von Johan Petersen am 13. November 2009
Hugo Almeida hat vier überragende Fähigkeiten.
1. Sein Kopfballspiel (im Mittelfeld noch eher als vor dem Tor, wo ihm manchmal das Timing fehlt). 2. Seine Schnelligkeit. 3. Der linke Hebel (Leider ist er oft schon gedanklich beim Schuss, noch bevor er den Pass aus dem Zentrum angenommen hat, so dass ihm der Ball eben nicht am Fuss klebt und er sich den Winkel unnötig spitz macht). 4. Seine Unberechenbarkeit. (Er spielt unorthodox, oft denkt man, keine Torgefahr, und dann passiert doch irgendwie was.)
(Wenn er dazu auch noch die Technik eines Claudio Pizarro hätte, seine Finesse vor dem Tor, würde er nicht bei Werder Bremen spielen, sondern bei Real oder ManU. Vor allem im 1 gegen 1 den Torwart ist sein Repertoire überschaubar.)
Hugo ist eben ein Kraft- und kein Rundumpaket, aber er hat uns in den letzten Wochen gefehlt. Nun ist er wieder da, und aus diesem Anlass ein Blick zurück auf eines seiner wichtigsten Tore in grün-weiß, das uns in die CL brachte, den HSV nicht, und bei dem er außerdem zwei seiner vier Talente in einer Szene zeigte.
Der Spielzug: Wiese schlägt ab. Almeida (23) gewinnt das Kopfballduell, Rosenberg (9) hat sich hinter ihn bewegt (wichtige Staffelung) und behauptet den Ball einen Augenblick lang im Ringkampf mit zwei HSV-Verteidigern.

Der Torabschluss: Rosenberg liegt mittlerweile auf dem Boden, stochert den Ball zurück zu Almeida, der ihn mit rechts unter die Latte nagelt.

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Historie
von Johan Petersen am 9. Oktober 2009
Es gibt Spieler, die mit dem Ball fünf Gegenspieler in ein imaginäres Zimmer sperren können, aus dem sie für einen Atemzug nicht heraus kommen. Gerade lang genug, damit anderswo auf dem Platz der entscheidende Laufweg durch einen leeren Korridor gelaufen werden kann. Diego ist so ein Spieler, und in seinem letzten Spiel mit dem W auf dem Trikot durften wir den Hausmeister mit dem größten Schlüsselbund noch einmal sehen.
Die Ausgangssituation: Wiese schlägt ab. Pizarro (24) sprintet dem Ball entgegen, Diego bewegt sich zwischen die beiden Stürmer. Rolfes (6) verlängert bedrängt von Pizarro unglücklich zu Almeida (23) .

Der Spielzug: Almeida (23) lässt den Ball zurück zu Diego (10) klatschen. Die Außenverteidiger (2) (7) rücken nach Innen. Alle erwarten einen Pass auf den Flügel, doch Diego biegt vor Castro (2) nach innen ab, und zieht damit fünf Gegenspieler auf engsten Raum – siehe Einleitung. (Dabei hilft ihm, dass sich Almeida nach seinem Ballkontakt sofort wieder weg bewegt hat, das hält die von Pizarro geschaffene Lücke zwischen Kette und defensivem Mittelfeld länger offen). Castro (2) stochert von der Seite mit dem rechten Fuss in seinem Laufweg herum, anstatt den linken zu nehmen und so den Körper dahinter zu bringen. Beidfüßigkeit hilft auch im Zweikampf, nicht nur beim Ballführen! (Auch Lahm argumentiert ja neuerdings, er könne auf rechts die Gegenspieler besser abdrängen – allerdings ist er rechts offensiv ein harmloser Außenverteidiger.)

Der Torabschluss: Diego hält den Ball bis zum letzten Moment und hält damit auch die Innenverteidiger (5) noch den Augenblick im Zentrum, den Özil (11) braucht, um von der Mittellinie aus den Flur entlang zu laufen. Dann der Pass auf den Flügel, wo Özil den Ball aufnimmt, noch einige Meter geht, und dann abschließt.

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Historie
von Johan Petersen am 3. Oktober 2009
Dieses Tor war der endgültige Beweis, dass Mesut Özil das Potential hat, einmal in einem Atemzug mit Micoud und Diego genannt zu werdem. Hier durch seine blitzschnelle Auffassungsgabe und das klasse Timing seines Passes.
Das Tor zeigt auch, was eine hochstehende Viererkette gepaart mit Spielern wie Frank Baumann und Özil für Wunder wirken kann: sechs Ballkontakte, drei Stationen, vier Sekunden nach Balleroberung klingelt’s. (Sie kann auch ins Verderben führen, bevorzugt bei Auswärtsspielen in Stuttgart. Mehr dazu demnächst, aber hoffentlich nicht morgen.)
Die Ausgangssituation: Bayern erobert den Ball und kontert: Ze Roberto führt den Ball quer durchs Mittelfeld. Entscheidend: Werders Viererkette weicht nicht zurück, sondern bleibt etwa 25 Meter hinter der Mittellinie stehen (weiße gestrichelte Linie). Naldo greift Ze Roberto an, der in seiner Zone steht (blaue Linie). Toni und Podolski stehen beim Pass deutlich im Abseits.

Der Spielzug: Dann Frank Baumanns (6) große Stärke, das schnelle Umschalten, in Reinform. Er spielt den Freistoß sofort vertikal auf Mesut Özil (11), der kurz nach Ballverlust der Bayern noch ungedeckt ist. 
Der Torabschluss: Özil nimmt den Ball zum Spielfeld hin mit, und spielt sofort vertikal in die Spitze. Der ihn angreifende Lucio (2) kommt zu spät. Rosenberg (9) nimmt den Ball hinter dem Rücken von Demichelis so geschickt mit, dass er mit dem dritten Ballkontakt frei vor Rensing abschließen kann.

Jürgen Klinsmann sollte nie wieder so dicht an den von ihm zuerst für die Nationalmannschaft propagierten schnellen, vertikalen Fußball kommen wie bei diesem Spielzug. Er saß nur dreißig Meter entfernt an der Seitenlinie.
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Spieleröffnung
von Johan Petersen am 18. September 2009
Der wichtige Führungstreffer in diesem engen Nord-Derby, und ein tolles Beispiel dafür, wie sich ein Stürmer durch einen vertikalen Laufweg selber den Raum schaffen kann, den er zum Abschluss braucht.
Ausgangssituation: Werder hat Einwurf Mitte der gegnerischen Hälfte durch Tosic (23). Die HSV-Abwehr steht tief am eigenen Strafraum, auf dem linken Flügel sind alle Räume dicht.

Der Spielzug: Sanogo (18) geht dem Ball entgegen, eng markiert von einem Innenverteidiger (2). Er wird aber nicht angespielt, stattdessen sieht der einwerfende Tosic (23), dass Vranjes (8) aus der Tiefe in einen vom HSV-Mittelfeld offen gelassenen Raum läuft, und wirft zu ihm.

Der Torabschluss: Nachdem Sanogo (18) zunächst nicht angespielt wurde, dreht er ab und läuft auf dem gleichen Laufweg zurück. Dadurch hat er eine kleine Lücke in die gegnerische Viererkette gerissen, die Vranjes erkennt. Mit etwas Glück geht der Ball durch und Sanogo verwandelt den gut getimeten Pass technisch sehenswert direkt flach in die lange Ecke.

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Historie