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Saison

Wie kommt Werder aus der Krise? Gedanken zwischen den Jahren.

von Johan Petersen am 26. Dezember 2010

Wir überwintern zwei Plätze und vier Punkte über den Abstiegsrängen. Damit dürfte klar sein, dass diese Krise nicht wie in den vorherigen Jahren konjunkturell ist, sondern strukturell.

In der Rückrunde geht es um den Klassenerhalt. Was muss sich danach ändern? Ist es eine Krise der Mannschaft, des Trainers, oder auch des Vereins? [click to continue…]

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Frischer Wind für die Familie Werder

von Johan Petersen am 22. November 2010

Guter Kommentar in der SZ, die nicht so nah dran ist wie die Lokal-Zeitungen. Ralf Wiegand kommentiert, dass Werder schon länger taktisch stagniert, dass aber der gesamte sportliche Bereich zu familiär geworden ist:

Fast alle strategischen Positionen hat der Verein mit eigenen Leuten besetzt, Sportdirektor, Trainer, Scouts, Jugendleiter, Nachwuchscoaches – alles überwiegend ehemalige Spieler. (…) Werder hat aus dem eigenen Verein heraus kaum Möglichkeiten, das Denken zu verändern. Alle Verhaltensmuster sind seit Jahren eingeschliffen.

Wenn man sieht, wie Prödl gegen Schalke mit Wiese zusammen prallt, und sie sich hinterher nicht die Hand geben: die Berichte von der gespaltenen Mannschaft scheinen einen wahren Kern zu haben.

Wir setzen noch immer auf den alten Kämpen Frings, der die Mannschaft führen soll und alte Werte anmahnt, aber damit nur die Jungen wegbeißen will, die den Leitwolf in Frage stellen (zumal seine Leistungen zeigen, dass seine Tage vorbei sind). Es wäre seine Aufgabe, zu integrieren. Andere Vereine (und Löw) setzen auf flache Hierarchien in jungen Teams und sind damit erfolgreich. In diesem Sinne auch ein Trend, der bei uns nicht zu erkennen ist.

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Abschied von Thomas Schaaf

von Johan Petersen am 4. November 2010

Es gibt ein Foto von mir aus den 80ern, da stehe ich mit meiner Mannschaft für ein Foto aufgereiht in einem Tor, nach oder während eines Hallenturniers. In der zweiten Reihe steht ein junger Thomas Schaaf und guckt freundlich in die Kamera. Er war wohl in der Nachbarschaft, und hat kurz vorbei geschaut.

Hunderte, Tausende Bremer und Bremerinnen müssen ein solches Foto haben. Er ist Teil von uns, des Vereins, Teil der Stadt, Teil unseres Selbstverständnisses. Er war immer nah, immer nahbar.

Wenn man sich von einem Teil seiner selbst verabschieden muss, tut es weh. Doch die Zeit ist gekommen.

Wir brauchen einen neuen Trainer. [click to continue…]

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Sechs Gründe für Werders Krise

von Johan Petersen am 24. September 2010

1. Der Trainer. Jahrelang hat Thomas Schaaf das gleiche System praktiziert, und dementsprechend hat der Verein gekauft. In diesem Jahr ist er über das Puzzlen nie hinaus gekommen; er ist mit fliegenden Fahnen daran gescheitert, sich für die Raute oder ein 4-5-1 zu entscheiden, bzw. alte und neue Spieler sinnvoll in einem von beiden zusammen zu stellen.

Er wirkt im Moment wie ein erfahrener Handwerks-Meister, den man zum Spaß noch einmal zur Lehrlings-Prüfung schickt, und der dann glatt durchrasselt.

Mit Marin und Arnautovic hat der Kader zwei eigentlich sehr gute Flügelspieler, die in einer Raute nur im Sturm einsetzbar sind. Andererseits gibt es Spieler, die offensiv nur in der Raute einsetzbar sind (Borowski, Jensen, Wesley).

In einem 4-5-1 kann eigentlich nur Hunt zentral offensiv spielen. Warum Schaaf in beiden Systemen eher auf Marin oder Wesley als Spielmacher setzt, ist mir schleierhaft.

Bereits drei Mal lag Schaaf mit seiner Aufstellung komplett daneben und musste sie schon in der ersten Halbzeit korrigieren: gegen Sampdoria (Rückspiel), Tottenham, Mainz.

Ein Ausweg wäre vielleicht die Raute (Frings, Bargfrede, Wesley, Hunt) mit Marin im Sturm als zweiter Spitze neben Arnautovic (wie zu Beginn der letzten Saison vor der Umstellung auf 4-5-1). So kann er sich auf den Flügeln austoben, ohne wie bisher die Ordnung im Mittelfeld kaputt zu machen. Schaaf sollte in der Krise in der Offensive auf eine klare Grundordnung setzen – wenn die Sicherheit zurück ist und die Neuen integriert sind, kann man dann zu dem flexiblen Positionsspiel zurückkehren, das die Reihe Marin-Özil-Hunt im letzten Herbst praktiziert hat.

Ein weiteres Problem Schaafs ist seine Loyalität zu Torsten Frings. Aus Gründen, die hier oft diskutiert wurden, müsste man ihn wie alle anderen auch mal auf die Bank setzen. Mit Bargfrede und Wesley, oder sogar Jensen, hätte man vor der Abwehr weniger Ballverluste und mehr Tempo im Spielaufbau. Für Frings sprechen seine Kämpfernatur und seine Sicherheit bei Elfmetern. Es ist auch riskant, ihn zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison zu demontieren wie Dieter Eilts vor fast zehn Jahren.

Aber ich fand es sehr bedenklich, dass er mit einer Attacke auf den angeblichen Egoismus anderer von den eigenen schlechten Leistungen abgelenkt hat (ohne zu wissen, ob und was da vorgefallen ist). Genau wie bei der Nationalmannschaft werden in der Gruppe sicher woanders Kräfte freigesetzt, wenn der angeschlagene Leitwolf (der wie Ballack vielleicht sogar schon lange den anderen auf die Nerven geht), endlich weg ist.

Bis dahin könnte man ihm zumindest verbieten, sich weiter als zehn Meter von den Innenverteidigern zu entfernen.

2. Die Verletzten. Pizarro ist der Spieler im Kader, den wir am wenigsten ersetzen können. Er macht oft aus dem Nichts heraus das 1:0; eine Qualität, die vor allem in einer Phase fehlt, in der die Mannschaft zu verunsichert ist, um Rückstände umzubiegen. Hierfür gibt es keine Lösung, denn Fakt ist: Werder kann sich keine zwei Spieler von der Qualität eines Pizarro im Kader leisten.

Die Auswirkungen des Ausfalls von Mertesacker habe ich ehrlich gesagt unterschätzt. Er war nicht in Form, und zeigte die hier oft diskutierten Schwächen mehr als je zuvor, aber in der Krise fehlte seine Erfahrenheit und vor allem seine Spieleröffnung, die zur Zeit brach liegt.

3. Die Standards. In der letzten Saison haben wir in der Liga die meisten Tore nach Standards erziehlt (wenn ich mich nicht täusche). In diesem Jahr haben wir erst ein einziges Tor nach einem Standard erzielt (Almeida per Kopf gegen Ahlen). Bei bisher 15 Toren ist das eine Quote von 6,7 Prozent – normaler Weise liegt dieser Wert bei etwa einem Drittel (minus Elfmeter)!

Ohne Pizarro, Özil, Naldo und Mertesacker herrscht Flaute, wo früher Sturm war.

4. Özil. Es gab keine Alternative zu seinem Verkauf - aber festzuhalten bleibt, dass wir seinen Weggang weder durch einen Zukauf noch durch eine Neujustierung des Systems ausgleichen konnten.

5. Die Neuen. Streng genommen kein Grund für die Krise: es ist schwer, in eine Mannschaft zu kommen, die vom Trainer ständig umgestellt wird und die in der Krise steckt. Es wird noch dauern, bis wir Wagner, Wesley, Silvestre und Arnautovic wirklich beurteilen können. Das bedeutet im Umkehrschluss leider auch: keiner hat so viel Klasse, der Mannschaft sofort weiter zu helfen.

Am meisten hat mich bisher Arnautovic überzeugt. Er kämpft, ist schnell, technisch gut und beidfüßig und hat Ideen – es fehlt die Effizienz vor dem Tor und besseres Spiel ohne Ball. Wesley läuft zu viel, und muss sich an das Spiel auf engem Raum in der Bundesliga noch gewöhnen.

6. Die Krise. Für jede Krise gibt es Gründe, die sie auslösen. Dann kommen die Probleme hinzu, die von der Krise ausgelöst werden und sie verstärken. Zum Beispiel Konflikte in der Gruppe, die in Zeiten gemeinschaftlichen Erfolgs keine Rolle spielen. Gegen Mainz und Hannover wirkte die Mannschaft und einzelne Spieler auch einfach verunsichert. Zum Beispiel hat Prödl die Saison gut begonnen, konnte sich aber zuletzt auch nicht mehr der Krise entziehen.

Manchmal hatten wir auch Pech. Das beste Beispiel sind zwei Aktionen von Clemens Fritz gegen Hannover: vor dem 1:0 steht er eigentlich sehr gut gegen den Stürmer, trotzdem springt ihm der Ball vom Knie unglücklich ins eigene Tor. Dann holt er vorne einen langen Ball von Frings auf geniale Weise (mit dem schwachen Fuß!) in vollem Lauf aus der Luft, trifft aber nur die Latte, die er beim Eigentor ganz knapp verfehlt hat.

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Gegen Köln: wir brauchen Planken, Planken, Planken

von Johan Petersen am 27. August 2010

Der Aktienkurs eines Unternehmens steigt und fällt aus vielen verschiedenen Gründen. Er wird vom Markt mitgesogen, von fundamentals getragen, von den Gewinnen eines Konkurrenten befeuert oder von Spekulanten geshortet.

Dann gibt es noch die technische Analyse jenseits von Nachrichten und Gewinnen oder Verlusten. Händler sprechen manchmal von einem Widerstand, von einer technischen Unter- oder Obergrenze, die getestet wird, und dann doch nicht durchbrochen wird. Der Markt rennt in eine Bande, aufgestellt von Algorithmen und einhundert Jahren Daten, die den historischen Kurs des Unternehmens in Bezug setzen zu anderen Ereignissen und Kursverläufen im Markt. Sie schaffen ein Band Wahrscheinlichkeit, in dem sich der Kurs wohl fühlt. Oder der Markt durchbricht diesen Widerstand, und das verlangsamt den Kurs nicht etwa, sondern gibt ihm neuen Schwung mit bis weit ins nächste Band.

Bei Werder lohnt sich die technische Chart-Analyse nicht: es geht rauf und runter, mit Ausschlägen nach unten wie gegen Hoffenheim und Genua Sampdoria, die uns in den Abgrund namens Mittelmäßigkeit Europa League blicken lassen. Es gibt kein Band, in dem wir uns durch die Saison bewegen.

Künstler vs Zimmermann?

Schaaf ist ein genialer Künstler, der feinste Verästelungen in unser Offensiv-Spiel geschnitzt hat, an denen sich Fußball-Ästheten aus der ganzen Liga erfreuen. Doch über all die Jahre hat er es nicht geschafft, sich zügig in einen Zimmermann zu verwandeln, der auch einmal kräftige Planken und Bohlen in die Hand nimmt, und sie quer ins Gebäude nagelt, wenn das Gebilde anfängt zu wackeln.

Wie sehen solche Planken aus? Prinzipiell braucht es einen breiten Kader (den wir haben, wenn Silvestre noch kommt) und Ersatzspieler müssen formschwache Spieler laut Leistungsprinzip verdrängen können.

Aber auch mitten in der Saison kann gehämmert werden. Eine große Planke Werders Fall wäre eine tieferstehende Viererkette. Es gibt auch kleinere, sehr effiziente Nägel: man kann es Mertesacker per taktischer Anweisung untersagen, bei der Balleroberung den Ball mit einem Kontakt zu einem Mitspieler zu spielen: wenn zwei Kontakte nicht möglich sind, geht der Ball auf die Tribüne. Das 2:1 in Hoffenheim wäre nicht gefallen. Man kann spielverliebten Typen wie Bargfrede oder Hunt Dribblings, vertikale Pässe oder Aktionen mit nur einem Ballkontakt im eigenen Spielfelddrittel untersagen. Das 3:0 bei Sampdoria wäre nicht gefallen.

Immer eine Idee

Das bedeutet weniger Spektakel. Aber wir können uns das leisten, denn Pizarro und Marin haben vorne immer eine Idee. Hat sich die Leistung stabilisiert, können diese Beschränkungen zu Gunsten von mehr Risiko aufgehoben werden. Aber unsere Krisen, wie wir sie in den letzten Jahren immer hatten, sind weniger lang und tief, und wir liefern konstantere Ergebnisse über die Saison hinweg ab.

Vor dem Spiel gegen Köln ist für mich bereits eine Phase gekommen, in der Stabilisierung des Gebäudes oberste Priorität sein sollte. Ein derart angeschlagener Gegner kommt uns recht: man muss ihn nicht ständig unter Druck setzen, damit er Fehler macht, Geduld reicht. Mit Mohamad und Geromel fällt das Abwehrbollwerk der vergangenen Saison aus, und der Ersatz McKenna ist nicht der schnellste.

Ist Hunt fit, hat Schaaf eine gerade zu unüberschaubare Menge an Optionen. Raute oder 4-5-1, jeweils in unterschiedlicher Besetzung. Zu den Planken gehört aber auch, dass nicht fitte Spieler nicht eingesetzt werden.

Marin braucht Hilfe

Ohne Hunt lohnt sich die Raute nicht, und in einem 4-5-1 könnte man Borowski hinter der Spitze ausprobieren. Er verbreitet kein Spielmacher-Flair, aber er hat die drei wichtigen Eigenschaften, die diese Position braucht: schnelle, vertikale Pässe durch die Kette, passabler Torabschluss/sehr guter Schuss aus der zweiten Reihe, weiträumiges, wenig berechenbares Spiel ohne Ball und Antritte durch die gegnerische Kette.

Marin kommt in Form, und gegen die Kölner Raute dürfte er auf dem Flügel ähnlich Platz haben wie gegen Sampdoria. Aber er braucht mehr Unterstützung von einem aufgerückten Außenverteidiger – jedes Dribbling lebt davon, dass die Gegenspieler Passwege abdecken müssen. Pasanen braucht keine dreifachen Übersteiger zu zeigen, aber er sollte Marin bei jedem dritten oder vierten Angriff außen überlaufen. Daher könnte Boenisch die bessere Wahl sein.

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Nach der Saison ist vor der Saison (Saison-Fazit, 5. Teil)

von Johan Petersen am 13. August 2010

Gestern das Personal, heute das System. Zu Anfang der letzten Saison gab es hier eine große Überraschung, als Marin von Schaaf im Sturm eingesetzt wurde. In dieser Saison werden wir vermutlich zwischen der Raute und dem 4-2-3-1 der letzten Saison pendeln. (Das 4-3-3 der Vorbereitung war für mich dem Umstand geschuldet, dass Marin erst so spät dazu kam, und dass Almeida und Arnautovic Spielpraxis bekommen sollten.)

Es ist gut, zwei Systeme zur Verfügung zu haben. Zwischen Champions-League und St. Pauli und Ahlen liegen schließlich Welten, wenn es um die gegnerische Spielweise geht. Die Raute ermöglicht schnörkelloses Spiel in die Spitze – im 4-5-1 geht es darum, sich mit geduldigen Kombinationen an den Strafraum zu spielen.

Aber: aufgrund unseres Personals bringt ein Wechsel zwischen diesen beiden Systemen auch einen Austausch von Personal mit sich. Denn Marin und Arnautovic sind spezialisierte Flügelspieler, die bei der Raute nur im Sturm spielen könnten (Marin auch als 10er).

Also spielen neben den gesetzten Özil, Frings, Bargfrede und Pizarro in einer Raute eher Borowski/Hunt/Jensen und vorne Almeida oder Wagner. In einem 4-5-1 eher Marin und Arnautovic.

Es könnte also sein, dass Schaaf zu Beginn der Saison noch viel experimentiert, und dann zwei oder drei vermeintliche Stamm-Spieler auf der Bank sitzen, weil sie nicht ins dann gefundene System passen.

Die Raute: Pizarro und Almeida haben im Sturm wenig Konkurrenz. Gegen Fulham haben sie gut harmoniert, haben sich oft kurz angeboten und waren ständig anspielbar. Der Vorteil: bei Flanken (z.B. von Fritz aus dem Halbfeld) befinden sich oft normaler Weise zwei kopfball- und abschlussstarke Spieler im Strafraum.

Dahinter Özil, als Ersatz Hunt oder auch Marin. Auf den Halbpositionen Hunt, Bargfrede oder Borowski (für ihn dies sicher die ideale Position, die er gegen Fulham sehr gut gespielt hat) – eine gute Mischung von offensiven und defensiven Spielern.

Das 4-2-3-1: Ich zeige hier Marin und Arnautovic auf den Außenpositionen, aber Hunt dürfte bei Schaaf erste Wahl sein, und damit sitzt einer der beiden auf der Bank.

Pizarro spielt vorne, nimmt aber auch viel am Spiel teil, indem er oft kurz kommt. Das ermöglicht Özil, sich durch die Abwehr in die Spitze zu schleichen – eine große Stärke von ihm, die in der Raute nicht zum Tragen kommt.

Auf rechts zeigt Arnautovic wenig Finesse in seinen Laufwegen – damit nimmt er Fritz Raum, wenn der Arnautovic ständig an der Außenlinie überlaufen muss. Dieses Überlappen könnte am Anfang ziemlich holprig ablaufen. Allgemein erwarte ich weniger Rochaden der Reihe hinter Pizarro, wenn Arnautovic für Hunt spielt.

Auf links ist Marin variabler, bekommt aber weniger Unterstützung durch Pasanen, der seltener aufrückt. (Wobei sowohl Pasanen als auch Boenisch mit ihrem starken rechten Fuß eingesetzt werden könnten, wenn sie hinter Marin nach innen ziehen – auf rechts geht das mit Fritz nicht.)

Im Mittelfeld hat Bargfrede einen größeren Aktionsradius als Frings, der eher lange Bälle aus der Tiefe spielt - ich hoffe, Bargfrede wird torgefährlicher.

Fazit: Vielleicht hängt das gewählte System am Ende davon ab, welche Spieler verletzt bzw. nicht in Form sind. Wenn Özil geht, steigen vermutlich die Chancen der Raute. Wenn Hugo nicht überzeugt, könnte auch Arnautovic als zweite Spitze neben Pizarro rücken.

Ich denke, dass Schaaf mit der Raute beginnt: Almeida ist gut in Form, während Marin und Arnautovic aus unterschiedlichen Gründen noch nicht überzeugen. Im Laufe der Saison wird er dann zum 4-5-1 übergehen.

Wie und von wem vorne das grün-weißte Feuerwerk abgebrannt wird, spielt ohnehin keine Rolle, wenn hinten wie gewohnt gezündelt wird. Ich wünsche ich mir da zwei Dinge – die Betonung liegt auf Wunsch, und ein frommer dazu.

1. Eine tiefere Viererkette. Zumindest eine flexiblere – wenn wir auswärts in Führung gehen, sollten wir eher an den Strafraum zurück weichen, als weiter hoch und auf abseits zu spielen.

2. Ein besseres Pressing bzw. Umschalten nach Ballverlusten. Ein großer Vorteil der engmaschigen Ballstafetten Spaniens ist, dass sie bei Ballverlust automatisch mehrere Spieler in der Nähe haben. Damit ist in ihre Angriffsweise ihre Verteidigungsstrategie bereits mit eingebaut. Da können wir uns einiges abschauen, um Konter zu verhindern. Gerade das 4-5-1 mit seinem Kombinationsspiel ist dafür geeignet. Die Frage ist, ob Spieler wie Marin oder Arnautovic das beherrschen.

Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.

I. Marin vs Almeida

II. Ein norddeutscher Jung

III. Der schönste Angriff der Saison

IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010

V. Nach der Saison ist vor der Saison

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Drei Hochzeiten rocken (der Werder-Kader 2010/2011)

von Johan Petersen am 12. August 2010

Fazit: Schwer zu ziehen, bevor der Verbleib Özils nicht geklärt ist. Ein typischer Kader der Ära Allofs/Schaaf: vorne viele tolle Fußballer, und hinten auf Kante genäht. Für eine CL-Saison halte ich ihn allerdings für zu klein – viel hängt von der Zahl und Dauer der Verletzungen ab. Man stelle sich vor, Özil geht, und Hunt ist lange verletzt….

Zusammensetzung: Es gibt wenig Veränderungen. Das ist generell nicht unbedingt von Vorteil (frischer Wind tut immer gut). Schaaf setzt offensichtlich auf eine kleine, verschworene Gruppe, in der sich viele Spieler schon lange kennen.  Mit Arnautovic, Jensen und Wagner gibt es drei Neuzugänge – das sorgt vorne für die Breite, die uns im letzten Jahr gefehlt hat. Mit Niemeyer gibt es nur einen Abgang – geht auch Özil, kann sich der Einbruch des letzten Herbsts wieder holen.

Wir haben wieder unglaublich viel Routine und internationale Erfahrung im Kader (Pizarro, Mertesacker, Frings, Borowski, Jensen, Fritz, Wiese), aber auch eine Reihe junger, hungriger Spieler (Marin, Hunt, Boenisch, Bargfrede), die noch am Anfang stehen. Von deren Weiterentwicklung erhoffe ich den größten Schub.

Stärken: Das Prunkstück ist die Reihe hinter der Spitze: Hunt, Özil, Marin und Arnautovic sind eine Klasse für sich. Marin und Arnautovic könnten sich zu einer genialen Flügelzange entwickeln – Marko & Marko als schnellster Pizza-Bringdienst der Liga. Auch vorne sind wir mit Pizarro, Almeida und Wagner ausreichend besetzt, zumal wenn wir mit nur einer Spitze spielen. Vor der Abwehr sind wir mit Frings, Bargfrede, Jensen, Borowski gut aufgestellt – ich halte es allerdings für einen Fehler, dass wir Niemeyer abgegeben haben. Jensen, vielleicht auch Frings, sind verletzungsanfällig, und wir wollen auf drei Hochzeiten abrocken.

Schwächen: In der Abwehr gehen wir mit sechs Spielern für vier Positionen in die Saison. Die Viererkette ist nominell gut besetzt, aber das wird in dieser Saison nicht mehr reichen. Auf den Außen gibt es quasi keinen Ersatz für Fritz und Boenisch. Dem Duo Naldo und Mertesacker hätte schon in den letzten Jahren ein bisschen ernsthaftere Konkurrenz gut getan – jetzt aber hatten beide keine richtige Vorbereitung; Naldo ist verletzt und Mertesacker hat eine schwache WM gespielt.

Es wäre wichtig, anstatt Rosenberg noch einen Ersatz für die Außenverteidiger im Kader zu haben.

Wiese. Stärken und Schwächen sind bekannt: ist es wirklich schon zu spät, um ihm die Spieleröffnung beizubringen?

Vander. Ist er topfit, gehört er wohl zu den besten fünf Ersatz-Torhütern der Liga. Leider verletzt.

Naldo. In der Offensive einmalig. Hinten manchmal mit Konzentrations- und Stellungsfehlern. Wegen der mysteriösen Knieverletzung erwarte ich eine wechselhafte oder sogar schwache Saison.

Prödl. Hat alle Anlagen, um Naldo oder Mertesacker ohne große Abstriche zu ersetzen (abgesehen von Kopfballduellen im Mittelfeld und Naldos Freistößen und Vorstößen). Vor allem wendiger und zerriger als Mertesacker. Lässt sich allerdings in manchen Situationen vorschnell und zu weit aus der Abwehr ziehen (könnte sich mit zunehmender Spielpraxis legen).

Mertesacker. Die WM hat für mich bestätigt, dass er vielleicht bei Werder am besten aufgehoben ist – und nicht bei den Top-/Champions-League-Clubs, zu denen er wechseln wollte. Passt nicht richtig in unser Konzept einer oft sehr hoch stehenden Abwehr – am und im eigenen Strafraum natürlich wegen seiner Größe und seinem Stellungsspiel eine Klasse für sich. Starke, vertikale Spieleröffnung.

Pasanen. Wäre als Innenverteidiger bei zwei Dritteln aller Bundesligisten Stammspieler. Auch als Außenverteidiger kann er mehr, als ihm zugestanden wird – z.B. gut getimte Bälle in die Spitze, und Flanken mit beiden Füßen. Dribblings zur Torauslinie sind ihm allerdings fremd.

Boenisch. Noch immer der Forrest Gump unter den Außenverteidigern. Muss unbedingt sein Passspiel und damit verbunden seine Übersicht verbessern. Nach vorne könnte er für meinen Geschmack wieder etwas stürmischer werden und seine Schnelligkeit so ausspielen wie in seinem ersten Jahr bei uns.

Fritz. Ich erwarte eine ähnlich solide Saison. Natürlich wünscht man sich vorne etwas mehr Feuerwerk (bin sehr gespannt auf sein Zusammenspiel mit Arnautovic), aber man sollte nicht übersehen, dass er hinten oft in brenzligen Situationen unser letzter Strohhalm ist, indem er die Schwächen von Mertesacker kompensiert und oft gerade noch ein klärendes Bein dazwischen bekommt.

Jensen. Ist er fit, für mich einer der besten Mittelfeldspieler der Liga, weil er mit seiner einzigartigen Ballverarbeitung das Spiel enorm schnell machen kann. Könnte vor der Abwehr ein geniales Duo mit Bargfrede geben: dann würden unsere Angriffe über die Flügel im Minutentakt auf den Gegner zu rollen.

Frings. Mein großes Sorgenkind. Ohne seinen Status bei Thomas Schaaf und als Kapitän würde er realistischer Weise  im Laufe in der Saison von Jensen oder Borowski verdrängt, wenn die in Form sind. Immer noch starke lange Bälle, großer Einsatz.

Bargfrede. Siehe hier. In der Vorbereitung wieder auffällig.

Borowski. Machte in der Vorbereitung einen sehr motivierten und spritzigen Eindruck. Wird mit seiner Erfahrung eine ganz wichtige Rolle im Kader spielen – wenn er die nötige Lockerheit hat und bei seinen Vorstößen ein bischen mehr Glück, auch oft in der ersten Elf.

Özil. Siehe mein Abschied von Messi.

Hunt. Seine neun Bundesliga-Tore in der Vorsaison waren ein Spitzenwert für einen Mittelfeldspieler, und das dürfte er wieder holen. Ist dann stark, wenn er über 70, 80 Minuten sein sehr gutes Spiel ohne Ball durchhalten kann. Kann seine Standards verbessern, und er muss die Schlampereien im eigenen Spielfelddrittel abstellen – Ballverluste sind da tabu. Hat gegenüber Marin und Arnautovic den Vorteil, dass er sowohl Raute als auch 4-5-1 spielen kann.

Kroos. Die Überraschung der Vorbereitung. Dass Schaaf ihn nach Beginn der U23-Punktspiele bei den Profis behalten hat, deutet auf eine regelmäßige Berufung in den Kader hin.

Marin. Vorne muss er eigentlich nur mehr Tore schießen – spielt zu oft quer, wenn der Torschuss die bessere Wahl wäre. Muss seine Ecken verbessern, und ich hoffe auf direkte Freistoß-Tore vom 16er. In der Rückwärtsbewegung noch erstaunlich planlos. Wird seine Form wohl erst im Laufe der Hinrunde finden.

Arnautovic. Seine Stärken sind schnell zu erkennen: irre schnell, technisch stark, beidfüßig. Die Frage ist, wie effektiv er in seinen Aktionen vor dem Tor ist, und wie gut in einem 4-5-1 sein Spiel ohne Ball ist. Mit ihm auf dem Platz anstelle von Hunt wird es vermutlich weniger Rochaden in der Reihe hinter der Spitze geben – muss kein Nachteil sein. Ich bin gespannt, wie er mit Rückschlägen im Laufe der Saison umgeht.

Pizarro. Seine Schlitzohrigkeit und Technik wird er nie verlieren – bewahrt er Fitness und Beweglichkeit, und macht er über 30 Spiele, sind 25 Tore drin.

Almeida. Stärken und Schwächen wurden hier oft diskutiert: bringt viel mit, trifft vor dem Tor noch zu oft die falsche Entscheidung. Ich wünsche ihm, dass er einmal 10 Spiele am Stück macht. Das könnte den Durchbruch bringen.

Wagner. Kann ich schwer einschätzen. Von den Anlagen her komplett, schnell und kopfballstark – muss sich aber als Torjäger durchsetzen, denn fußballerisch ist die Konkurrenz sehr groß.

Rosenberg. Ich habe nicht das Gefühl, dass er unbedingt noch geht – und ich traue ihm ein Comeback bei uns durchaus zu.

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Anne Will und Thomas Schaaf haben gegen Ende der vergangenen Saison sehr beunruhigende Sachen gesagt.

Will (in der Süddeutschen, Anfang Mai): “Die Qualität dieses Sports wird einem so faszinierend dargeboten, dass man beim Stadionbesuch fast enttäuscht ist und denkt: Was ist das langsam und kraftlos, es passiert so wenig!”

Schaaf (zitiert in der Welt): “Wir müssen aufpassen, dass Nebensächlichkeiten nicht den Fußball total vereinnahmen, denn damit wird irgendwann das Produkt Fußball kaputt gemacht.”

Und weiter: “Wir als Trainer müssen darauf achten, dass Fußball auch Fußball bleibt. Die meisten anderen, die heutzutage mit Fußball zu tun haben, haben andere Interessen.”

In 95 Prozent der Medien-Berichterstattung geht es nicht um die Sache selbst, sondern das drumherum: Emotionen, Personen, Atmosphäre. Geht jemand wie von Will beschrieben mal ins Stadion, ist die Überraschung groß, dass da ein Ball im Spiel ist.

Hier meine persönlichen Top 3 der letzten Saison:

1. Die Serie. Werder hat drei Jahre lang kein Heimspiel im DFB-Pokal? Gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man ein Mal davon in der ersten Runde ausscheidet, und Bundesligisten ohnehin nur 40 Prozent ihrer Pokal-Spiele zu Hause austragen. Es gibt Artikel, die es zum Trend erklären, wenn es im November erst eine Trainerentlassung gegeben hat. Dumm nur, dass in der Saison davor besonders viele, nämlich etwa 16 von 18 Trainer entlassen wurden. Selbst Trainer-Fresser wie Roth konnten sich nur eine oder zwei Entlassungen in zwei Jahren leisten. Das ist wie die Blinker in der Schlange vor der Ampel: obwohl alle Fabrikate einen andere Frequenz haben, blinken irgendwann einmal alle für einen Moment simultan. Und dann eben wieder lange nicht.

Werder hat 20 Spiele hintereinander nicht verloren? Wow. Am Ende waren wir sechster und hatten die Meisterschaft verspielt, und es war lange vorher auf dem Platz zu sehen.

2. Der Vertrag. Nein, nachdem Profis bei uns unterschreiben, schlafen sie nicht den Rest ihres Lebens in Werder-Bettwäsche (umso schöner, dass Frings offensichtlich genau das vor hat). Man muss einfach akzeptieren, dass Spieler, die besten zumal, nur drei Jahre bleiben. (Im Vergleich zu anderen Vereinen sollten wir uns glücklich schätzen – begnadete Spieler wie Micoud, Diego und Özil blieben alle drei oder vier Jahre - dagegen ist der sehr viel finanzstärkere HSV ein Durchlauferhitzer).

Natürlich ist die Zusammensetzung des Kaders und seine Planung kein Nebenschauplatz, sondern steht bei Verantwortlichen und Fans zu Recht im Mittelpunkt der Emotionen. Aber die Anfeindungen gegen Özil in Foren und Kurven haben mich sehr enttäuscht.

3. Der Topf. Es ist völlig egal, in welchem Topf Werder bei der Champions-League-Auslosung landet. Hauptsache, wir sind dabei!

Natürlich ist die Ausbeute sehr dünn.  Bei Werder gibt es kaum Kasperkrams im Vergleich zu Vereinen an Elbe, Isar und Rhein. Durch die Weser muss hingegen eine Art Kühlwasser fließen. (Allerdings mal sehen, was Arnautovic vor hat.)

Außerdem muss man den ganzen Quatsch nicht mehr lesen – es gibt zu viele gute blogs, als dass man noch Zeitungen bräuchte.

Am Ende noch ein beruhigendes Wort an alle, die die Wirklichkeit auf dem Platz enttäuscht: es kommt bestimmt bald einer auf die Idee, sonntags auf dem Domshof die Bundesliga auf Konsole nachzuspielen. Für alle, denen trotz Häppchen und Schnittchen der echte Fußball zu langweilig geworden ist.

Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.

I. Marin vs Almeida

II. Ein norddeutscher Jung

III. Der schönste Angriff der Saison

IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010

V. Nach der Saison ist vor der Saison

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Der schönste Angriff der Saison (Saison-Fazit, 3. Teil)

von Johan Petersen am 23. Juli 2010

Was ist ein schöner Angriff? Die wahre Ästhetik des Spiels liegt für mich nicht im spektakulären Dribbling, sondern in den Laufwegen. Es geht nicht um das, was am Ball passiert, sondern um das, was ohne Ball passiert.

Daher habe ich diesen Angriff aus der ersten Halbzeit des Heimspiels gegen Gladbach zum schönsten Angriff der Saison gekürt.

Die Ausgangssituation: Für uns ist es ein untypischer Angriff, weil er nicht über einen 6er, sondern einen Außenverteidiger eröffnet wird. Fritz (8) spielt einen steilen Ball auf Özil (11), der aus dem Zentrum in den Raum auf dem Flügel startet. Ermöglicht von Borowski (6), der aus dem Mittelfeld entgegen kommt – er bindet damit die Gegenspieler, in deren Rücken Özil entweichen kann.

Der Torabschluss: Özil spielt Pizarro (24) am Fünfer an, der den Ball auf die nachrückenden Mittelfeldspieler Hunt (14) und Borowski zurücklegt. (Hunt zielt daneben.)

Ein schlichter, aber effektiver Angriff, dessen entscheidendes Element die Laufwege von Borowski sind: zu Beginn bietet er sich dem ballführenden Abwehrspieler an und eröffnet damit einen Passweg, am Ende ist er am Strafraum und bietet damit mehr Optionen beim Torabschluss. Er sorgt dafür, dass während des Angriffs die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen kurz bleiben.

Borowski ist im gesamten Angriff nicht einmal am Ball zu sehen, aber er spielt eine wichtige Rolle: Aktionen am Ball sind nur möglich, wenn auch ohne Ball gespielt wird. Dies war auch ein sehr schöner, weiträumiger Angriff – und das Dribbling von Pizarro ins Zentrum war nur möglich, weil Pasanen — dem oft Unauffälligkeit in der Offensive vorgeworfen wird — ganz außen einen Gegenspieler bindet.

Mein Saison-Fazit in fünf Folgen:

I. Marin vs Almeida

II. Ein norddeutscher Jung

III. Der schönste Angriff der Saison

IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010

V. Nach der Saison ist vor der Saison

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Ein norddeutscher Jung (Saison-Fazit, 2. Teil)

von Johan Petersen am 17. Juli 2010

Nach einer kleinen Unterbrechung durch die WM geht es hier wieder um die Farben, die uns wirklich interessieren: ich kann es kaum erwarten, dass der Ball in der Liga endlich wieder rollt.

Und dieser Teil des Saison-Fazits ist vor allem ein Blick voraus. Denn neben der möglichen Champions-League-Qualifikation hat die Saison 2009/2010 etwas noch dauerhafteres hervor gebracht: Philipp Bargfrede.

Mit ihm hat Werder endlich wieder, zum ersten Mal seit Aaron Hunt, selber einen Mittelfeldspieler produziert, der zum besten der Liga gehören wird.

Wenn man ihn mit einem Wort beschreiben müsste: unprätentiös. Neben dem Platz sowieso: Irgendwie erinnert er mich an die kommerzfreien 80er Jahre, aus denen unser Cotrainer vorbei an Entertainment und Show der 90er Jahre und unserer Zeit direkt auf unsere Trainerbank gebeamt wurde. Die gleiche Zeit, in der auch sein Vater seine Karriere bei St. Pauli bestritt. 111 Spiele, 1 Tor.

Das gilt auch für sein Spiel. Bargfrede macht viele einfache Dinge, wenig spektakuläres. Er ist ein laufstarker Spieler, der in Vorwärts- wie Rückwärtsbewegung dem Team hilft, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen klein zu halten. Wenn die Reihe vor ihm den Ball verliert oder mit einem Rückpass den Ball sichern muss, ist er in der Nähe. Er hat den Radius eines Frings in jungen Jahren.

Daneben sollte man aber nicht seine sehr gute Technik, vor allem seine Ballverarbeitung übersehen. In unübersichtlichen Situation, auf engem Raum — zum Beispiel in der Balleroberung – hat er daher sofort Lösungen bereit. Wie er jetzt in einem der Testspiele vor dem Torwart einen Ball mit dem Außenrist aus dem Himmel holte, war sehenswert. Er spielt nicht die genialen Bälle in die Tiefe, aber er fügt sich ohne Reibung ins Schaafsche Kombinationsspiel ein.

Ein in seiner Komplettheit moderner Spieler, und dazu auch noch aus der Umgebung: ein echter local hero. Vom 15. bis zum 23. Spieltag fehlte er 2009/2010, und es ist kein Zufall, dass unsere fünf Niederlagen am Stück in diese Phase fielen. Ich glaube nicht, dass er in seinem zweiten Profi-Jahr in ein Loch fällt, sondern — ähnlich wie Khedira — auch im Spiel nach vorne noch mehr Dominanz entwickeln wird.

Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.

I. Marin vs Almeida

II. Ein norddeutscher Jung

III. Der schönste Angriff der Saison

IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010

V. Nach der Saison ist vor der Saison

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