von Johan Petersen am 26. November 2010
Wir waren bei den Spurs Außenseiter, und es ging glimpflich aus. Einerseits. Andererseits hatte ich von dem Spiel irgendwie einen psychologischen Schub erhofft, durch eine geschlossene Mannschaftsleistung, die den Gegner vor Probleme stellt. Das war es leider auch nicht. [click to continue…]
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von Johan Petersen am 2. November 2010
Neues Spiel, neues Glück. Schaaf würfelte wieder, und aus dem Becher fiel wunderliches.
Frings spielte Innenverteidiger, Prödl rechts. In der Raute spielte Jensen die Sechs und Marin die Zehn, dazu Hunt und Bargfrede. Twente spielte das 4-3-3 aus dem Hinspiel. [click to continue…]
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Nachbetrachtung
von Johan Petersen am 20. Oktober 2010
Der eine Marko macht im Moment zu viel mit Ball falsch, der andere überzeugt nicht ohne Ball – folgerichtig saßen Marin und Arnautovic auf der Bank.
Schaaf entschied sich aber nicht für die Raute, sondern für ein 4-4-2, mit Bargfrede und Frings vor der Abwehr, Wesley rechts und Hunt links. Vorne Hugo und Pizarro, der sich bei Ballbesitz wie gegen Freiburg etwas fallen ließ, um eine zusätzliche Anspielstation zu haben und um das Spiel kreativer zu machen. [click to continue…]
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von Johan Petersen am 29. September 2010
Wenn auch noch der Stürmer, der gar nicht die Aufgabe hat, Tore zu schießen, Tore schießt, dann gibt es: ein Debakel.
Schaaf begann in einem 4-5-1 mit Bargfrede und Jensen vor der Abwehr, Borowski hinter der einzigen Spitze Almeida und Marin über rechts bzw. Arnautovic über links. Wesley spielte rechts in der Viererkette. Bei Inter spielte Sneijder hinter der Spitze Eto’o, Coutinho kam über links und Biabiany über rechts.

Wie verteidigen, wenn es keine Stürmer mehr gibt? Auf diese Frage hat Werder gegen Inter keine Antwort gefunden: Inter war immer gefährlich, wenn Eto’o kurz angespielt wurde, und damit Räume für Sneijder, die beiden Außen oder sich selber schuf. Werder gelang es weder, die vertikalen Anspiele auf ihn zu unterbinden, noch ihn im Raum zwischen den Innenverteidigern und den beiden Sechsern an der Ballannahme zu hindern. Bargfrede hätte tiefer spielen müssen, als er es aus der Bundesliga gewohnt ist. Prödl ließ sich beim zweiten und dritten Tor zu weit von Eto’o rauslocken – das macht er gerne.
An dieser Stelle haben wir eine Vorlesung im Fach moderner Fußball gehört. [click to continue…]
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von Johan Petersen am 15. September 2010
Ein Spiel, in dem Bayern zunächst die Vorteile des 4-5-1 gegenüber einem klassischen 4-4-2 nicht ausnutzen konnte, und am Ende den Gegner mit seinem eigenen System schlug.
Im Vergleich zum Spiel gegen uns steigerte sich Bayern deutlich in der Spieleröffnung und im Passspiel. Da die beiden römischen Spitzen schlechtes Pressing spielten, konnten die Innenverteidiger vor allem in der ersten Viertelstunde immer wieder vertikal auf Schweinsteiger und van Bommel spielen. Da diese Pässe das Mittelfeld Roms zunächst im Zentrum hielten, war es ein Leichtes, anschließend Altintop und Müller auf den Flügeln in aussichtsreichen Positionen frei zu spielen.
Im letzten Spielfelddrittel haperte es allerdings. Altintop wurde gefühlte fünfzig Mal frei gespielt – ohne Ertrag. Er zog zu oft und zu berechenbar in die Mitte, und wurde von Contento zu wenig unterstützt. Nicht einmal wurde ihm von Altintop nach dem Überlappen zum Flanken aufgelegt.

Bei allen Qualitäten am Ball: Kroos zeigt nicht das Spiel ohne Ball von Özil, Hunt oder Müller. Manchmal holte er sich tief Bälle ab, aber meistens wartete er vor Olic, auf das, was sich die beiden Sechser einfielen ließen. Eine solche Nähe zur einzigen Spitze macht mehr Sinn, wenn die gegnerische Viererkette nicht so tief steht. So hätte er häufiger auf die Flügel ausweichen müssen, um Altintop und Müller eine Anspielstation vor sich zu geben.
Gab es doch Flanken, fehlte im Zentrum ein kopfballstarker Abnehmer.
Rom machte es sich zunehmend am eigenen Straufram gemütlich und begnügte sich mit knapp über einem Drittel Ballbesitz.
Zur Pause – und damit angesichts der Monotonie der ersten Halbzeit sehr spät – versuchte van Gaal mit zwei Maßnahmen den Mangel an Kreativität und Variabilität abzustellen: Müller wechselte mit Altintop die Seiten, und Schweinsteiger spielte deutlich weiter vorne, während van Bommel eine tiefer liegende Rolle übernahm – die übliche Arbeitsteilung einer Doppel-Sechs, die in der ersten Halbzeit fehlte.
Müller applaudiert, und trifft
So entwickelte Bayern prompt mehr Druck. Müller hat das Zeug zum Weltstar, aber in seinem zweitem Profijahr muss er nun ans Toreschießen ran. Dass er Julio Sergio nach seinem Reflex applaudierte, ehrt ihn.
Da Rom weiterhin sehr tief stand, teilweise mit neun Mann am eigenen Strafraum, brachte van Gaal mit Klose und Gomez mehr Wucht und Kopfballstärke ins Sturmzentrum, und stellte auf 4-4-2 um. Müller wechselte zurück auf rechts, Kroos ging auf links.
Erst zwölf Minuten vor Schlus gelang zum ersten Mal, was gegen einen so tiefen Gegner all fünf Minuten geschehen sollte: Flanke (Kroos), Kopfball (Klose), Pfosten. Anschließend fiel das 1:0, indem Müller aus unmöglichem Winkel einen zweiten Ball ins Tor stakste.
Im Fußball geht es um Erfolge, nicht um Schönheit (als Werder-Fan habe ich mit dieser Haltung offensichtlich eine gespaltene Persönlichkeit), aber trotzdem war ich froh, dass sich die renitente Defensiv-Strategie Roms nicht gelohnt hat. Sie haben van Gaal sehr viel Zeit gegeben, das Spiel zu studieren, und so konnte er sich in drei Schritten der Formation annähern, die am Ende den Erfolg brachte.
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von Johan Petersen am 14. September 2010
Dass dieser Kader wegen seiner Spielertypen viel puzzlen erfordern würde, war vor der Saison klar. Aber an diesem Abend hat offensichtlich jemand die Teile aus den Puzzle-Kästen (für Fortgeschrittene) „Raute“ und „4-5-1“ zusammen geschüttet, denn Schaaf hat daneben gegriffen, wie selten in seiner Laufbahn. In der ersten halben Stunde passte kein Teil zum anderen. Vor allem die vorgezogene Rolle Bales auf dem linken Flügel schien Schaaf überrascht zu haben.
In unserer Raute spielte Marin wieder hinter den Spitzen (obwohl das Spiel gegen Köln eigentlich gezeigt hat, dass er kein Spielmacher ist). Die Spurs traten in einer Art 4-5-1 an, in dem van der Vaart sich immer wieder tief fallen ließ, so dass sie oft Überzahl im Mittelfeld hatten. Da auch Almeida und Arnautovic nicht ausreichend am Pressing teilnahmen, konnte der Gegner immer wieder ungestört die brandgefährlichen Bälle auf den pfeilschnellen Bale spielen – Fritz konnte so wenig ausrichten.

Neben den Nachteilen im System fehlte es bei uns im gesamten Mittelfeld an Passgenauigkeit. Wesley blieb ein Fremdkörper, Marin konnte sich nur manchmal am Flügel in Szene setzen. Die Spurs machten einen insgesamt fitteren und konzentrierteren Eindruck.
Nach dem Gegentor brach die Ordnung phasenweise zusammen – Frings rannte weit nach vorne, so dass für die Innenverteidiger keine vertikalen Pässe als Spieleröffnung möglich waren (Prödl hat sich mehrmals gestenreich beschwert). Da die Anspiele fehlten, konnte sich Fritz nicht am Spiel nach vorne beteiligen, was wiederum Bale weiter hinten gebunden hätte.
Vier gegen Fünf im eigenen Strafraum
Das 0:2 war bereits das zweite Tor in dieser Saison (nach dem 2:1 gegen Köln) im Anschluss an eine Standardsituation, weil wir zu früh aus dem Verhalten bei Standards in das Verhalten bei normalem Spiel umgeschaltet haben. Pasanen hätte es im Duell mit Crouch immer schwer gehabt, aber bei der Flanke von van der Vaart waren fünf Gegner im Strafraum bei vier Verteidigern (wenn ich das richtig überblick habe).
Schaaf hat seinen Fehler nach einer halben Stunde korrigiert, und Hunt gebracht. Es war mir von Anfang an ein Rätsel, warum er ihn auf der Bank gelassen hat. Seine Ballsicherheit und Passgenauigkeit haben unser Spiel sofort stabilisiert. Auch das System stellte Schaaf auf ein 4-5-1 um; Marin bekam die Rolle auf dem linken Flügel, die für ihn am besten ist, während Arnautovic über rechts kam. Mit der Doppel-Sechs aus Wesley und Frings wurde unsere Ordnung ausgewogener und Bale bekam bis zur Pause keinen Ball mehr.
Almeida rechtfertige seine Aufstellung dieses Mal, indem er das 1:2 köpfte und auch das zweite Tor vorbereitete, als Prödl wieder einmal einen langen Ball spielen musste, den Hugo gewann.
Zweite Halbzeit: dem Sieg näher
Die zweite Halbzeit war wie die letzte Viertelstunde der ersten sehr viel besser, Tottenham kam nur noch in der Schlussphase zwei Mal gefährlich vor unser Tor, während wir das Spiel machten. Aber auch in der zweiten Halbzeit gab es keinerlei Abstimmung zwischen Frings und Wesley, die beide oft zu weit aufrückten. Zum Glück konnte Tottenham das nicht ausnutzen, weil van der Vaart früh raus musste. Mit der Hereinnahme von Borowski wurde die Ordnung in dieser Hinsicht auch wieder schlagartig besser.
Wegen der vielen Ideen von Hunt und Marin waren wir dem Siegtreffer näher als die Spurs. Auf rechts hatte Arnautovic allerdings fast keine Bindung zum Spiel, und driftete daher oft in die Mitte. Er war zwar oft anspielbar, aber mit Ball schien er dann oft nicht zu wissen, wie es weiter gehen sollte.
Zwei Puzzle-Teile gehören für mich nach diesem Spiel für den Rest der Saison aussortiert: Hunt auf der Bank und Marin irgendwo anders als links auf dem Flügel.
Wo Wesley hinpasst, muss man noch sehen. Borowski war auf jeden Fall stärker (in einem dann insgesamt besser funktionierendem Team), auch weil er vor dem gegnerischen Strafraum viele zunächst verlorene Bälle wieder abgefangen hat.
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von Johan Petersen am 14. September 2010
Gegen die Bayern zeigten wir für unsere Verhältnisse wenig Struktur und Spielfluss. Das lag zum Einen daran, dass Bayern eben eine gut geordnete Spitzenmannschaft ist, die vorne zudem noch viele laufstarke Spieler hat, die gut pressen. Zum anderen war unsere Offensive völlig neu zusammen gesetzt.
Wesley ist ein laufstarker Spieler, der ideal eine Position zwischen Offensive und Defensive ausfüllen kann – die Halbposition in der Raute oder den offensiveren Part in einer Doppel-Sechs vor der Abwehr. Hinter einer Spitze in einem 4-5-1 hingegen geht es darum, im wesentlichen die Position zu halten, um im richtigen Moment in vertikalen Passwegen anspielbar zu sein, oder im Zusammenspiel mit der Spitze durch die gegnerische Viererkette zu schleichen.
van der Vaart ist ein Spieler, der genau das kann. Pasanen und Prödl stehen in dieser Form Naldo und Mertesacker in nichts nach, aber gegen den langen Crouch hätten sie es leichter. Manchmal ist es besser, ihm den ersten Kontakt zu erlauben, und ihm dann vor dem zweiten den Ball abzunehmen (von flachen Anspielen abgesehen).
Die Spurs werden mit Raute oder in einem 4-5-1 antreten, und sie werden bei Standards gefährlich sein.
Solange Twente nicht überrascht, geht es für uns um Platz zwei oder drei. Da ist Tottenham unser Hauptkonkurrent, und daher haben wir heute ein kleines Endspiel vor uns.
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von Johan Petersen am 25. August 2010
Warum sind wir nicht ausgeschieden? Weil die individuelle Klasse von Pizarro und Marin Aufstellungsfehler und Abwehrschwächen kompensiert hat, nicht weil wir in irgendeiner Form Bundesliga- oder gar Champions-League-Niveau unter Beweis gestellt hätten.
Werder begann in einem 4-5-1, in dem Pizarro hinter der Spitze Wagner spielte und Borowski rechts. Damit hat Schaaf keine Lehren aus dem Pokal-Finale gezogen, in dem Borowski bereits unter Beweis gestellt hat, dass er bei allen anderen Qualitäten kein Flügel-Spieler ist. Arnautovic, der bisher in jedem Spiel agressiv nach hinten gearbeitet hat und auch vor dem 3:1 den Ball an der eigenen Eckfahne erobert hat, wäre eindeutig die bessere Wahl gewesen.
Im Hinspiel war das weiträumige Spiel ohne Ball von Hunt der entscheidende Faktor, und er ist nicht zu ersetzen; auch nicht von Pizarro, dessen Laufwege nicht das Profil haben, das diese Position braucht.
Genua versuchte, mit weiten Flügelwechseln ihre offensiven Mittelfeldspieler einzusetzen und so unsere formelle Überzahl im Mittelfeld zu umgehen. Mit wechselndem Erfolg, dennoch führten Standards und Flanken zum frühen 2:0.
Über 180 Minuten betrachtet waren unsere Abwehrspieler minus Fritz mit der Gerissenheit und Beweglichkeit von Cassano und Pazzini überfordert.
Exkurs zur Kader-Politik: Schaaf und Allofs sind wohl die einzigen, die unsere Abwehr-Probleme gegen Genua und Hoffenheim überrascht haben. Lange vor der Verletzung von Naldo, und spätestens seit den schwachen Leistungen von Mertesacker bei der WM, war klar, dass es an Qualität und Alternativen fehlt.
Allofs glaubt an Boenisch, verpflichtet daher keinen echten Konkurrenten. Und it er nicht stark genug, um Pasanen zu verdrängen? Das passt nicht. Es passt auch nicht, Wesley zu kaufen, nur weil er zu einem guten Preis auf dem Markt ist, obwohl wir in unserem Kader woanders Bedarf haben. Es nützt nichts, zehn Stürmer zu kaufen, weil andere Scouts die alle übersehen haben, wenn die Probleme woanders liegen.
Schaaf muss an die Erbhöfe im Kader ran. Frings und Mertesacker dürfen nicht länger in der ersten Elf stehen, nur weil sie Frings und Mertesacker heißen. Das Leistungsprinzip muss für alle gelten.
Zurück zum Spiel: Nach dem Schock der beiden Tore war es ein Spiel ohne große Torchancen, in dem Werder sukzessive mehr Spielanteile bekam. Das 3:0 änderte nichts am Umstand, dass wir noch ein Tor schießen mussten, und das hat Rosenberg mit seinen alten Klasse besorgt. In der Verlängerung bekam Genua unseren linken Flügel mit Marin nicht in den Griff, und überhaupt hatten sie nicht mehr die Disziplin und die Kraft, die Räume im Mittelfeld zu schließen. Sehr oft konnten wir vertikale Pässe durch ihre Reihen spielen, so dass das Tor eine Frage der Zeit war.
Genua war kein guter Gegner. Trotz der Führung haben sie nicht ein einziges Mal viel versprechend gekontert. Hinter den Spitzen beginnt bereits der Durchschnitt der Serie A. Mit Cassano und Pazinni war Genua ein Straßenkind, das mit seiner Gerissenheit und seinem Witz bei den schönen Mädchen aus den reichen Vierteln vorübergehend Eindruck macht, aber mit den gepflegten Konversationen der Abiturienten dann doch nicht mithalten kann.
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von Johan Petersen am 19. August 2010
Gute Angreifer sind in Wirklichkeit Judoka. Schlägt ein Gegner mit einem wilden Faustschlag zu, nehmen sie seine Bewegung auf, und verwandeln sie in Energie, mit der sie den Gegner auf die Matte legen. Mit der sie sich einen Bewegungsvorsprung erarbeiten, um in der Sportart zu bleiben. Dazu muss man Schlitzohr sein, und Pizarro ist ein anderes Wort für Schlitzohr.
Er hat sich beschwert. Zumindest stand hier und da geschrieben, dass er gerne eine zweite Spitze neben sich hätte. Beziehungsweise vor sich, denn Pizarro ist bei allen Strafraumqualitäten ein umtriebiger Stürmer, der sich gerne aus der Abwehr fallen lässt, und dann weiter vorne noch eine Anspielstation braucht: die öffnet ihm Räume, in denen er besser Judoka sein kann.
Schaaf hat ihn erhört, aber das Schlitzohr hat das ganze gegen Genua dann auch gleich bildlich dargestellt.
Der Spielzug: Bei einem Gegenangriff direkt nach dem 2:0 setzt sich Pizarro (24) von der Kette ab, um Fritz (8) eine Anspielstation zu bieten (wie bereits vor seinem Tor im Pokal gegen Ahlen). Er bekommt den Ball, und spielt einen Doppelpass mit Fritz. Genuas Mittelfeld steht fataler Weise auf einer Höhe (blaue Linie) und deswegen kommt Pizarro in den sehr gefährlichen Raum zwischen Mittelfeld und Kette.

Der Innenverteidiger (6) gibt seine Position auf und greift Pizarro an (roter Laufweg). So steht es im Lehrbuch, aber es ist eine tödliche Aktion, denn Almeida (23) besetzt den entstandenen Raum. Wenn ein Abwehrspieler seine Position hier aufgibt, wird er sie nie wieder sehen. Er verabschiedet sich von seinen Liebsten und zieht ins letzte Gefecht.
Der Torabschluss: Pizarro übertölpelt den Verteidiger, indem er sich den Ball direkt an ihm vorbei legt. So nutzt er dessen Bewegung auf ihn zu aus wie ein Judokämpfer den Faustschlag: er kann sofort hinter gehen, und hat großen Bewegungsvorsprung, als er den von Almeida mit der Hacke vorgelegten Ball erreicht. Die Abwehrspieler müssen sich schließlich drehen, und er läuft allen auf einmal in den Strafraum davon.

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von Johan Petersen am 18. August 2010
Ich weiß nicht, was schöner war: die Hymne zu hören oder die Raute in ihrer alten Pracht zu sehen. Gehören nicht beide zusammen?
Wir hatten zunächst deswegen lange Probleme im Spielaufbau, weil sich die beiden Spitzen Genuas darauf konzentrierten, Frings als 6er in ihrem Rücken zuzustellen. Damit fielen vertikale Pässe der Innenverteidiger als beste Variante der Spieleröffnung aus, und es ging über die Außenverteidiger, vor allem Fritz. Wurde aber der äußere Mittelfeldspieler des 4-4-2 Genuas überspielt, hatte Werder wegen der Flexibilität der Raute und der weiten Wege Hunts Überzahl im Zentrum. Außerdem folgten Cassano und Pazzini Frings nicht mehr, wenn er einmal überspielt war – so konnte der Ball dann auf ihn zurück gelegt werden.

Leider haben wir diesen Vorteil nicht ausgenutzt, weil unserem Passspiel im Mittelfeld Genauigkeit und Tempo fehlte. Somit erspielten wir uns in der ersten Halbzeit wenig Torraumszenen; Fernschüsse waren unser gefährlichstes Mittel.
Genua war nur auf zweierlei Weise gefährlich: wenn Mertesacker und Prödl Kopfballduelle bei langen Bällen verloren (wie gegen Ahlen, und die kleineren Cassano und Pazzini haben eine Geschicklichkeit im Zweikampf gezeigt, wie ich sie selten gesehen habe), oder wenn sich Cassano bei Ballgewinn Genuas von unserer Kette und Pazzini absetzte, beim Umschalten als Anspielstation diente und dann wieder Mitspieler einsetzte.
Das Tor hat das Spiel zu unseren Gunsten geöffnet und Genua etwas die Ordnung genommen. Die Kombination Elfmeter-Platzverweis ist bereits unschlagbar, um dem Gegner das Genick zu brechen, und das 3:0 folgte als zusätzliche Guillotine.
Aber: Mertesacker hat leider seine WM-Form konserviert. Gegen Pazzini und Cassano hat er sich zu lange darauf verlassen, Kopfballduelle durch Rüberlehnen zu gewinnen; als ihm vor dem 3:1 Pazzini den Körperkontakt verweigerte, war er so orientierungslos wie eine Motte, der man die Leuchstoffröhre ausgeknipst hat.
Nun mag das Gegentor genau der Stachel in unserer Bequemlichkeit gewesen sein, den wir für das Rückspiel brauchen. International sind wir auswärts stark, und Almeida wird der Raum im Rückspiel gut tun. Heute war er leider kaum im Spiel, weil es weder lange Bälle noch gute Flanken gab.
Ein Freund, der wegen unseres tollen Fußballs innen drin gerne Werder-Fan wäre, aber es wegen angeborener Loyalitäten nicht sein kann (für welchen Fan gilt das nicht außerhalb Bayerns?), hat mir nach dem Hackendoppelpass Pizarro/Almeida folgendes geschrieben, und damit den Abend unschlagbar zusammen gefasst:
„Ihr seid auch ohne Özil geil.“
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