Leider liegt noch ein ganzes Wochenende zwischen uns und dem Spiel. Immerhin ist damit Zeit, sich mit einer kleinen Auswertung unserer Vorrunde gründlicher als sonst auf das Spiel vorzubereiten.
Die bisherigen Spiele haben gezeigt, dass man gegen uns am besten in einem 4-1-4-1 spielt.
Am wichtigsten ist, dass Özil keinen Raum zwischen den 6ern und den Innenverteidigern bekommt. Wie hier dargestellt, spielt also der zentrale 6er (6) immer zwischen Özil und dem eigenen Tor. Zwei weitere zentrale Mittelfeldspieler (8) (7) pressen gegen Schweinsteiger und Khedira. Eine Spitze (9) pendelt zwischen Mertesacker und Friedrich, während die Flügelspieler (10) (11) die schwierigere Aufgabe haben, sowohl unsere Außenverteidiger (Lahm eher als Badstuber, Boateng etc.) als auch Podolski bzw. Müller unter Druck zu setzen – und sie müssen die Passwege zwischen den Innenverteidigern und unseren Flügelspielern zustellen.

Denn die Schwachstelle hier ist, dass Müller und Podolski nur schwer unmittelbar zu decken sind (weiße Flächen). Es geht darum, zügig und geschlossen auf den jeweiligen Flügel zu verschieben, bevor der Ball dort ankommt.
Deutschland kann zwei Mittel dagegen setzen. Eine Spieleröffnung über die drei zentralen Mittelfeldspieler mit vertikalen Flachpässen (schwarze Pfeile). Denn je länger der Ball im Zentrum bleibt, desto später weiß der Gegner, auf welchen Flügel er verschieben muss. Pässe vom Innenverteidiger auf den Außenverteidiger sind also tabu. (Für mich das Geheimnis von Werders spielerischer Qualität unter Thomas Schaaf, aber man braucht dazu auch die Spieler, die den Ball unter Druck zum Spielfeld hin mitnehmen können.)
Dazu kann Özil auf den jeweiligen Flügel kommen, um Überzahl herzustellen.
Die zweite Möglichkeit: den Gegner durch Querpässe bis hin zum Außenverteidiger auf eine Seite locken, und dann mit langen Bällen blitzschnell das Spiel verlagern. Gegen Ghana hat das überhaupt nicht funktioniert, und es ist auch prinzipiell die schlechtere Alternative (weißer Pfeil).
Ein 4-2-3-1 funktioniert ähnlich gut, wobei einer der beiden 6er relativ tief stehen muss, und dazu die Abstimmung zwischen beiden sehr gut sein muss.
Ein klassisches 4-4-2 hingegen – wie England es spielt – hat Probleme gegen unser 4-2-3-1, weil es unseren drei zentralen Mittelfeldspielern nur zwei entgegen setzt.
Dabei hat den Engländern die Rückkehr von Barry bereits gut getan, weil die Abstimmung zwischen Gerrard und Lampard im ersten Spiel gegen die USA nicht funktioniert hat. Aber wenn Capello nicht umstellt, könnte Özil die Freiräume haben, die uns die Viertelfinale bringen (weiße Fläche):

Die Abwehr um Terry im Verbund mit den defensiven Mittelfeldspielern ist die Schwachstelle. Wir sollten sie mit unserem flexiblen Angriffsspiel immer wieder durchbrechen können. Rooney ist im letzten Spiel der Vorrunde gegen Slowenien aufgetaut ist und hatte einige gute Ideen – hoffentlich steigert sich Mertesacker und verbessert das Zusammenspiel mit Lahm.
Kroos für Schweinsteiger ist eine große Schwächung. Ich erwarte, dass Khedira die tiefere Rolle von Schweinsteiger übernimmt, und Kroos stattdessen ab und zu mit aufrückt. Kroos hat ohne Frage die spielerischen Qualitäten für diese Position, aber diese Vorstöße erfordern gute Abstimmung und viel Erfahrung, zumal er mit Lampard auf einen Top-Spieler und alten Hasen trifft. Wenn ich mich nicht täusche ,hat er diese Position im Verein noch nie gespielt. Immerhin bringt er hoffentlich bessere Standards mit sich.
Vorne erwarte ich Klose anstelle von Cacau. Er verschafft Özil mehr Platz, u.a. weil man ihn auch über die Viererkette hinweg anspielen kann – eine wichtige Option, wenn der Gegner wie oben beschrieben unseren Spielaufbau lahm legt. Gegen Ghana stand sie nicht zur Verfügung. Außerdem kann man mit Klose überraschende Flanken aus dem Halbfeld schlagen, die wie gegen Australien fast aus dem Nichts zu Toren führen.
Wer hinten links spielt, spielt diesen beiden Veränderungen gegenüber eine weniger große Rolle – wobei Milner wie gesehen gute Flanken schlagen kann.
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