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Spieler

Alle Jahre wieder – wohin mit Marin?

von Johan Petersen am 9. Juli 2011

Beim Blättern im Archiv ist mir aufgefallen, wie viel Substanz unser Kader in den Spielzeiten 2009/2010 und 2010/2011 verloren hat.

Sieben Leistungsträger haben den Verein verlassen, bzw. sind durch langwierige Verletzungen de facto Abgänge gewesen: Diego, Mesut Özil, Frank Baumann, Hugo Almeida, Markus Rosenberg, Naldo, Sebastian Bönisch.

Demgegenüber stehen nur vier Spieler, die es im gleichen Zeitraum dauerhaft in die erste Elf geschafft haben (bei schwankenden Leistungen): Claudio Pizarro, Marko Marin, Philipp Bargfrede, Mikael Silvestre.

Das heisst, der Kader hat im wesentlichen von seinen Reserven zehren müssen. Dazu haben Karteileichen wie Carlos Alberto, Jurica Vranjes und Said Husejinovic die Kaderplanung belastet.

Diese Zyklen hat vermutlich fast jede Mannschaft und wir dürften in diesem Sommer die Talsohle durchschritten haben. Wenn die jetzigen Neuverpflichtungen wie Schmitz und Ekici sitzen und sich Arnautovic, Wagner und Wesley mit einem Jahr Verspätung als Verstärkungen erweisen, könnte es recht steil nach oben gehen.

Es stellt sich allerdings wie vor einem Jahr in der Vorbereitung die Frage, was Schaaf mit diesem Kader vorhat. Das Spiel gegen Midtylland sah nach einer Rückkehr zur guten, alten Diego-Zeit aus: eine Raute, mit einem Spielmacher Ekici, der sich gerne fallen lässt und damit das Spiel erst einmal langsam macht. Die Flügel werden erst sehr spät im Angriff besetzt.

Das wirft (alle Jahre wieder) die Frage auf, wo Marin eingesetzt werden soll – auf der Halbposition? Als zweiter Stürmer?

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Ein Schock namens Wolf

von Johan Petersen am 4. Juli 2011

Es ist mir in den letzten zwei-drei Jahren nicht gelungen, ein Spiel des Clubs zu sehen, in dem Andreas Wolf nicht ein Gegentor verschuldet hat. Stockfehler, mangelnde Beidfüßigkeit und Schnelligkeit kosteten die Mannschaft Punkt um Punkt. Seine Verpflichtung war ein Schock für mich. [click to continue…]

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Abschied vom Teilchenbeschleuniger

von Johan Petersen am 8. April 2011

Man sieht die Abräumer vor der Abwehr oft als selbstlose Arbeiter, die ihren Kollegen den Rücken frei halten. Sie ermöglichen anderen ihren Glanz und verschwinden dann unbemerkt mit dreckigem Trikot in der Kabine. Doch stille Helden gibt es auch in der Offensive.

In dieser Woche gab es eine sehr traurige Nachricht für alle Werder-Fans, oder vielleicht auch nur für vereinsamte blogger. Daniel Jensen verlässt den Verein am Ende der Saison. Er war ohne Frage einer der besten Techniker, die das grün-weiße Trikot getragen haben. Ich glaube, er Daniel Jensen verfügte über die beste Ballan- und -mitnahme der Vereinsgeschichte. [click to continue…]

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Denni Avdic, und Sinn und Unsinn von youtube-Videos

von Johan Petersen am 8. Januar 2011

Es sollen schon Spieler aufgrund von youtube-Videos verpflichtet worden sein. Taucht ein neuer Name in der Transfer-Gerüchteküche auf, stürzt man sich ins Netz und sucht nach Indizien, dass der Traum vom nächsten Kracher nicht länger Traum, sondern bald Wirklichkeit ist.

Natürlich völlig umsonst. Video-Szenen lassen sich nicht von einer Liga in die andere übertragen, vor allem nicht von südamerikanischen in europäische. Auch ein Dribbling Zidans gegen vier dänische Verteidiger begeistert, aber es sagt leider mehr über die Schwächen der Abwehrspieler und über die dänische Liga aus, als über seine Qualitäten – in der Bundesliga wird schneller gespielt und enger gestanden. [click to continue…]

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Werder vs Inter, das 2:0: Marins Straßensperren

von Johan Petersen am 16. Dezember 2010

Die meisten Tore fallen, weil der Gegner Fehler macht. In Ermangelung eines solchen fiel das 2:0 gegen Inter trotz eigener Fehler im Angriff, beide von Marko Marin.

Die Ausgangssituation: Hunt treibt den Ball von der Mittellinie auf Inters Abwehr zu. Arnautovic startet aus dem Zentrum auf halbrechts, ohne angespielt zu werden (vertretbar, weil es keinen freien Passweg gab). Marin steht im Zentrum und müsste in den von Arnautovic geöffneten Raum unmittelbar vor der Viererkette laufen – Hunt hätte einen diagonalen Pass spielen können, und Marin wäre vielleicht durch die Kette gekommen (siehe den in Rot dargestellten Raum mit dazugehörigen Lauf- und Passwegen). Ein nachrückender Mittelfeldspieler hätte seinen Raum besetzen können, als Absicherung im Falle eines Ballverlusts.

Stattdessen bleibt Marin stehen, lässt sich de facto fallen und zwingt Hunt zu einem Querpass. Dann weiß er nicht wohin, weil Inters Viererkette die Lücke inzwischen geschlossen hat. Marin wartet einige Momente mit Ball und nimmt dem Angriff den letzten Rest Tempo.

Dann begeht er seinen zweiten Fehler: er spielt einen Querpass in den Rücken von Hugo – weil er den rechten Fuß nimmt, nicht den linken wie damals Bargfrede.

Hugo muss einige Schritte zurück laufen, um den Ball aufzunehmen. Die Klasse von Hugo und Arnautovic bringt den Ball dann trotz dieser doppelten Straßensperre von Marin noch in Inters Tor unter. [click to continue…]

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Gegen Stuttgart: Abschied von Mielitz

von Johan Petersen am 6. November 2010

Da wir gerade so gut in Form sind, nach der Trainer- nun also die Torwartdiskussion. Gegen Stuttgart steht Wiese wieder im Kasten. Muss das sein?

Fakt ist, dass Mielitz in vier wichtigen Bereichen des Torwartspiels besser ist:

  • Abfangen von Flanken und hohen Bällen
  • Fußballspielen mit beiden Füßen
  • Spieleröffnung, besonders die flache, vertikale ins Mittelfeld (mit Wiese auf dem Platz wäre Pizarro gegen Twente definitiv nicht zu seiner Chance gekommen, die am Pfosten endete)
  • 1 gegen 1-Situationen – Mielitz erfasst die Situation schnell, bleibt lange stehen, zeigt gutes Stellungsspiel und ist reaktionsschnell. [click to continue…]

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Drei Hochzeiten rocken (der Werder-Kader 2010/2011)

von Johan Petersen am 12. August 2010

Fazit: Schwer zu ziehen, bevor der Verbleib Özils nicht geklärt ist. Ein typischer Kader der Ära Allofs/Schaaf: vorne viele tolle Fußballer, und hinten auf Kante genäht. Für eine CL-Saison halte ich ihn allerdings für zu klein – viel hängt von der Zahl und Dauer der Verletzungen ab. Man stelle sich vor, Özil geht, und Hunt ist lange verletzt….

Zusammensetzung: Es gibt wenig Veränderungen. Das ist generell nicht unbedingt von Vorteil (frischer Wind tut immer gut). Schaaf setzt offensichtlich auf eine kleine, verschworene Gruppe, in der sich viele Spieler schon lange kennen.  Mit Arnautovic, Jensen und Wagner gibt es drei Neuzugänge – das sorgt vorne für die Breite, die uns im letzten Jahr gefehlt hat. Mit Niemeyer gibt es nur einen Abgang – geht auch Özil, kann sich der Einbruch des letzten Herbsts wieder holen.

Wir haben wieder unglaublich viel Routine und internationale Erfahrung im Kader (Pizarro, Mertesacker, Frings, Borowski, Jensen, Fritz, Wiese), aber auch eine Reihe junger, hungriger Spieler (Marin, Hunt, Boenisch, Bargfrede), die noch am Anfang stehen. Von deren Weiterentwicklung erhoffe ich den größten Schub.

Stärken: Das Prunkstück ist die Reihe hinter der Spitze: Hunt, Özil, Marin und Arnautovic sind eine Klasse für sich. Marin und Arnautovic könnten sich zu einer genialen Flügelzange entwickeln – Marko & Marko als schnellster Pizza-Bringdienst der Liga. Auch vorne sind wir mit Pizarro, Almeida und Wagner ausreichend besetzt, zumal wenn wir mit nur einer Spitze spielen. Vor der Abwehr sind wir mit Frings, Bargfrede, Jensen, Borowski gut aufgestellt – ich halte es allerdings für einen Fehler, dass wir Niemeyer abgegeben haben. Jensen, vielleicht auch Frings, sind verletzungsanfällig, und wir wollen auf drei Hochzeiten abrocken.

Schwächen: In der Abwehr gehen wir mit sechs Spielern für vier Positionen in die Saison. Die Viererkette ist nominell gut besetzt, aber das wird in dieser Saison nicht mehr reichen. Auf den Außen gibt es quasi keinen Ersatz für Fritz und Boenisch. Dem Duo Naldo und Mertesacker hätte schon in den letzten Jahren ein bisschen ernsthaftere Konkurrenz gut getan – jetzt aber hatten beide keine richtige Vorbereitung; Naldo ist verletzt und Mertesacker hat eine schwache WM gespielt.

Es wäre wichtig, anstatt Rosenberg noch einen Ersatz für die Außenverteidiger im Kader zu haben.

Wiese. Stärken und Schwächen sind bekannt: ist es wirklich schon zu spät, um ihm die Spieleröffnung beizubringen?

Vander. Ist er topfit, gehört er wohl zu den besten fünf Ersatz-Torhütern der Liga. Leider verletzt.

Naldo. In der Offensive einmalig. Hinten manchmal mit Konzentrations- und Stellungsfehlern. Wegen der mysteriösen Knieverletzung erwarte ich eine wechselhafte oder sogar schwache Saison.

Prödl. Hat alle Anlagen, um Naldo oder Mertesacker ohne große Abstriche zu ersetzen (abgesehen von Kopfballduellen im Mittelfeld und Naldos Freistößen und Vorstößen). Vor allem wendiger und zerriger als Mertesacker. Lässt sich allerdings in manchen Situationen vorschnell und zu weit aus der Abwehr ziehen (könnte sich mit zunehmender Spielpraxis legen).

Mertesacker. Die WM hat für mich bestätigt, dass er vielleicht bei Werder am besten aufgehoben ist – und nicht bei den Top-/Champions-League-Clubs, zu denen er wechseln wollte. Passt nicht richtig in unser Konzept einer oft sehr hoch stehenden Abwehr – am und im eigenen Strafraum natürlich wegen seiner Größe und seinem Stellungsspiel eine Klasse für sich. Starke, vertikale Spieleröffnung.

Pasanen. Wäre als Innenverteidiger bei zwei Dritteln aller Bundesligisten Stammspieler. Auch als Außenverteidiger kann er mehr, als ihm zugestanden wird – z.B. gut getimte Bälle in die Spitze, und Flanken mit beiden Füßen. Dribblings zur Torauslinie sind ihm allerdings fremd.

Boenisch. Noch immer der Forrest Gump unter den Außenverteidigern. Muss unbedingt sein Passspiel und damit verbunden seine Übersicht verbessern. Nach vorne könnte er für meinen Geschmack wieder etwas stürmischer werden und seine Schnelligkeit so ausspielen wie in seinem ersten Jahr bei uns.

Fritz. Ich erwarte eine ähnlich solide Saison. Natürlich wünscht man sich vorne etwas mehr Feuerwerk (bin sehr gespannt auf sein Zusammenspiel mit Arnautovic), aber man sollte nicht übersehen, dass er hinten oft in brenzligen Situationen unser letzter Strohhalm ist, indem er die Schwächen von Mertesacker kompensiert und oft gerade noch ein klärendes Bein dazwischen bekommt.

Jensen. Ist er fit, für mich einer der besten Mittelfeldspieler der Liga, weil er mit seiner einzigartigen Ballverarbeitung das Spiel enorm schnell machen kann. Könnte vor der Abwehr ein geniales Duo mit Bargfrede geben: dann würden unsere Angriffe über die Flügel im Minutentakt auf den Gegner zu rollen.

Frings. Mein großes Sorgenkind. Ohne seinen Status bei Thomas Schaaf und als Kapitän würde er realistischer Weise  im Laufe in der Saison von Jensen oder Borowski verdrängt, wenn die in Form sind. Immer noch starke lange Bälle, großer Einsatz.

Bargfrede. Siehe hier. In der Vorbereitung wieder auffällig.

Borowski. Machte in der Vorbereitung einen sehr motivierten und spritzigen Eindruck. Wird mit seiner Erfahrung eine ganz wichtige Rolle im Kader spielen – wenn er die nötige Lockerheit hat und bei seinen Vorstößen ein bischen mehr Glück, auch oft in der ersten Elf.

Özil. Siehe mein Abschied von Messi.

Hunt. Seine neun Bundesliga-Tore in der Vorsaison waren ein Spitzenwert für einen Mittelfeldspieler, und das dürfte er wieder holen. Ist dann stark, wenn er über 70, 80 Minuten sein sehr gutes Spiel ohne Ball durchhalten kann. Kann seine Standards verbessern, und er muss die Schlampereien im eigenen Spielfelddrittel abstellen – Ballverluste sind da tabu. Hat gegenüber Marin und Arnautovic den Vorteil, dass er sowohl Raute als auch 4-5-1 spielen kann.

Kroos. Die Überraschung der Vorbereitung. Dass Schaaf ihn nach Beginn der U23-Punktspiele bei den Profis behalten hat, deutet auf eine regelmäßige Berufung in den Kader hin.

Marin. Vorne muss er eigentlich nur mehr Tore schießen – spielt zu oft quer, wenn der Torschuss die bessere Wahl wäre. Muss seine Ecken verbessern, und ich hoffe auf direkte Freistoß-Tore vom 16er. In der Rückwärtsbewegung noch erstaunlich planlos. Wird seine Form wohl erst im Laufe der Hinrunde finden.

Arnautovic. Seine Stärken sind schnell zu erkennen: irre schnell, technisch stark, beidfüßig. Die Frage ist, wie effektiv er in seinen Aktionen vor dem Tor ist, und wie gut in einem 4-5-1 sein Spiel ohne Ball ist. Mit ihm auf dem Platz anstelle von Hunt wird es vermutlich weniger Rochaden in der Reihe hinter der Spitze geben – muss kein Nachteil sein. Ich bin gespannt, wie er mit Rückschlägen im Laufe der Saison umgeht.

Pizarro. Seine Schlitzohrigkeit und Technik wird er nie verlieren – bewahrt er Fitness und Beweglichkeit, und macht er über 30 Spiele, sind 25 Tore drin.

Almeida. Stärken und Schwächen wurden hier oft diskutiert: bringt viel mit, trifft vor dem Tor noch zu oft die falsche Entscheidung. Ich wünsche ihm, dass er einmal 10 Spiele am Stück macht. Das könnte den Durchbruch bringen.

Wagner. Kann ich schwer einschätzen. Von den Anlagen her komplett, schnell und kopfballstark – muss sich aber als Torjäger durchsetzen, denn fußballerisch ist die Konkurrenz sehr groß.

Rosenberg. Ich habe nicht das Gefühl, dass er unbedingt noch geht – und ich traue ihm ein Comeback bei uns durchaus zu.

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Abschied von Messi

von Johan Petersen am 11. August 2010

Er kam zu uns, wie er später spielen sollte: er schlich sich herein, in der Winterpause. Nur die scheinbar hohe Ablösesumme – mehrere Millionen Euro für einen 19-jährigen Jungen aus  Schalke, nicht für einen Spielmacher aus Südamerika – machte auf ihn aufmerksam und die Umstände seines Abgangs.

Er wurde oft eingewechselt in dieser ersten Rückrunde im Werder-Trikot, doch man sah sofort: das war kein Talent, sondern ein kompletter, fertig ausgebildeter Spieler mit toller Technik, gutem Passspiel und herausragendem Spielverständnis.

Er entwickelte sich, sammelte Erfahrungen und ein Jahr später war klar, dass er in einer Reihe mit Diego stehen würde, vielleicht sogar mit Micoud (wenn der uns nicht auf seine lässig-filigrane Art zur Meisterschaft geführt hätte).

Doch Özil war anders. Diego und Micoud glänzten am Ball, doch Özil war eleganter: er verneinte das Spiel, blendete es zunächst aus, indem er seine Aktionen ohne Ball begann. Versteckte sich im Raum zwischen gegnerischem Mittelfeld und Abwehr, wich auf den Flügel aus; wartete, bis ein Stürmer den Ball verarbeitet hatte, um dann im richtigen Moment durch die Viererkette zu laufen.

Diego spielte oft hinter dem Ball, wollte das Spiel vor sich haben, es bremsen und erst nach einem Doppelpass mit Pizarro in den Strafraum gehen. Özil hingegen spielte weniger wuchtig, lauerte vor dem Ball in den Passwegen, brauchte riskante, vertikale Anspiele durchs Dickicht der gegnerischen Hälfte. Man sah, dass er einen schlechten Tag hatte, wenn ihm diese harten Anspiele über den linken Fuß rutschten.

Den Jahrhundert-Herzinfarkt gegen Hoffenheim läutete er mit der Führung ein, und am Ende schlich er einer euphorisierten Hoffenheimer Viererkette seitlich davon und schloss eiskalt ab. Beim historischen 5:2 Sieg bei Bayern spielte er einen genial getimten Pass auf Rosenberg vor dem Führungstreffer, dann jagte er einen Ball durch Demichelis hindurch: in den Winkel.

Er schoss nie mit Kraft, sondern allein mit der Technik seines linken Fußes.

In den letzten beiden Jahren bereitete er 33 Tore vor – viele davon durch seine Standards aus dem rechtem Halbfeld, aber auch durch seine Ecken. Wenige Flugkurven sind so unberechenbar dreidimensional – ein curve ball.

Seine Probleme vor und während der WM, im eins gegen eins mit den Torwart zu verwandeln, haben mich überrascht. erz hat irgendwo geschrieben (wenn ich mich recht erinnere), dass Özil eine Sekunde mehr hat, als alle anderen Spieler auf dem Platz. Man könnte auch sagen: er braucht eine Sekunde weniger als alle anderen. Vor dem Tor tut er das, was der Torhüter erst einen Moment später erwartet. Der Torwart denkt, da kommt noch ein Schritt, da muss noch ein Standbein für den Schuss auftauchen, aber da kommt nichts mehr. Der Ball liegt schon im Tor.

Wenige Spieler beherrschen es, auf diese Weise den Bewegungsablauf des Torwarts zu beherrschen: wenn der Keeper vor dem Schuss noch einen Schritt vom Angreifer erwartet, versucht er sich noch einen Meter noch vorne zu schieben, um den Winkel enger zu machen, und den Körper erst dann zu öffnen. Genau in diese Vorwärtsbewegung schob Özil einige Male den Ball, und der Keeper war chancenlos.

Beim Tor gegen Bochum schien es keinen Winkel mehr zu geben, den Özil noch hätte nutzen können. Daher hat er Heerwagen im Glauben gelassen, er könnte noch einen Schritt auf ihn zu machen. Als Özil laut Heerwagens Zeitablauf hätte schießen sollen, lag der Ball schon im Tor – als ob er ein Bein weniger hatte, und deswegen auf den letzten Schritt verzichten konnte.

Wer bei uns unterschreibt, muss sein Leben lang in Werder-Bettwäsche schlafen, oder beim Abschied wenigstens eine fette Ablöse-Summe auf den Nachttisch legen. Das ist die Haltung der meisten Fans. Ich freue mich lieber, solange Fussballer wie Micoud, Diego und Özil bei uns sind – denn realistischer Weise bleiben solche Fußballer eben nur drei Jahre bei einem Verein wie Werder. Im Vergleich zu anderen Clubs muss man sagen: sogar drei Jahre.

Als Diego ging, war ich nicht enttäuscht. Weil ich kein Fan von Spielern bin, die den Ball lange halten. Es war offensichtlich, dass Diegos Abgang unser Spiel ändern, aber ihm auch neuen Fluss geben würde. Und weil Özil ja schon längst da war.

Alles Gute, Messi. Es war schön, Dir auf dem Platz zuzusehen.

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Werder vs Twente, das 2:0

von Johan Petersen am 26. Februar 2010

Van Buyten ist für mich der Hinkelstein im Innenverteidiger. Alle Ähnlichkeiten im Bewegungsablauf deuten darauf hin. Vermutlich müsste Asterix ihm also einen Schlag auf den Hinterkopf geben, damit er sehen kann, wie sich eine Fummelzwille wie Marin unten um ihn herum dreht.

Es sind schon mehrfach Tore gefallen, indem Marin auf der Halbposition entgegen kommt, und dann einen Spieler einsetzt, der in den durch seinen Laufweg geöffneten Raum stößt.

Die Fähigkeit, sich in den Schützengräben vor dem Strafraum zum Tor hin zu drehen, ist so selten wie wertvoll – wenn dann der Pass gelingt.

Die Ausgangssituation: Enschede verliert den Ball auf dem Flügel an Özil (11), der den Ball direkt auf Marin (10) spielt, der vom Strafraum entgegen kommt – beide haben den Ballgewinn erfasst, noch bevor sie die Kugel haben. Marin dreht sich um seinen Gegenspieler, und spielt in die Gasse zurück zu Özil, der in den von Marin geschaffenen Raum (weiße Fläche) gelaufen ist.

Der Torabschluss: Im Strafraum stürzen sich zu viele Abwehrspieler auf Özil, können ihn nicht stoppen – Almeida und Pizarro stehen frei vor dem Laden.

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Unsere Zweitligastürmer (II)

von Johan Petersen am 20. Februar 2010

Vor der nächsten Saison gibt es bei Werder wohl am meisten Gedrängel in der zweiten und dritten Sturmreihe. Hinter der ersten Reihe — Pizarro, Marin und Almeida — kämpfen mit Rosenberg, Wagner, Harnik, Mosquera, Oehrl und Schindler sechs Spieler um zwei oder drei Plätze. Fünf davon spielen gerade in der zweiten Liga oder haben bis zuletzt dort gespielt (Wagner).

Harnik überzeugte immer schon mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke – jetzt schießt er auch Tore: elf Treffer und drei Vorlagen in 19 Zweitligaspielen. Auch Oehrl ist gestern Abend mit einem Tor und zwei Vorlagen in der zweiten Liga angekommen. Mosquera hat nach der starken Vorrunde dieses Jahr noch nicht getroffen. Schindler hat diese Saison weder in Augsburg noch in Duisburg auf sich aufmerksam gemacht.

Vom restlichen Verlauf der Saison wird wohl abhängen, ob Werder im Sommer im Sturm den großen Wurf versucht, oder darauf setzt, dass sich aus dieser langen zweiten Reihe schnell jemand zu einem Bundesligastürmer entwickelt, der 15 Tore garantiert. Dann könnte man mehr Geld für einen defensiven Mittelfeldspieler ausgeben, oder für einen Kracher für die Abwehr, um eventuell Mertesacker oder Naldo zu ersetzen.

Ich gehe eigentlich davon aus, dass Rosenberg nicht länger auf der Bank sitzen will, und sich etwas anderes sucht. Damit bleiben drei Plätze, und meine Favoriten sind Harnik, Wagner und Mosquera. Oehrl ist mit 24 schon kein Talent mehr, und Schindler hat für mich zuviel Defizit in der Ballbehandlung.

Hoffentlich gibt Schaaf Harnik noch einmal eine Chance. Er wäre ideal als spielstarker, beweglicher Stürmer um Pizarro oder Almeida herum. Mosquera hat neben seiner Schnelligkeit von allen die beste Technik. Favorit wird wohl Sandro Wagner sein. Beidfüßige Schusstechnik, passable Schnelligkeit, und mit 1,94 Meter Körpergröße hoffentlich kopfballstark. Er dürfte sich auf jeden Fall als Bundesligastürmer etablieren, die Frage ist nur, ob es zu der Sorte Topstürmer reicht, die wir in der nächsten Saison unbedingt als zweiten Mann neben Pizarro brauchen.

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