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Geplänkel

Was will Willi?

von Johan Petersen am 18. November 2011

Ich gebe mich hier nur noch mit dem großen Ganzen ab. Die wochendliche Grundlagenarbeit wird auf ballverlust.net erledigt. Und jetzt hinein ins Geschehen:

Die Transferbilanz von Klaus Allofs war lange Zeit über jeden Zweifel erhaben. Der Einkauf von Johan Micoud allein hat die Fachwelt vor Neid erblassen lassen.

In den letzten zwei Jahren, seit dem Sommer 2009, sieht die Sache ganz anders aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass am Samstag in Gladbach wie zuletzt mehrfach nach Umstellungen während des Spiels Aaron Hunt oder Marko Arnautovic hinter den Spitzen beginnen. Damit würden mit Marko Marin, Mehmet Ekici und Wesley etwa 20 Millionen Euro Ablöse auf der Bank sitzen.

Das ist eine Bruchlandung im Luxus-Segment, die sich ein mittelständischer Verein wie Werder Bremen nicht leisten kann und Allofs ist dafür verantwortlich.

Schlamperei

Alle drei Spieler haben eines gemeinsam: sie sind technisch sehr gute Fußballer. Sie stehen für Kreativität, für Fantasie. Doch alle drei haben haben ebenso gemeinsam: teilweise enorme taktische Defizite und Schwächen in der Entscheidungsfindung.

Wesley ist das Extrem dieser drei Spieler. Nach seiner Verpflichtung hat Allofs sehr sinngemäß, sehr ungefähr dieses gesagt: “Wir hatten ihn nicht unbedingt auf dem Zettel, aber als wir hörten, wie wenig Geld dieser Spieler kosten sollte, haben wir zugeschlagen.”

Heute wissen wir, warum Wesley, ohne Zweifel ein Bewegungswunder mit seinen grazilen Abläufen, so billig war – denn er hat eine höchstens rudimentäre taktische Ausbildung erhalten, für die die Bundesliga mehrere Nummern zu groß ist. Von weitem sieht dieser Transfer nach gründlicher Schlamperei aus.

Arnautovic hat ein ähnliches Profil wie diese drei, doch wenn er seine jetzigen Leistungen konservieren kann, müsste man seinen Transferwert am Ende der Saison vermutlich kaum runterschreiben.

Ein Schritt ins Leere

Diese Transfers fielen in eine Phase, als Werder den Schritt von einer Mannschaft, die fast immer in der Champions-League spielt und gelegentlich den Pokal gewinnt, hin zu einer Mannschaft machen wollte, die sich fast immer fürs Achtelfinale der Champions-League qualifiziert und in der Liga sich immer enger an die Bayern heran robbt.

An diesem Schritt ist Allofs gescheitert, eben so wie Thomas Schaaf, unter dem sich die Mannschaft sportlich in den Jahren 2009 und 2010 sogar zurück entwickelt hat, weil die Umstellung auf zwei Sechser und nur noch eine Spitze misslungen ist (oder nicht gewollt war).

Die genannten Transfers — für die sich die Verpflichtung von Carlos Alberto im Jahr 2007 als böses Omen entpuppte für Dinge, die da noch kommen sollten — sollten diesen Schritt bringen. Vielleicht hat Allofs den Fehler gemacht, das Konzept aus ärmeren Zeiten einfach weiter zu führen, nur mit mehr Geld: Spieler zu kaufen, die billiger sind, weil sie taktisch und fußballerisch noch weiter entwickelt werden müssen. Es gibt aber auch Spieler, die technisch nicht so viel Fantasie auslösen, dafür aber taktisch und charakterlich einwandfrei sind und daher auch viel Geld kosten.

Als andere schon die Funktionalität japanischer Fußballer schätzten, versuchte sich Werder als letzter Bundesligist noch an brasilianischen Sensibelchen. Ein teurer Spaß.

Daher kann ich es verstehen, dass der Aufsichtsrat Fragen stellt und ein erfolgsabhängiges Element in Allofs’ Vertrag einbauen möchte.

Der turn-around

Ich halte es aber trotz meiner nach wie vor bestehenden Vorbehalte wegen der eindeutigen Stagnation der Mannschaft unter Schaaf für  vollkommen unangebracht, die Ära Allofs/Schaaf am Ende der Saison zu beenden.

Erstens gab es in den letzten zwei Jahren Sonderfaktoren, wie die Belastung durch den Stadionumbau und die Verletzungen von Naldo und Claudio Pizarro.

Zweitens: die Mannschaft steht auf Platz drei der Tabelle, und die Tabelle lügt nie. Höchstens flunkert sie im Moment ein bisschen – nach den nächsten fünf Spielen wissen wir mehr. Es müsste dennoch mit dem Teufel zu gehen, wenn Werder nicht mindestens 6. würde – ein Ergebnis, das nach der Höllen-Vorsaison jeder unterschreiben würde.

Drittens, und hier geht es ans Eingemachte: Allofs und Schaaf haben mich im Sommer mit ihrer Analyse der Vorsaison beeindruckt. Sie haben die Problemfelder identifiziert und mit sicheren Griffen behoben. Sie haben den Kader breiter aufgestellt. Die Versetzung von Clemens Fritz ins Mittelfeld hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sokratis hat die Abwehr stabilisiert und die rechte Seite auf längst vergessene Weise mit Leben gefüllt. Von der anderen Seite werden dank Lukas Schmitz endlich wieder Tore vorbereitet.

Das Spiel von Ekici hakt nach meinem Eindruck an nur ein, zwei Dingen, die in seiner Ausbildung schief gelaufen sind, die sich aber hoffentlich noch beheben lassen.

Ein dickes Plus

Andreas Wolf ist ein Sonderfall, und Aleksandar Ignjovski lässt sich für mich noch nicht abschließend bewerten, ist aber mindestens vielversprechend. Aber unter dem Strich steht ein ganz dickes Transfer-Plus. Zumal: wer Per Mertesacker diese Woche hat länderspielen sehen, dürfte auch ihm nicht hinterher trauern.

Teure Spieler auf der Bank können auch eine weitaus glänzendere Kehrseite haben. Maximal ist die erste Elf mehr wert, minimal hat die Breite des Kaders auf vielfältige Weise die zu beobachtende Leistungssteigerung einiger Beteiligter bewirkt.

Richtig Geld hat Allofs dabei nur für Ekici in die Hand genommen. In der Not hat er wieder sein Talent für die Kreativität des kleinen Mannes bewiesen, die ihn in den Jahren vor und unmittelbar nach der Meisterschaft ausgezeichnet hat.

Vom Werder-Willi zum Willi-Willi?

Sportlich ist die Mannschaft trotz allem zu sehr von Claudio Pizarro abhängig. Doch es zählt auch ein Umstand, der zu oft übersehen wird: Pizarro spielt bei Werder Bremen. Genauer, er hat dort den Großteil seiner Karriere verbracht. Und nicht in Hannover, oder Stuttgart, oder bei der Hertha.

Zieht man diese Bilanz, ist die Zerstrittenheit des Vereins also schwierig einzuordnen. Vor allem: was will Willi Lemke erreichen? Will er gar das Gespann Allofs/Schaaf zermürben, bevor die Ära Allofs/Schaaf die Ära Lemke/Rehhagel verblassen lässt? Ist aus dem Werder-Willi ein Willi-Willi geworden?

Spekulation, ein böser Verdacht. Doch mächtige Männer sind erstaunlich oft bei Sandkasten-Spielen zu beobachten – sonst wären sie keine mächtigen Männer geworden.

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Weiter, immer weiter

von Johan Petersen am 29. Oktober 2011

Johan Petersen hat gekündigt. In Großkonzernen mit ihren zehntausenden Führungsspielern, Staubsaugern und Ballkünstlern braucht’s zuviel: Taktik.

Aber eigentlich geht es um Freiheit. Sie ist nicht unbezahlbar, man muss sie sich nur leisten wollen: der tägliche Sonnenuntergang am Weserstrand akzeptiert auch Opportunitätskosten, nicht nur die Kreditkarte im Hotel hinter den Dünen.

Als erstes also ein neues Blog aufgesetzt: ballverlust.net – taktik und theorie im fußball. Dort gibt es ab diesem Wochenende das, was ich hier in den letzten zwei Jahren geboten habe. Spiel- und Toranalysen, ergänzt durch theoretischen Hintergrund. Eine gründliche EM-Vorbereitung. Vielleicht ein bisschen weniger Bundesliga, und mehr internationalen Fußball. Mal sehen. Andere, noch verwegenere Projekte sind in Vorbereitung.

Diese Seite bleibt erstmal bestehen, wird aber ziemlich leer werden. Die Analysen von Werder-Spielen hat das neue Blog sofort verpflichtet. Es wird hier noch Vorberichte zu Werder-Spielen geben, wenn ich Lust habe, sowie Kommentare zu Spielern, Trainern, Aufsichtsratsvorsitzenden und was sonst noch so rund um den Verein kommentiert werden will.

An dieser Stelle wieder einmal Dank fürs Lesen und Kommentieren.

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Glatt rot

von Johan Petersen am 19. Oktober 2011

Ich will nicht, dass Nutzer dieser Seite Werbung für Flugtickets nach Peru oder solargetriebene Herzschrittmacher eingespielt bekommen, wenn sie sich das nächste Mal bei facebook einloggen, obwohl sie sich vor Besuch dieses blogs dort ausgelogt haben. Wer hier liest, geht den Zuckerberg nichts an. [click to continue…]

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Die Bühnen, auf denen Träume aufgeführt werden, brauchen keine Zuschauer: ein schmuckloser Garagenhof umgeben von Backsteinbauten reicht.

Niclas Füllkrug, 18-jähriger Stürmer bei Werder Bremen II, hat auf seiner facebook-Seite vor einigen Monaten ein Video mit einigen freestyle-Einlagen gepostet. Die Übersteiger am Anfang sind zum Aufwärmen, anschließend zeigt Füllkrug einige schicke Sachen mit dem Ball. Es lohnt sich.

Die trostlosen Bauten im Hintergrund legen das Bremer Ghetto Obervieland/Kattenturm als Schauplatz nahe. Dort befindet sich eine der Eliteschulen des Fussballs, das Gymnasium  Obervieland. Diese Eliteschulen bilden zusammen mit den Leistungszentren der Profi-Vereine eine von drei Säulen des DFB-Nachwuchsprogramms, das seit der erfolgreichen Verjüngung der Nationalmannschaft in aller Munde ist. Die beiden anderen Säulen sind das Talentförderprogramm des DFB und der Vereinsfussball mit seinen eigenen Förderprogrammen bzw. denen der Landesverbände.

Neun Spieler der deutschen WM-Mannschaft im letzten Sommer kommen von diesen Schulen. Die Bremer U17-Spieler Cimo Röcker und Levent Aycicek, die dieser Tage bei Werder zum ersten Mal bei den Profis auf dem Platz standen, ebenfalls.

Das Ende der Fußballspielkultur

Diese Elite-Schulen sind vermutlich nur die Spitze eines breiteren Trends, Bewegung von der Straße in die Schule zu bekommen. Experten sagen, dass die motorischen Fähigkeiten heutiger Kinder hinter denen früherer Generationen zurück bleiben – der öffentliche Raum wird immer steriler, das Freizeitverhalten ändert sich. Ergebnis: es wird nicht mehr genug in Hinterhöfen gekickt.

Ein Zitat von der homepage der Schule: „Während Heranwachsende noch vor 30 Jahren sportmotorische Fähigkeiten und Fertigkeiten z. B. über selbst inszenierte Spiele, sportliche Wettbewerbe und andere Formen sportlicher Betätigung ausbilden konnten, besteht dieses Übungs- und Erprobungsfeld beispielsweise durch den Wegfall der damals vor allem in den Städten verbreiteten Fußballspielkultur (Straßenfußball) nicht mehr. Dies führt zum Verlust der von Kindern selbst gestalteten Förderung von fußballerischem Talent, von Kreativität und Spielwitz. Mit unserem Angebot möchten wir auch den erforderlichen Raum bieten, die in den vergangenen Jahrzehnten entstandene Lern- und Erfahrungslücke zumindest teilweise zu schließen.“

Diese Fähigkeiten sind zunächst eher etwas für die Manege als den Platz – im echten Leben geschieht alles in sehr hohem Tempo und unter Druck von Gegenspielern. Einerseits. Andererseits helfen diese Fähigkeiten zweifellos bei der Verarbeitung von Bällen aller Art – wer im Zirkus auftreten kann, beherrscht auch die Grundtechniken überdurchschnittlich.

Zu sehen ist dies bei Lennart Thy, 19-jähriger Stürmer bei Werder Bremen I. Der Angreifer, der bei Werder zu Beginn der Saison Marko Arnautovic und Sandro Wagner in der Stürmer-Hierarchie zunächst hinter sich ließ, überzeugt vor allem mit seiner guten Ballverarbeitung, auch auf engem Raum und unter hohem Tempo – traditionell ein Defizit deutscher Stürmer.

Es bewegt sich noch mehr im Jugendfußball im Moment, angestoßen von Sammer. D-Jugendspieler begegnen sich ab dieser Saison nur noch zu neunt und auf einem verkürzten Spielfeld. Auch in der F- und E-Jugend geht der Trend dahin, die Anzahl der Spieler noch weiter zu verkleinern, um die Anzahl der Ballkontake pro Spieler oder Spielerin
zu erhöhen. Es geht in den ersten Jahren allein um Ballkontrolle und Technik – die erwirbt man nicht, wenn man alle fünf Minuten im über den Platz jagenden Rudel mal gegen den Ball treten darf. In der F-Jugend könnte man im Grunde vier gegen vier spielen.

Der DFB hat hier allerdings das Problem, dass die Landesverbände autonom sind. Der Norden hat die D-Jugend umgestellt, der Osten kaum und im Süden hängt man auch noch hinterher.

Menschliche Abfälle

International löst zur Zeit die Next Gen Series, einer Art Champions League für die U19, einigen Wirbel aus. Der Wettbewerb mit sechzehn Mannschaften wird von privaten arabischen Investoren zusammen mit einer englischen Agentur organisiert – ein neuer Höhepunkt der Kommerzialisierung des Fußballs und  auch in der Überbelastung der Nachwuchsspieler.

Befürworter behaupten, dass internationale Wettbewerbe die Jugend-Spieler weiter bringen. Der Hintergrund ist allerdings, dass Premier League-Vereine mit ihren Nachwuchsteams nur Freundschaftsspiele bestreiten, und daher heiß auf den Wettbewerb sind, der woanders die nationalen Spielpläne durcheinander bringt. Kritiker spekulieren auch, ob mit der Liga das Wettbewerbsverbot für in der Jugend transferierte Spieler umgangen werden soll, das zum Schutz vor Kinderhandel eingeführt worden ist.

Aus Deutschland nimmt ausgerechnet der VfL Wolfsburg teil, dessen Alleinherrscher Magath auch in dieser Transferperiode wieder gezeigt hat, dass er Spieler alleine als Funktionsteile seiner Mannschaft sieht. Er schleust seit Jahren Spieler im Dutzend durch seine Kader und schaut, wer haften bleibt. Die Abfälle müssen die Vereine dann nach ihm aufräumen und Verantwortung gegenüber jungen Menschen sieht auch anders aus.

Aber zum Beispiel dem DFB dämmert es inzwischen, dass hier private Unternehmen einen Wettbewerb außerhalb der Verbände betreiben, was viele rechtliche Fragen aufwirft.

Ich vermute, dass private Unternehmer hier einen Versuchsballon aufsteigen lassen. Es gibt wirtschaftlich betrachtet ein enormes Potential für privat organisierte Wettbewerbe.

Warum nicht ein Freundschaftsspiel zwischen Brasilien und Italien in New York? Wenn sich Millarden Fans in Asien befinden, warum spielen englische Vereine zu unmöglichen Uhrzeiten in England? Nationale Frauen-Ligen interessieren niemanden, warum also nur alle vier Jahre eine WM? Warum nicht stattdessen regelmäßige Viernationen-Turniere veranstalten, in verschiedenen Teilen der Welt? Die Welt wächst zusammen mitsamt ihren Produkten, nur der Fußball spielt immer noch in veralteten Strukturen aus der Zeit vor der Globalisierung.

Ich kann am Tag vier Fußball-Spiele schauen, ohne dass mir langweilig wird. Warum kann ich eigentlich nicht eine Woche Urlaub am Stück im Stadion verbringen, in einer schönen Stadt wie London oder Paris mit mehreren Arenen? Warum muss ich mich alle zwei Wochen mit neunzig Minuten Fußball begnügen, gegen immer die gleichen Gegner?

Man könnte ganze Festivals schaffen, in Ballungszentren mit zahlungskräftigen Fans; eine Woche voll mit Fußball: nachmittags Jugend-Nationalmannschaften für den Blick in die Zukunft, abends Vereinsmannschaften. Man kann die heißesten Derbys der Welt an einen Ort bringen – Zamalek gegen Ahli, Dortmund gegen Schalke, Celtic gegen die Rangers. Man kann pubertäre U17-Vereinsmannschaften gegen Frauen-Nationalmannschaften antreten lassen und schauen, was für Zweikämpfe und Ergebnisse dabei heraus springen. Wohin ist der Gladiatoren-Geist des Alten Rom verschwunden, das Menschen gegen Tiere hat antreten lassen? Wir wollen Spiele, Spiele, Spiele. Und am Samstagabend tritt dann Barcelona gegen Real an.

Besser als jede Woche am Strand.

Entwurzelter Spielbetrieb

Wenn man einmal außerhalb der durch nationale Ligen,Verbandsstrukturen und Auf- und Abstiege gesetzten Grenzen zu denken beginnt, sind die Möglichkeiten unendlich. Globale Geschäfte-Macher werden an diesen Strukturen in Zukunft kräftig rütteln, um den Fußball zu entwurzeln.

Ich hoffe, dass träge Verbände wie DFB und UEFA dem einen Riegel vorschieben, und es bei Marketing-Reisen der Top-Teams nach Asien und in die USA während der Vorbereitung bleibt. Verbände wollen vor allem ihre eigenen Marken schützen, aber als Nebenprodukt würden sie die grassierende und nicht aufzuhaltende Kommerzialisierung des Fußballs verlangsamen.

Es gibt ein tolles deutsches Wort, das Spiel und deutsche Verwaltungsgründlichkeit vereint: Spielbetrieb. Langweiliger als Fußball-Festivals, aber er findet Woche für Woche bei den Fans statt und Tausende ehrenamtliche Funktionäre in den Verbänden organisieren ihn, nicht Geschäftemacher aus anderen Teilen der Welt.

Der Fußball sollte im Hinterhof um die Ecke zu Hause bleiben. Zahlendes Publikum kann ausgesperrt bleiben, bis die Träume im Stadion Realität geworden sind.

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Was Dietmar Hopp von Tim Wiese lernen sollte

von Johan Petersen am 21. August 2011

Weiß einer, ob von den Sympathien, die sich Hoffenheim im ersten Bundesliga-Jahr mit seinem tollen Fußball erspielt hat, eigentlich noch etwas übrig ist? Wenn ja, dann hat die Fiepton-Affäre die letzten Reste gründlich und für lange Zeit beseitigt. [click to continue…]

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Spielkultur vs Siegermentalität?

von Johan Petersen am 12. Juni 2011

Ich war schon immer fasziniert davon, wie sich über Spielergenerationen hinweg die Eigenschaften von Mannschaften und Vereinen fortpflanzen.

Es ist egal, wer bei Portugal auf dem Platz steht: nach der Vorrunde haben sie den Pokal gewonnen und in der nächsten Runde fliegen sie hochkant raus. Den Spielern fehlt die nötige mentale Stabilität und die Fähigkeit, sich im gesamten Turnier-Verlauf in den richtigen Momenten zu konzentrieren. Deutschland hingegen war vor fünfzig Jahren eine Turniermannschaft, und ist es auch heute noch. [click to continue…]

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Der Fußball braucht eine neue FIFA

von Johan Petersen am 27. Mai 2011

Es gab Robert Hoyzer, Carsten Ramelow und in dieser Rückrunde Christoph Daum. Doch das Schlimmste, das dem Fußball je passiert ist, bleibt die FIFA.

Dem Schlammkampf zwischen bin Hammam und Blatter wird hierzulande zu wenig Bedeutung beigemessen. Das Gute an diesen Sandkastenspielchen ist, dass die Korruption ans Tageslicht befördert wird – beide Seiten füttern die Presse mit dem Dreck, der in harmonischen Verbänden in der Familie bleibt.

Einen guten Überblick gibt es wie immer bei jensweinreich.de (auch wenn die englische Presse-Schau etwas redundant ist).

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Platzverweis

von Johan Petersen am 14. Mai 2011

Johan Petersen ist vom Platz gestellt wurden. Nicht überall in der Welt gelten die gleichen Spielregeln. Man könnte auch sagen: er hat den Schiedsrichter, der lange Geduld mit ihm hatte, am Ende doch einmal zu oft umgegrätscht.

Damit steht jetzt ein Umzug an, noch einige Zeitzonen weiter weg vom Weserstadion. Die Saison-Aufbereitung muss etwas warten und der fußballfreie Sommer könnte hier leider genau das sein.

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Fußballfreie Fußball-Berichterstattung in der FAZ

von Johan Petersen am 15. April 2011

Ein Schmankerl aus der Serie, warum wir keinen Fußball-Journalismus mehr brauchen: weil er nicht von Fußball handelt.

In diesem FAZ-Artikel über die neue Nummer 1 im Gladbacher Kasten geht es um: einen Opa, humba humba täterä, und ein Eigentor in der Pampersliga.

Das Torwartspiel ter Stegens, seine Stärken und Schwächen, werden mit keinem Wort erwähnt.

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Die WM-Vergabe: wenn das Geld in der Familie bleibt

von Johan Petersen am 2. Dezember 2010

Die FIFA hat die WM an einen autoritären, mafiösen Staat und eine sklerotische Herrscher-Familie vergeben.

Wie es um Russland steht, ist bekannt. Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Umweltschutz fehlen in einem Maße, dass sich dieser Staat nicht in einem so positiv aufgeladenen Ereignis sonnen darf.

Katar hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt, dank seiner Gasvorkommen. Es ist ein kleines, verwundbares Land in einer spannungsgeladenen Region. Es hat daher eine kreative Strategie entwickelt, um seine Sicherheit global zu gewährleisten. Es hat sich in westliche Unternehmen eingekauft (z. B. Volkswagen, dessen Tochter Audi ein wichtiger Fußball-Sponsor ist), und wichtiger Teil dieser Strategie ist es seit Anfang der 2000er, internationale Sportereignisse auszurichten. Zunächst Wasser- und Motorsport, dann die Asien-Spiele 2006 und nun die WM 2022.

Es gibt 200,000 bis 300,000 Kataris. Politisch ist das Land gleich zu setzen mit der herrschenden Thani-Familie, die Wirtschaft und Politik kontrolliert und wie die anderen Familien am Golf das Land nach Gutsherrenart regiert. Die Familie pflanzt sich gemäß der regionalen Stammes-Mentalität am Golf zu großen Teilen nur untereinander fort, damit Macht und Geld in der Familie bleiben. Dieser Satz gilt uneingeschränkt auch für die FIFA.

Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und freie Medien gibt es in Katar nicht. Die Stadien in Katar werden von asiatischen Gastarbeitern aus Indien, Pakistan und Philippinen gebaut werden, deren heutige Situation am Golf an eine Sklaven-Gesellschaft erinnert. Man kann nur hoffen, dass die Medien-Aufmerksamkeit vor der WM ihre Situation verbessern wird. Westliche Großkonzerne wie Hochtief, das in Katar bereits sehr aktiv ist, werden sich hingegen freuen.

Die Golfstaaten haben den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Kohlendioxid der Welt. Ein Großereignis wie die WM wird die Umweltbilanz der Region nicht verbessern. Alle Fans reisen mit dem Flugzeug an.

Warum ist das passiert? Warum sind die europäischen Demokratien leer ausgegangen? Ich weiß es nicht. Vergessen wir nicht, dass der katarische Fußball-Funktionär Mohammed Bin Hamman lange für Blatter Mehrheiten in Afrika und Asien organisiert hat (wobei sie sich zuletzt zerstritten haben).

Die FIFA hat aus der WM ein Produkt gemacht. Ob man es kaufen kann, weiß ich nicht. Autokratie und Korruption sind untrennbar miteinander verbunden, das eine funktioniert nicht ohne das andere. jens weinreich ist zu Korruption im Sport die größte Kapazität im deutschsprachigen Raum.

Was ich weiß: Die FIFA bleibt das größte Problem des Fußballs.

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