in der Mitte der gegnerischen Hälfte angekommen bin, ist alles dicht. Ich muss hinten rum spielen, neu aufbauen.

Wird der Ball hingegen von den Innenverteidigern vertikal auf die 6er gespielt, haben diese noch alle Optionen. Eine sehr effiziente Strategie der Spieleröffnung ist es daher, soweit wie möglich im Zentrum nach vorne zu kommen und damit auch den Gegner im Zentrum zu halten.

In rot der Gegner, nachdem der erste Pass auf den Außenverteidiger gespielt wurde. In blau, nachdem der erste Pass nach vorne ins Mittelfeld gespielt wurde. Ein Unterschied so groß wie der zwischen einem ausgetrockneten Teebeutel und knackigem Röstkaffee:

Die blauen Kasten stellen die Räume dar, die der Gegner nicht besetzen kann, weil er nicht weiß, wohin es als nächstes geht. Vor allem die äußeren Mittelfeldspieler (8) (9) werden lange im Zentrum gehalten, und in ihrem Rücken können die Außenverteidiger aufrücken. Denn erst jetzt wird der Ball auf den Flügel gespielt, so dass die Außenverteidiger von hinten mit Tempo in die Anspiele laufen können.

Für mich ist dieser erste Pass nach vorne das Geheimnis von schönem Fußball, und Schaaf hat das bei Werder mit der Raute perfektioniert:

Warum spielen dann so viele Mannschaften den ersten Ball auf den Außenverteidiger, obwohl das dem Gegner in die Karten spielt?

Man braucht Mittelfeldspieler, die den Ball auch unter Druck zum Spielfeld hin mitnehmen können. Die sind auch auf höchstem Niveau erstaunlich rar. (Schweinsteiger gehört dazu, van Bommel nicht.)

Daher spielen viele Innenverteidiger gezwungener Maßen Querpässe auf die Außenverteidiger – doch das ist entweder eine Sackgasse oder es führt zu einem Drahtseilakt die Außenlinie entlang, auf den der Gegner nur wartet. Außenverteidiger sind daher in guter Spieleröffnung geradezu tabu.

{ 8 Kommentare }

Bayern vs Werder (2008/2009), das 0:1

von Johan Petersen am 3. Oktober 2009

Dieses Tor war der endgültige Beweis, dass Mesut Özil das Potential hat, einmal in einem Atemzug mit Micoud und Diego genannt zu werdem. Hier durch seine blitzschnelle Auffassungsgabe und das klasse Timing seines Passes.

Das Tor zeigt auch, was eine hochstehende Viererkette gepaart mit Spielern wie Frank Baumann und Özil für Wunder wirken kann: sechs Ballkontakte, drei Stationen, vier Sekunden nach Balleroberung klingelt’s. (Sie kann auch ins Verderben führen, bevorzugt bei Auswärtsspielen in Stuttgart. Mehr dazu demnächst, aber hoffentlich nicht morgen.)

Die Ausgangssituation: Bayern erobert den Ball und kontert: Ze Roberto führt den Ball quer durchs Mittelfeld. Entscheidend: Werders Viererkette weicht nicht zurück, sondern bleibt etwa 25 Meter hinter der Mittellinie stehen (weiße gestrichelte Linie). Naldo greift Ze Roberto an, der in seiner Zone steht (blaue Linie). Toni und Podolski stehen beim Pass deutlich im Abseits.

Die Ausgangsituation

Der Spielzug: Dann Frank Baumanns (6) große Stärke, das schnelle Umschalten, in Reinform. Er spielt den Freistoß sofort vertikal auf Mesut Özil (11), der kurz nach Ballverlust der Bayern noch ungedeckt ist. Der Spielzug

Der Torabschluss: Özil  nimmt den Ball zum Spielfeld hin mit, und spielt sofort vertikal in die Spitze. Der ihn angreifende Lucio (2) kommt zu spät. Rosenberg (9) nimmt den Ball hinter dem Rücken von Demichelis so geschickt mit, dass er mit dem dritten Ballkontakt frei vor Rensing abschließen kann.

Der Torabschluss

Jürgen Klinsmann sollte nie wieder so dicht an den von ihm zuerst für die Nationalmannschaft propagierten schnellen, vertikalen Fußball kommen wie bei diesem Spielzug. Er saß nur dreißig Meter entfernt an der Seitenlinie.

{ 0 Kommentare }