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Geplänkel

Der FIFA-Kommerz: was man noch alles machen könnte

von Johan Petersen am 1. Dezember 2010

Am Donnerstag werden die WMs 2018 und 2022 vergeben. Die FIFA macht mit dem Produkt pro Jahr etwa eine Milliarde Dollar. Ich finde, das reicht nicht. Bei Sponsoring und Fernsehübertragungen ist mehr drin. Ein Sieben-Punkte-Plan. [click to continue…]

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Trainingslager

von Johan Petersen am 14. November 2010

Auch blogger müssen geschleift werden, vor allem solche, die immer alles besser wissen.

Zehn Tage 7-Uhr-Strandläufe, Medizinbälle und Mount Magath, dann geht’s weiter.

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Gegen Stuttgart: Abschied von Mielitz

von Johan Petersen am 6. November 2010

Da wir gerade so gut in Form sind, nach der Trainer- nun also die Torwartdiskussion. Gegen Stuttgart steht Wiese wieder im Kasten. Muss das sein?

Fakt ist, dass Mielitz in vier wichtigen Bereichen des Torwartspiels besser ist:

  • Abfangen von Flanken und hohen Bällen
  • Fußballspielen mit beiden Füßen
  • Spieleröffnung, besonders die flache, vertikale ins Mittelfeld (mit Wiese auf dem Platz wäre Pizarro gegen Twente definitiv nicht zu seiner Chance gekommen, die am Pfosten endete)
  • 1 gegen 1-Situationen – Mielitz erfasst die Situation schnell, bleibt lange stehen, zeigt gutes Stellungsspiel und ist reaktionsschnell. [click to continue…]

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Wie schön wär jetzt ein Flutlicht-Derby

von Johan Petersen am 17. September 2010

Zwei der vielen Dinge, die eine Liga interessant machen: Derbys und Flutlichtspiele. Derbys haben alle, Flutlichtspiele am Freitagabend nur wir. Warum müssen wir dann heute Abend Frankfurt gegen Freiburg sehen?

Ein Derby aus der Stadt, die vermutlich im Ausland die drittbekannteste Deutschlands ist, bekäme viel größere Aufmerksamkeit, zumal wenn der Paradies-Vogel unter den deutschen Vereinen dabei ist. Warum also heute Abend nicht St. Pauli gegen den HSV?

Stattdessen findet das Spiel um Sonntag-Nachmittag statt, wenn die Welt auf die Matches in England und Spanien wartet.

Vielleicht hat das Sicherheits-Gründe. Schade wär’s.

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Anne Will und Thomas Schaaf haben gegen Ende der vergangenen Saison sehr beunruhigende Sachen gesagt.

Will (in der Süddeutschen, Anfang Mai): “Die Qualität dieses Sports wird einem so faszinierend dargeboten, dass man beim Stadionbesuch fast enttäuscht ist und denkt: Was ist das langsam und kraftlos, es passiert so wenig!”

Schaaf (zitiert in der Welt): “Wir müssen aufpassen, dass Nebensächlichkeiten nicht den Fußball total vereinnahmen, denn damit wird irgendwann das Produkt Fußball kaputt gemacht.”

Und weiter: “Wir als Trainer müssen darauf achten, dass Fußball auch Fußball bleibt. Die meisten anderen, die heutzutage mit Fußball zu tun haben, haben andere Interessen.”

In 95 Prozent der Medien-Berichterstattung geht es nicht um die Sache selbst, sondern das drumherum: Emotionen, Personen, Atmosphäre. Geht jemand wie von Will beschrieben mal ins Stadion, ist die Überraschung groß, dass da ein Ball im Spiel ist.

Hier meine persönlichen Top 3 der letzten Saison:

1. Die Serie. Werder hat drei Jahre lang kein Heimspiel im DFB-Pokal? Gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man ein Mal davon in der ersten Runde ausscheidet, und Bundesligisten ohnehin nur 40 Prozent ihrer Pokal-Spiele zu Hause austragen. Es gibt Artikel, die es zum Trend erklären, wenn es im November erst eine Trainerentlassung gegeben hat. Dumm nur, dass in der Saison davor besonders viele, nämlich etwa 16 von 18 Trainer entlassen wurden. Selbst Trainer-Fresser wie Roth konnten sich nur eine oder zwei Entlassungen in zwei Jahren leisten. Das ist wie die Blinker in der Schlange vor der Ampel: obwohl alle Fabrikate einen andere Frequenz haben, blinken irgendwann einmal alle für einen Moment simultan. Und dann eben wieder lange nicht.

Werder hat 20 Spiele hintereinander nicht verloren? Wow. Am Ende waren wir sechster und hatten die Meisterschaft verspielt, und es war lange vorher auf dem Platz zu sehen.

2. Der Vertrag. Nein, nachdem Profis bei uns unterschreiben, schlafen sie nicht den Rest ihres Lebens in Werder-Bettwäsche (umso schöner, dass Frings offensichtlich genau das vor hat). Man muss einfach akzeptieren, dass Spieler, die besten zumal, nur drei Jahre bleiben. (Im Vergleich zu anderen Vereinen sollten wir uns glücklich schätzen – begnadete Spieler wie Micoud, Diego und Özil blieben alle drei oder vier Jahre - dagegen ist der sehr viel finanzstärkere HSV ein Durchlauferhitzer).

Natürlich ist die Zusammensetzung des Kaders und seine Planung kein Nebenschauplatz, sondern steht bei Verantwortlichen und Fans zu Recht im Mittelpunkt der Emotionen. Aber die Anfeindungen gegen Özil in Foren und Kurven haben mich sehr enttäuscht.

3. Der Topf. Es ist völlig egal, in welchem Topf Werder bei der Champions-League-Auslosung landet. Hauptsache, wir sind dabei!

Natürlich ist die Ausbeute sehr dünn.  Bei Werder gibt es kaum Kasperkrams im Vergleich zu Vereinen an Elbe, Isar und Rhein. Durch die Weser muss hingegen eine Art Kühlwasser fließen. (Allerdings mal sehen, was Arnautovic vor hat.)

Außerdem muss man den ganzen Quatsch nicht mehr lesen – es gibt zu viele gute blogs, als dass man noch Zeitungen bräuchte.

Am Ende noch ein beruhigendes Wort an alle, die die Wirklichkeit auf dem Platz enttäuscht: es kommt bestimmt bald einer auf die Idee, sonntags auf dem Domshof die Bundesliga auf Konsole nachzuspielen. Für alle, denen trotz Häppchen und Schnittchen der echte Fußball zu langweilig geworden ist.

Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.

I. Marin vs Almeida

II. Ein norddeutscher Jung

III. Der schönste Angriff der Saison

IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010

V. Nach der Saison ist vor der Saison

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Lustiges Länder-Raten

von Johan Petersen am 13. Juli 2010

Mit Spanien ist eine Mannschaft Weltmeister geworden, die das Turnier zum ersten Mal gewonnen hat. Wer wohl als nächstes Team das erste Mal teilnimmt?

Quasi in Gedenken an die Länder, die noch nie bei dem Turnier waren, das uns die letzten vier Wochen 24 Stunden am Tag beschäftigt hat:

Nord- und Mittelamerika: Belize, Panama, Guatemala, Nicaragua, Aruba, Anguilla, Dominikanische Republik, Antigua und Barbuda, Bahamas, Barbados, Bermuda, Britische Virgin-Inseln, US Virgin Inseln, Cayman Inseln, Dominika, Französisch-Guiana, Grenada, Guadeloupe, Guiana, Martinique, Montserat, Niederländische Antillen, Puerto Rico, Saint Lucia, Saint Kitts and Nevis, Saint Vincent and the Grenadines, Suriname, Turks and Caicos Inseln.

Südamerika: Venezuela.

Europa: Albanien, Andorra, Armenien, Kasachstan, Aserbaidschan, Weissrussland, Zypern, Estland, Malta, Faröer Inseln, Island, Finnland, Georgien, Lettland, Litauen, Lichtenstein, Luxemburg, Nordirland, Montenegro, Moldavien, Mazedonien, San Marino.

Asien: Brunei, Kambodscha, Laos, Malaysia, Singapur, Philippinen, Myanmar, Thailand, Timor, Vietnam, Hong Kong, Guam, Mongolei, Nördliche Mariannen, Macau, Taiwan, Bahrain, Jordanien, Oman, Qatar, Palästina, Yemen, Syrien, Libanon, Afghanistan, Bangladesh, Pakistan, Malediven, Nepal, Sri Lanka, Tadjikistan, Kirgisien, Turkemistan, Usbekistan.

Afrika: Botswana, Tschad, Lybien, Sudan, Somalia, Äthiopien, Kenia, Tansania, Seychellen, Mosambik, Lesotho, Zentralafrikanische Republik, Mauretanien, Niger, Mali, Burkina Faso, Liberia, Benin, Sierro Leone, Gabon, Sao Tome et Principe, Sambia, Kongo, Kapverdische Inseln, Komoren, Swasiland, Burundi, Uganda, Gambia, Guinea-Bissau, Äquatorial-Guinea, Malawi, Mauritius, Namibia, Zanzibar, Réunion, Madagaskar.

Ozeanien: Papua-Neu-Guinea, Fiji, Tonga, Neu-Kaledonien, Solomonische Inseln, Amerikanisch-Samoa, Samoa, Cook-Inseln, Vanuatu, Tahiti.

Schwer zu sagen. Finnland oder Lettland würden sich sicher nicht blamieren, aber in Europa sind die Gruppen zu hart für diese Mannschaften. Ich denke, der nächste zum ersten Mal Teilnehmer kommt aus Asien, vielleicht auch aus Afrika.

Oder doch Vanuatu?

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Meine WM-Errata

von Johan Petersen am 9. Juli 2010

Über Friedrich, am 6. Mai 2010: “Friedrich: (…) Für mich in dieser Form kein Nationalspieler.”

Über Australien, am 11. Juni 2010: “Und wegen seiner defensiven Einstellung damit die größe Herausforderung für unsere neue spielerische Qualität. Die werden kompakt am eigenen Strafraum stehen, beflügelt durch ihren spirit und die Motivation, gleich gegen Deutschland zu spielen.”

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Touchscreen vs Buntstifte

von Johan Petersen am 9. Juli 2010

Nett geschrieben, aber mir gefällt die Stoßrichtung dieses Artikels über den Aachener Kollegen Bernd Büttgens nicht. Ich bin froh, dass es in den Mainstream-Medien mal um die Sportart geht, und nicht immer nur um die Farbe von Löws Pullover. Für eine Gegenbewegung ist es da ein bisschen früh. Und neue Technologien helfen uns, Fußball besser zu verstehen.

Allerdings ohne Frage ein empfehlenswertes Blog.

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Die Vuvuzela – Ökonomie vs Kultur

von Johan Petersen am 13. Juni 2010

Bei meinem ersten Afrika-Cup im Stadion war mein erster Gedanke: “Die singen und tanzen ununterbrochen.”

In der ersten halben Stunde dachte ich noch: sind eben Auswärtsfans, die weite Wege hinter sich haben. Wie in der Bundesliga haben die eine andere Motivation als die Heimfans. Aber auch Auswärtsfans reagieren irgendwann auf Rückstande und andere Ereignisse, daher war spätestens nach zwei Spielen klar: die Fans sangen und tanzten, egal, was sich auf dem Spielfeld tat.

Das macht deutlich, dass es bei der Vuvuzela nicht um den Lärmpegel geht, sondern um ein kulturell anderes Verhalten in der Gruppe, das sich in diesem Fall nur durch die Tröte ausdrückt. Aus irgendeinem Grund scheint das Spiel als Referenzrahmen für das Verhalten zu dienen, und weniger das Geschehen auf dem Platz. Vermutlich ist die Großveranstaltung Sport kulturhistorisch betrachtet eine Erfindung des Westens, und wird eben vor Ort angepasst. (Ich war leider noch nie in Südamerika im Stadion – ob da der Spielrhythmus die Kurven steuert, oder auch monotones Tanzen und Singen vorherrscht?)

Ökonomisch betrachtet, macht die Vuvuzela also keinen Sinn. In europäischen Stadien lebt die Atmosphäre von der Dynamik zwischen Rängen und Mannschaften. Spüren die Fans, dass die eigene Mannschaft einen Ruck braucht, geben sie selber mehr Gas. Baut das Team dann Druck auf, schnürt den Gegner ein, springt der Funke zurück auf die Ränge. Manchmal werden sogar einzelne Spieler des Gegners oder der eigenen Mannschaft mit Sprechchören bedacht. (Ich frage mich, wie lange es das in dieser Form in Europa schon gibt. Vielleicht hat die Kurve als Organisationsform mit Vortrommlern und Ultras wegen der Probleme im afrikanischen Vereinsfussball noch nicht heraus gebildet?)

Beim monotonen Lärm der Vuvuzelas, und eben auch sonst in afrikanischen Stadien, fällt das aus. Ganz zu schweigen davon, dass Lärm an sich ja beide Teams unterstützt. Es wäre wohl effektiver, in wichtigen Phasen die Mannschaft zu pushen.

Es kann aber nicht jede Weltmeisterschaft in der Schweiz stattfinden, sonst würde Blatter schließlich keine Wahlen — oder das, was die FIFA dafür ausgibt — gewinnen. Also müssen wir da meiner Meinung nach jetzt eben durch.

Außerhalb Europas – in Afrika, im Nahen Osten, in Indien — haben die Menschen auch ein anderes Verhältnis zu Lärm. Lärm heisst nicht: ich werde gestört, sondern: ich bin nicht alleine. Wobei wir wieder bei der Gruppe sind. Man ist da, und man ist zusammen da, also macht man Lärm. Denn auch die Privatsphäre ist eine Erfindung der westlichen Moderne, der westlichen Wohlstandsgesellschaft mit ihren Ein-Kind-Familien und isolierten Wohnstrukturen.

Da wir schon beim Drum-Herum sind: mich stören eher die emotionsbeladenen Superzeitlupen der FIFA-Propaganda. Trainer einblenden ist OK, aber ich will nicht in x-facher Verlangsamung sehen, wie sich Capello mit dem Zeigefinger die Wange eindrückt. Die FIFA würde am liebsten aus jeder Übertragung einen Werbespot für ihr Produkt machen – aber irgendwann werden sie das Rad zu weit drehen.

Playstation ist Playstation und Fußball ist Fußball: samt Fans.

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Meine erste WM

von Johan Petersen am 11. Juni 2010

Ich hatte früher immer schlagartig schlechte Laune, wenn ich plötzlich in der Gruppe Fußball gucken musste. Anstatt mich auf das Spiel zu konzentrieren, musste ich small talk betreiben. Schlimmer noch: Ich musste mit Leuten über Fußball reden, die seit vier Jahren kein Spiel gesehen hatten. Die nur gekommen waren, weil während einer WM, oder wenn Werder kurz vor der Meisterschaft steht, alle Fußball gucken. Weil sie wissen, dass die hübsche Mitschülerin auch da ist, und wegen der dann erst recht so tun, als hätten sie Ahnung.

Ich hab nichts dagegen, jemandem die Abseits-Regel zu erklären. Darum geht’s nicht. Aber es gab nichts schöneres, als mit einem Kumpel aus der Mannschaft vor dem Fernseher zu sitzen, schweigend (gilt auch für den Kommentator) das Spiel zu genießen und sich alle fünfzehn Minuten kurz über das Geschehen auf dem Platz auszutauschen.

Nun ja, mit dem Alter wird man weiser und gelassener.

Was mir immer noch Probleme bereitet, oder immer mehr, sind die Medien. Es werden nie da gewesene Mengen an Artikeln und Sendeminuten produziert. Nur: in 90 Prozent bis 95 Prozent der Berichterstattung geht es nicht um die Sache. Es geht um die Stimmung, es geht um das Hotel, es geht um Tröten, wer mit wem kann – es wird emotionalisiert und personalisiert bis nicht mehr zu erkennen ist, über welche Sportart eigentlich berichtet wird.

Schon während der Saison liest man selbst in überregionalen Zeitungen Spielberichte, in denen nicht ein einziges Mal Bezug auf das genommen wird, was eigentlich auf dem Platz passiert ist. Vielleicht war es ja ein Handball-Spiel – man weiß es nicht. Während der WM wird das Publikum noch größer, und deswegen wird die inhaltliche Berichterstattung auf einen noch kleineren Nenner runter gefahren.

Der mainstream wäscht so lange, bis alle Trikots, alle Sportarten gleich aussehen.

Heute habe ich beschlossen: dies wird meine erste WM, bei der ich keine Zeitung mehr lese, und kein Fernsehen mehr schaue. Ich werde nur noch die Spiele gucken.

Denn hier kommt die gute Nachricht: mittlerweile gibt es blogs. Eine Hand voll Kollegen in Deutschland, Österreich und England, werden meine Kumpels, mit denen ich mich über nichts anderes als das Geschehen auf dem Platz austausche, mit denen ich die WM genieße.

Falsch: mit denen ich den Fußball genieße. Diese Sache, bei der 22 Leute auf einem Rasen umherlaufen, und ab und zu versuchen, einen Ball ins Netz zu bekommen.

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