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Saison

Was will Willi?

von Johan Petersen am 18. November 2011

Ich gebe mich hier nur noch mit dem großen Ganzen ab. Die wochendliche Grundlagenarbeit wird auf ballverlust.net erledigt. Und jetzt hinein ins Geschehen:

Die Transferbilanz von Klaus Allofs war lange Zeit über jeden Zweifel erhaben. Der Einkauf von Johan Micoud allein hat die Fachwelt vor Neid erblassen lassen.

In den letzten zwei Jahren, seit dem Sommer 2009, sieht die Sache ganz anders aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass am Samstag in Gladbach wie zuletzt mehrfach nach Umstellungen während des Spiels Aaron Hunt oder Marko Arnautovic hinter den Spitzen beginnen. Damit würden mit Marko Marin, Mehmet Ekici und Wesley etwa 20 Millionen Euro Ablöse auf der Bank sitzen.

Das ist eine Bruchlandung im Luxus-Segment, die sich ein mittelständischer Verein wie Werder Bremen nicht leisten kann und Allofs ist dafür verantwortlich.

Schlamperei

Alle drei Spieler haben eines gemeinsam: sie sind technisch sehr gute Fußballer. Sie stehen für Kreativität, für Fantasie. Doch alle drei haben haben ebenso gemeinsam: teilweise enorme taktische Defizite und Schwächen in der Entscheidungsfindung.

Wesley ist das Extrem dieser drei Spieler. Nach seiner Verpflichtung hat Allofs sehr sinngemäß, sehr ungefähr dieses gesagt: “Wir hatten ihn nicht unbedingt auf dem Zettel, aber als wir hörten, wie wenig Geld dieser Spieler kosten sollte, haben wir zugeschlagen.”

Heute wissen wir, warum Wesley, ohne Zweifel ein Bewegungswunder mit seinen grazilen Abläufen, so billig war – denn er hat eine höchstens rudimentäre taktische Ausbildung erhalten, für die die Bundesliga mehrere Nummern zu groß ist. Von weitem sieht dieser Transfer nach gründlicher Schlamperei aus.

Arnautovic hat ein ähnliches Profil wie diese drei, doch wenn er seine jetzigen Leistungen konservieren kann, müsste man seinen Transferwert am Ende der Saison vermutlich kaum runterschreiben.

Ein Schritt ins Leere

Diese Transfers fielen in eine Phase, als Werder den Schritt von einer Mannschaft, die fast immer in der Champions-League spielt und gelegentlich den Pokal gewinnt, hin zu einer Mannschaft machen wollte, die sich fast immer fürs Achtelfinale der Champions-League qualifiziert und in der Liga sich immer enger an die Bayern heran robbt.

An diesem Schritt ist Allofs gescheitert, eben so wie Thomas Schaaf, unter dem sich die Mannschaft sportlich in den Jahren 2009 und 2010 sogar zurück entwickelt hat, weil die Umstellung auf zwei Sechser und nur noch eine Spitze misslungen ist (oder nicht gewollt war).

Die genannten Transfers — für die sich die Verpflichtung von Carlos Alberto im Jahr 2007 als böses Omen entpuppte für Dinge, die da noch kommen sollten — sollten diesen Schritt bringen. Vielleicht hat Allofs den Fehler gemacht, das Konzept aus ärmeren Zeiten einfach weiter zu führen, nur mit mehr Geld: Spieler zu kaufen, die billiger sind, weil sie taktisch und fußballerisch noch weiter entwickelt werden müssen. Es gibt aber auch Spieler, die technisch nicht so viel Fantasie auslösen, dafür aber taktisch und charakterlich einwandfrei sind und daher auch viel Geld kosten.

Als andere schon die Funktionalität japanischer Fußballer schätzten, versuchte sich Werder als letzter Bundesligist noch an brasilianischen Sensibelchen. Ein teurer Spaß.

Daher kann ich es verstehen, dass der Aufsichtsrat Fragen stellt und ein erfolgsabhängiges Element in Allofs’ Vertrag einbauen möchte.

Der turn-around

Ich halte es aber trotz meiner nach wie vor bestehenden Vorbehalte wegen der eindeutigen Stagnation der Mannschaft unter Schaaf für  vollkommen unangebracht, die Ära Allofs/Schaaf am Ende der Saison zu beenden.

Erstens gab es in den letzten zwei Jahren Sonderfaktoren, wie die Belastung durch den Stadionumbau und die Verletzungen von Naldo und Claudio Pizarro.

Zweitens: die Mannschaft steht auf Platz drei der Tabelle, und die Tabelle lügt nie. Höchstens flunkert sie im Moment ein bisschen – nach den nächsten fünf Spielen wissen wir mehr. Es müsste dennoch mit dem Teufel zu gehen, wenn Werder nicht mindestens 6. würde – ein Ergebnis, das nach der Höllen-Vorsaison jeder unterschreiben würde.

Drittens, und hier geht es ans Eingemachte: Allofs und Schaaf haben mich im Sommer mit ihrer Analyse der Vorsaison beeindruckt. Sie haben die Problemfelder identifiziert und mit sicheren Griffen behoben. Sie haben den Kader breiter aufgestellt. Die Versetzung von Clemens Fritz ins Mittelfeld hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sokratis hat die Abwehr stabilisiert und die rechte Seite auf längst vergessene Weise mit Leben gefüllt. Von der anderen Seite werden dank Lukas Schmitz endlich wieder Tore vorbereitet.

Das Spiel von Ekici hakt nach meinem Eindruck an nur ein, zwei Dingen, die in seiner Ausbildung schief gelaufen sind, die sich aber hoffentlich noch beheben lassen.

Ein dickes Plus

Andreas Wolf ist ein Sonderfall, und Aleksandar Ignjovski lässt sich für mich noch nicht abschließend bewerten, ist aber mindestens vielversprechend. Aber unter dem Strich steht ein ganz dickes Transfer-Plus. Zumal: wer Per Mertesacker diese Woche hat länderspielen sehen, dürfte auch ihm nicht hinterher trauern.

Teure Spieler auf der Bank können auch eine weitaus glänzendere Kehrseite haben. Maximal ist die erste Elf mehr wert, minimal hat die Breite des Kaders auf vielfältige Weise die zu beobachtende Leistungssteigerung einiger Beteiligter bewirkt.

Richtig Geld hat Allofs dabei nur für Ekici in die Hand genommen. In der Not hat er wieder sein Talent für die Kreativität des kleinen Mannes bewiesen, die ihn in den Jahren vor und unmittelbar nach der Meisterschaft ausgezeichnet hat.

Vom Werder-Willi zum Willi-Willi?

Sportlich ist die Mannschaft trotz allem zu sehr von Claudio Pizarro abhängig. Doch es zählt auch ein Umstand, der zu oft übersehen wird: Pizarro spielt bei Werder Bremen. Genauer, er hat dort den Großteil seiner Karriere verbracht. Und nicht in Hannover, oder Stuttgart, oder bei der Hertha.

Zieht man diese Bilanz, ist die Zerstrittenheit des Vereins also schwierig einzuordnen. Vor allem: was will Willi Lemke erreichen? Will er gar das Gespann Allofs/Schaaf zermürben, bevor die Ära Allofs/Schaaf die Ära Lemke/Rehhagel verblassen lässt? Ist aus dem Werder-Willi ein Willi-Willi geworden?

Spekulation, ein böser Verdacht. Doch mächtige Männer sind erstaunlich oft bei Sandkasten-Spielen zu beobachten – sonst wären sie keine mächtigen Männer geworden.

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Warum ist Werder gut gestartet?

von Johan Petersen am 1. September 2011

Es ist nach vier Spielen viel zu früh für das große Ganze, aber mit irgend etwas muss man sich in der Länderspielpause über Wasser halten. Fünf Gründe für unseren Aufschwung:

Die Grundlagen. Vielen Dinge im kleinen, die kaum jemandem auffallen, die aber letztes Jahr unser Verhängnis waren, haben sich enorm verbessert. Durch die bessere Form einzelner Spieler, aber vieles kann sich der Trainer ans Revers heften. Zum Beispiel das Passspiel: präzise Druckpaesse in den Fuß oder den Lauf des Mitspielers, die unabdingbar sind für das vertikale Spiel durch die Raute. Dass Bargfrede Frings ersetzt hat, hilft dem Tempo am Ball. Ein weiteres Beispiel ist die Abstimmung im Sturm bei Flanken. Auch Tim Wiese bemüht sich um eine bessere Spieleröffnung. [click to continue…]

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Ich oute mich an dieser Stelle wieder einmal: ich glaube daran, dass der Europapokal wieder drin ist (reichen dafür nicht auch ab diesem Jahr wieder die ersten sechs Plätze?)

1.  Das System. Wir gehen wieder mit einem klaren System in die Saison. Die Raute ist zwar nicht der letzte Schrei, aber alle wissen, was sie zu tun haben (hoffentlich auch Wesley). Daher dürften sich zumindest die taktischen Ausreisser nach unten der vergangenen Hinrunde nicht wiederholen.

2.  Der Pokal. Nicht in jeder Saison muss man in der zweiten Runde auswärts bei den Bayern ran. In dieser Saison dürften wir also sehr viel weiter kommen.

3.   Das Stadion. Der Umbau ist fertig. Die eklatante Heimschwäche im letzten Jahr könnte auch ein bisschen an den Bauarbeiten gelegen haben. (Leverkusen und Stuttgart ging es zuletzt auch so. )  In dieser Saison dürfte es sehr viel schwieriger werden, bei uns zu gewinnen.

4.   Die Hochzeiten. Zum ersten Mal seit Menschengedenken haben wir keine englischen Wochen mehr. Das lässt viel mehr Zeit für die Trainingsarbeit und Wehwehchen können besser auskuriert werden. Ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. (Den ähnlich ambitionierte Mannschaften wie Wolfsburg, Stuttgart und der HSV in dieser Saison allerdings auch haben.)

5.   Die Einzelform. Vor der letzten Saison habe ich geschrieben, dass ich mir von der Weiterentwicklung der jüngeren den größten Schub erwarte (Marin, Bargfrede, Hunt). Nun, nicht ganz. Doch in diesem Jahr kann es auch individuell nur wieder aufwärts gehen.

Ein Beispiel: Arnautovic. Zum ersten Mal seit etwa zehn Jahren spielt er zwei Spielzeiten nacheinander in der gleichen Mannschaft (von seinem Wechsel von Enschede II zu Enschede I mal abgesehen). Ich hoffe, dass das im ruhigen Bremer Umfeld zu mehr (Selbst)Vertrauen, besserer Abstimmung mit den Nebenleuten und damit zu einem Leistungsschub führt.

Ein zweites Beispiel: Borowski. Wenn er ohne englische Wochen ohne größeren Verletzungen durch die Saison kommt, ist er ein Schlüsselspieler. Die besseren Phasen der letzten Saison fielen mit seinen Einsatz-Zeiten zusammen. Er schafft im Mittelfeld die richtige Balance und ist für Torgefahr aus dem Mittelfeld und die Griffigkeit der Raute unabdingbar.

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Alle Jahre wieder – wohin mit Marin?

von Johan Petersen am 9. Juli 2011

Beim Blättern im Archiv ist mir aufgefallen, wie viel Substanz unser Kader in den Spielzeiten 2009/2010 und 2010/2011 verloren hat.

Sieben Leistungsträger haben den Verein verlassen, bzw. sind durch langwierige Verletzungen de facto Abgänge gewesen: Diego, Mesut Özil, Frank Baumann, Hugo Almeida, Markus Rosenberg, Naldo, Sebastian Bönisch.

Demgegenüber stehen nur vier Spieler, die es im gleichen Zeitraum dauerhaft in die erste Elf geschafft haben (bei schwankenden Leistungen): Claudio Pizarro, Marko Marin, Philipp Bargfrede, Mikael Silvestre.

Das heisst, der Kader hat im wesentlichen von seinen Reserven zehren müssen. Dazu haben Karteileichen wie Carlos Alberto, Jurica Vranjes und Said Husejinovic die Kaderplanung belastet.

Diese Zyklen hat vermutlich fast jede Mannschaft und wir dürften in diesem Sommer die Talsohle durchschritten haben. Wenn die jetzigen Neuverpflichtungen wie Schmitz und Ekici sitzen und sich Arnautovic, Wagner und Wesley mit einem Jahr Verspätung als Verstärkungen erweisen, könnte es recht steil nach oben gehen.

Es stellt sich allerdings wie vor einem Jahr in der Vorbereitung die Frage, was Schaaf mit diesem Kader vorhat. Das Spiel gegen Midtylland sah nach einer Rückkehr zur guten, alten Diego-Zeit aus: eine Raute, mit einem Spielmacher Ekici, der sich gerne fallen lässt und damit das Spiel erst einmal langsam macht. Die Flügel werden erst sehr spät im Angriff besetzt.

Das wirft (alle Jahre wieder) die Frage auf, wo Marin eingesetzt werden soll – auf der Halbposition? Als zweiter Stürmer?

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Mit Schaaf in die mageren Jahre?

von Johan Petersen am 15. Juni 2011

In der Trainerdiskussion des Herbsts schlugen viele Fans in Foren und Kurve folgenden Ausweg vor:

“Mit Thomas Schaaf gehe ich auch in die zweite Liga.”

Diese Lösung ist daran gescheitert, dass wir nicht abgestiegen sind. Stattdessen erwarten viele jetzt nach den fetten Jahren einige magere im Niemandsland der Tabelle. Gilt dieser Satz also noch?

Es war am Ende der Saison viel vom Umbruch die Rede. Auch Klaus Allofs hat dieses Wort öfter in den Mund genommen. Dieser Umbruch scheint sich jedoch darauf zu beschränken, dass einige teure, ältere Spieler aussortiert worden sind. Über den Trainer wird getreu Bremer Traditionen hingegen nicht diskutiert.

Mir geht das zu schnell. Denn diese Saison hat endgültig klar gemacht: wir brauchen eine grundlegende taktische und technische Erneuerung.

Ein Märchen

Schaaf hingegen ist in den letzten beiden Jahren an der Einführung des 4-5-1 bei uns gescheitert. Es funktionierte eine Weile im Herbst 2009 – dank der Genialität Pizarros und Özils. Hunt war in der Form seines Lebens, und da fielen die Defizite des vierten im Bunde — Marin — nicht weiter ins Gewicht.

Doch in dieser Saison musste Schaaf zur Raute zurück kehren. Dabei halte ich es für eine Mär, dass die Systemumstellung sei an den fehlenden Spielern gescheitert. Sowohl Marin und Arnautovic können die offensiven Außenpositionen des 4-5-1 besetzen – wenn man ihnen die taktischen Anforderungen beibringt. Mit Harnik hat Schaaf einen sehr guten Flügelspieler weggeschickt.

Schaaf interpretiert die Dreier-Reihe hinter der einzigen Spitze sehr flexibel, es wird ständig rochiert. Wie hier oft in Spielanalysen und Diskussionen erörtert, liegt eher darin das Problem als in den falschen Spielertypen.

Wie groß ist unser Spielfeld?

Zwei der großen, in jeder Szene gegeneinander arbeitenden Prinzipien im Fußball: die verteidigende Mannschaft will das effektive Spielfeld klein machen, um auf engem Raum den Ball zu erobern. Die angreifende Mannschaft will das effektive Spielfeld groß halten, um in möglichst freiem Raum sicher passen zu können. Die verteidigende Mannschaft bestimmt dabei — verkürzt gesagt — die Tiefe des Spielfelds, und die angreifenden Mannschaft bestimmt die Breite des Spielfelds.

Im letzten Saisonspiel hat Schaaf mit der Aufstellung von Schmidt, Trinks und Stevanovic bereits in die Zukunft geblickt – im 4-5-1. Eine Szene nach einer guten Stunde lässt jedoch nichts Gutes verheißen. Marin (10) verlagert den Ball von der linken Außenlinie auf Fritz (2) Mitte der gegnerischen Hälfte und läuft dann dem Ball hinterher ins Zentrum. Die Position auf dem rechten Flügel wird von niemandem besetzt, so dass Fritz abbrechen muss und zurück läuft.

Es ist typisch für unser 4-5-1 unter Schaaf, dass sich alle drei aus der Reihe hinter der Spitze — Hunt (11), Stevanovic (7) und Marin (10) — hier im Zentrum tummeln, und zwar innerhalb des von Lautern festgelegten Spielfelds (der rechte Außenverteidiger steht sogar noch weiter außen als angesichts der Position von Marin nötig).

Fritz schafft es dann über einige kluge Pässe trotzdem, Stevanovic im Zentrum anzuspielen. Der linke Flügel ist völlig frei, jedoch weder von Marin, der direkt neben ihm steht, noch von Wesley (3), der viel zu weit im Zentrum steht, besetzt. Stevanovic spielt einen schlampigen Querpass in den Rücken von Wesley, womit er dem gegnerischen Außenverteidiger die Zeit gibt, Wesley zu stellen. Marin besetzt nun nicht den Flügel (roter Laufweg), sondern bricht auf halbem Weg ab, bietet sich stattdessen kurz an und wird von Wesley angespielt. Der setzt dem Ganzen die Krone auf, indem auch er sich nach seinem Pass auf Marin weigert, den Flügel zu besetzen. Stattdessen hinterläuft er Marin ins Zentrum (!) und macht damit das Spielfeld noch enger (blauer Laufweg).

Bei dieser Szene stockt einem der Atem. Hat der Gegner im Zentrum einen Magneten verbuddelt, von dem sich kein Spieler zu weit entfernen kann?

Der Ball muss dann zurück gespielt werden und er geht wenig später nach dem nächsten ungenauen Pass (von Pasanen auf Wesley) verloren. In keiner Phase des Angriffs ist die Position auf dem linken Flügel besetzt, Werder verschenkt durchgehend ein Drittel des Spielfelds. Deswegen kommen wir nicht mal in die Nähe des Strafraums, geschweige denn des Tors.

Im Vergleich dazu eine Szene der deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen Uruguay.

Özil (8) führt den Ball halbrechts – er dribbelt zunächst etwas nach rechts auf Lahm (2) zu, der den Flügel besetzt. Dann schlägt er einen plötzlichen Haken ins Zentrum, und weil Müller (10) und Gomez (7) in diesem Moment steil gehen, öffnen sie hinter sich den Passweg zu Schürrle (9), der bis zuletzt ganz außen den Flügel gehalten hat. Özil spielt den (roten) Pass, Schürrle geht mit Ball ein wenig nach Innen und schießt den Ball ins Tor.

Das Tore-Schießen sieht hier deswegen so einfach aus, weil die Raumaufteilung ideal ist: die beiden Flügel sind besetzt und im Zentrum bewegen sich zwei Spieler in den Strafraum, um eventuelle Flanken zu verwerten.

Gelähmt

Der Vergleich zwischen beiden Szenen hinkt, weil Deutschland hier Überzahl hat und Özil unbeschwert im Rücken des gegnerischen Mittelfelds auf die Abwehr zulaufen kann (während Lautern die meisten Spieler hinter dem Ball hat).

Doch der Unterschied ist, dass Schürrle bis zur letzten Phase des Angriffs außen auf seiner Position bleibt. Damit befinden sich sowohl er als auch Lahm außerhalb des von Uruguay präferierten Spielfelds (hell unterlegte Fläche). Das ist bei Werder fast nie der Fall, was viele Angriffe lähmt.

(Was in dieser Saison umso gravierender war, weil wir mit Pasanen zumindest auf links einen in seinen Vorstößen sehr konservativen Außenverteidiger hatten. Kein Vergleich zu dem Feuer, das Schmelzer und Pisczek in Dortmund abgebrannt haben.)

Angesichts des diesjährigen Misserfolgs will Werder zurück zu dem, was zuletzt Erfolg gebracht hat: eine dominante Figur im Mittelfeld. Doch Allofs kann so viele Spielmacher verpflichten, bis der Ersatztorhüter nicht mehr auf die Bank passt – die oben erläuterten, grundlegenden Defizite stellt das nicht ab.

Bitte nichts Besonderes mehr

Wir brauchen keinen Spieler, der “für das Besondere steht”, sondern elf Spieler, die jede Seite des taktischen Anforderungskatalogs auf ihrer Position auswendig kennen.

Frings aufs Altenteil zu schicken war überfällig. Das alleine ist kein Umbruch. Wiese müsste auch gehen. Das Passspiel müsste dringend verbessert werden, und wir brauchen einen Trainer, der das schafft.

Das kann auch Thomas Schaaf sein. Im Fußball geht es schnell. Zorc war noch vor wenigen Jahren das Gespött der Branche, heute wird auch er gefeiert – zu Recht. Damit ist Dortmund doch noch zu einem Nachweis für den Wert von Kontinuität geworden.

Ich weiß nicht, was kommt. Fakt ist, dass wir taktisch und spielerisch sehr weit von den ersten fünf Mannschaften der Bundesliga entfernt sind.

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Kader-Rückblick 2010/2011: Angriff

von Johan Petersen am 27. Mai 2011

Sandro Wagner. Hat irgendwann begriffen, dass ihm mangels fußballerischer Fähigkeiten nur das Kämpfen in die Mannschaft bringt. Hat gut gegen den Ball gearbeitet. Immer über lange Bälle erreichbar – das hat unser Spiel in der Rückrunde nicht gerade verschönert, aber mangels spielerischer Alternativen enorm stabilisiert (wir konnten mit sehr viel weniger Spielern vor dem Ball für Torgefahr sorgen, was das Umschalten bei Ballverlust viel einfacher macht). Wenn wir wieder schöneren Fußball spielen, könnte er aber ein Bremsklotz sein. Dann muss er vor dem Tor eiskalt sein, um seine Aufstellung zu rechtfertigen. Muss sich taktisch weiterentwickeln, indem er vor allem die vielen kleinen Fouls beim Pressing abstellt. Zusammen mit den ständigen Fouls in der Luft dürfte der erste Platzverweis nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Marko Arnautovic. Seine größte Schwäche ist die fehlende Ruhe vor dem Tor, besonders im 1 gegen 1 gegen den Torwart. Mit seiner Technik, Schnelligkeit und Durchsetzungsstärke hat er das Potenzial für 20 Saisontore, aber er braucht mehr als alle anderen eine funktionierende Mannschaft ohne Nebenkriegsschauplätze. Die hatten wir in dieser Saison nicht, und er litt wie die anderen Stürmer an fehlenden Automatismen im Spiel in die Spitze, daher sollte man den Stab nicht zu schnell über ihn brechen.

Claudio Pizarro. Leider ständig verletzt. Hatte es bei Werders Chancenarmut auch schwer und zeigte gegen Ende der Saison wieder seine überragende Torgefahr. Seine schnörkellosen Flachschüsse vom Strafraum sind in ihrer Effizienz genial. Trotzdem eine schwache Saison, weil ihm in einigen Spielen (für seine Verhältnisse) viele Anspiele im Mittelfeld verloren gingen.

Hugo Almeida. Einer der besten Spieler der Hinrunde. Im Rückblick kann man sagen, dass Allofs ihn zurecht im Winter verkauft hat, da er weg wollte und wir die Klasse auch ohne ihn gehalten haben.

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Der Kader-Rückblick 2010/2011: Mittelfeld

von Johan Petersen am 27. Mai 2011

Torsten Frings. Hat sich in der Rückrunde anständig verabschiedet. Vor der Winterpause war er aber ein wesentlicher Grund für unser Tief. Hat zu viele Bälle verloren, das Spiel verlangsamt und sich oft zu weit von den Innenverteidigern entfernt. In der Rückrunde war er in dieser Hinsicht sehr viel stabiler.

Tim Borowski. Hat das Mittelfeld in der Rückrunde fast im Alleingang stabilisiert. Kam unbeeindruckt vom bei anderen fehlenden Selbstbewußtsein aus seiner Verletzungspause und hat sofort für die sonst fehlende Torgefahr aus dem Mittelfeld gesorgt: er stößt entweder im richtigen Moment aus dem Mittelfeld in die Spitze oder hat ein gutes Gefühl für zweite Bälle. Auch gegen den Ball auf der Halbposition der Raute sehr diszipliniert und konzentriert. Bleibt er von Verletzungen verschont, ist er für mich daher der Hoffnungsträger für die neue Saison.

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Der Kader-Rückblick 2010/2011: Tor und Abwehr

von Johan Petersen am 27. Mai 2011

Tim Wiese. Seine bisher schlechteste Saison bei Werder. Zu seinem antiquierten Torwart-Spiel ist alles gesagt und er hat uns auch mehrfach direkt Punkte gekostet (Leverkusen, Schalke, Wolfsburg – nur auswärts in Frankfurt hat er uns einen Punkt gerettet). Es ist imperativ, Wiese im Sommer zu verkaufen. Mit Mielitz steht ein Nachfolger bereit, und das eingesparte Gehalt macht Gelder für andere Positionen frei. Allerdings fürchte ich, dass sich keiner für ihn interessiert. [click to continue…]

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Allofs: Flucht in die Vergangenheit

von Johan Petersen am 2. Mai 2011

Nach so einer miserablen Saison können wir den ganzen Sommer hindurch diskutieren, welche Konsequenzen für den Umbau gezogen werden müssen. Die ersten Äußerungen der Offiziellen lassen jedoch bereits jetzt nichts Gutes verheißen.

Ein Manko, das auch Allofs erkannt hat. Und daher kündigte der Werder-Boss an, die entstandene Kreativ-Lücke im Bremer Spiel wieder schließen zu wollen. „Micoud, Diego, Özil – das waren alles Hochkaräter für Werder“, sagte der 53-Jährige: „Wir werden sehen, ob wir das für die nächste Saison oder das nächste Jahr hinbekommen.“

Sprach Klaus Allofs.

Wir brauchen keinen Spielmacher. Keinen neuen Marin oder Wesley, die viel Talent am Ball haben, aber sonst fast alles falsch machen. Wir brauchen ein sportliches Konzept – junge Spieler, die permanent gegen den Ball arbeiten und im 4-5-1 die richtigen Entscheidungen ohne Ball treffen.

Die Position im offensiven Zentrum wird bei den Spitzenmannschaften von Lewandowski, Klose, Kagawa oder Müller besetzt, von denen keiner im Verdacht steht, ein Spielmacher zu sein. Allofs scheint in Anbetracht des Misserfolgs immer krampfhafter in die erfolgreiche Vergangenheit zu wollen, anstatt sich auf die neuen Zeiten einzustellen.

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Sponsoren-Aufruf

von Johan Petersen am 27. Dezember 2010

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ich will noch mehr über Fußball schreiben. Es gibt viele Leute, die noch mehr über Fußball lesen wollen: in der Art, wie sie dieses Blog bietet. [click to continue…]

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