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Deutschland

Nicht mehr getan als nötig.

Österreich spielte im 4-4-2 – Harnik hatte einen größeren Radius als Hoffer, der eher das Zentrum hielt. Bei Deutschland spielten Kroos und Khedira vor der Abwehr.

Österreich zog sich in die eigene Hälfte zurück, um zu kontern. Deutschland versuchte, über das Dreieck Khedira-Kroos-Özil vertikal nach vorne zu passen, und Österreich übte im Zentrum zu wenig Druck auf den Ball aus. Baumgartlinger und Kulovits wurden zwar im Zentrum von Harnik unterstützt, aber Deutschland kam trotzdem zu Chancen – die beste ergab sich, als Özil ein Anspiel zentral vor dem Tor direkt zu Gomez weiter leitete, der aber im eins gegen eins gegen den Torhüter scheiterte. [click to continue…]

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Who’s next in German football?

von Johan Petersen am 7. Januar 2011

Germany surprised many last summer, fielding a side that played one of the most attractive football of the world cup. Known to traditionally rely on experience rather than talent, it also surprised by having one of the youngest teams at the same time.

Looking at the first half of Bundesliga’s 2010/2011 season, many are tempted to say the break-through of Özil, Neuer, Khedira and Müller at international level was only the beginning.

In the early 2000s, Sebastian Deisler was the only hopeful of an entire generation, while around him the Nationalmannschaft slowly decayed from within, with players who were average even at their peaks in the 1990s. The result were shocking performances at the Euro 2000 and 2004, while the team managed to rumble along during the World Cup 2002 thanks to Ballack, Kahn and lucky draws. [click to continue…]

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Germany vs Turkey: Hiddink’s regime lasts an hour

von Johan Petersen am 9. Oktober 2010

Disclosure: Some genius screwed up my receiver. By the time I reached the pub, I had missed twenty minutes.

Löw fielded his usual 4-5-1, Kroos replacing Schweinsteiger but Khedira taking over his slightly deeper role. Westermann played full-back, not Boateng as some had expected. Hiddink also sticked stuck to his 4-5-1, with Halil Altintop as a lone striker; Tuncay replaced Aurelio after some 20 minutes.

I guess I didn’t miss much. Germany lacked pace in its passing and its movements off-ball weren’t aggressive enough to challenge Turkey’s defense. Turkey varied well, sometimes attacking fairly high up, sometimes sitting deep – in both cases leaving no gaps for Germany to exploit as it always maintained close intervals. Towards the end of the first half, Özil increasingly dropped deeper, but to little effect. I did not see Germany threaten Turkey’s box at all. [click to continue…]

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Belgien vs Deutschland

von Johan Petersen am 4. September 2010

Wenn Bayern nicht Meister wird, wird es an zwei Spielern liegen: van Buyten und Badstuber. Beide haben am Ball auf ihre jeweils eigene Art und Weise kein internationales Niveau, und sind auch in der Bundesliga nur Durchschnitt. So entschied das Spiel eine Vorlage van Buytens, wie sie Schweinsteiger, Müller und Klose aus dem Bayern-Training zur Genüge kennen dürften und sie dementsprechend schnell in ein Tor umsetzten.

Ich weiß nicht, ob das schon Manndeckung war oder noch großer läuferischer Aufwand, aber Fellaini hat Schweinsteiger fast komplett aus dem deutschen Spielaufbau genommen. Das beließ die Spieleröffnung bei Mertesacker, da Khedira sein Spiel nicht ausreichend umstellte – er hätte die tiefere Rolle Schweinsteiger übernehmen können.

Auf rechts zeigten zwar Müller, Özil, Lahm, Klose und Khedira ihr geniales Spiel ohne Ball, aber wegen der Mängel im Spielaufbau liefen sie wie ein Motor, dessen Energie mangels Keilriemen nirgendwo hin übertragen wird. Auf links zeigte Podolski zwei gute Flanken, viele Fehlpässe und sein übliches Desinteresse an ausgefeiltem Spiel ohne Ball. (In dieser Form wäre Aaron Hunt die bessere Wahl, oder Toni Kroos.)

Das Zusammenspiel mit Jansen funktionierte nicht – der Linksverteidiger wurde von Podolski teilweise blockiert. Auch weil die linke Seite so krankte, sahen wir wenig Kombinationen.

Belgiens 4-5-1 mit guter Ordnung tat sein Übriges. Nach vorne spielten sie im wesentlichen lange Bälle auf Lukaku, der im Verbund mit den ebenfalls starken Fellaini und Dembelé vor allem in den ersten zwanzig Minuten für Unruhe sorgte. Es dauerte auch, bis Lahm und Müller die Vorstöße über ihre Seite in den Griff bekamen.

Belgien kam zu passiv aus der Pause, und konnte nach dem Tor nicht mehr an das agressive, kraftraubende Spiel der ersten Halbzeit anknüpfen.

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Deutschland vs Spanien

von Johan Petersen am 7. Juli 2010

Zum ersten Mal hat ein Gegner unsere Stärken zur Kenntnis genommen und sich entsprechend darauf eingestellt. Torres saß auf der Bank, und Villa rückte ins Zentrum. Damit war die linke spanische Seite besser aufgestellt.

Wir gingen sehr passiv ins Spiel und überließen Spanien den Ballbesitz. Ich frage mich, ob das eine taktische Anweisung war, die auf Konter setzte, oder sich in der Anfangsphase ergeben hat. Uns fehlte die Überzeugung und Aggressivität aus den bisherigen Spielen. Wenn man als Trainer eine Mannschaft etwas defensiver einstellt, hat das oft den unerwünschten Nebeneffekt, dass die Mannschaft im Pressing, im Auftreten weniger aggressiv ist – dabei sollte das eigentlich unabhängig von der taktischen Einstellung sein. Endlich sah man mit Spanien auch mal eine Mannschaft, die bewußt mitten in der gegnerischen Hälfte Pressing gespielt hat. Gepaart mit einigen Ballverlusten, die bereits gegen Argentinien zu sehen waren, konnten wir so sehr selten das Mittelfeld überbrücken, um Klose und Özil einzusetzen.

Letztlich haben wir keine Mittel gefunden, den spanischen Spielfluss zu unterbinden. In der ersten Halbzeit haben sie uns vor allem mit vertikalen Pässen direkt in die Spitze in Verlegenheiten gestürzt, in der zweiten Halbzeit haben wir das zentrale Mittelfeld nicht so gut zugestellt, so dass Spanien erst spät im Angriff auf den Flügel spielen musste.

Ein Indiz dafür, dass Löw bewußt defensiver spielen wollte: Khedira schien sich merklich zurück zu halten, seine Antritte in die Spitze waren nicht zu sehen.

Andersrum kamen wir nie dahin, wo man dem Gegner weh tut – hinter die Abwehr. Links konnte Podolski zu keinem Zeitpunkt Ramos in die Defensive zwingen. Auf rechts war Trochowski wie erwartet kein ausreichender Ersatz für Müller. Auf der einen Seite hat er nicht dessen Klasse, auf der anderen Seite ist es schwer, in eine so eingespielte Mannschaft zu kommen. Mit seinem tollen Schuss Ende der ersten Halbzeit hat er seine große Stärke, den beidfüßigen Torschuss, beinahe erfolgreich eingesetzt. Insgesamt stimmte das Zusammenspiel auf dem Flügel nicht, und Spanien zeigte eine gute Ordnung. Ich glaube, Lahm ist in der 79. Minute das erste Mal am gegnerischen Strafraum gewesen – das sagt alles. (Vielleicht hätte man die Außenverteidiger mal die Seiten wechseln lassen sollen.)

Löw hat die vermutlich zu defensive Grundeinstellung korrigiert, indem er früh nach der Pause Jansen und Kroos gebracht hat.

Das Tor fiel leider in einer Phase, in der wir uns gerade etwas befreit hatten. Puyol kam von sehr weit hinten, von der Strafraumgrenze, ohne in seinem Anlauf gestört zu werden. Mit Khedira musste sich ein Mittelfeldspieler alleine gegen die beiden gegnerischen Innenverteidiger in der Luft behaupten – da ist etwas völlig schief gelaufen.

Neben Trochowski wird vermutlich Özil kritisiert werden. Auf der einen Seite hatte er es schwer, weil es dieses Mal keine Unterstützung aus dem defensiven Mittelfeld bekam, und es auf den Flügeln keine Räume gab. Auf der anderen Seite hat Klose mit seiner sehr guten Leistung gezeigt, was man vorne ohne Unterstützung leisten kann. (Geniale Ballmitnahme vor dem nicht gegebenen Freistoß für Özil an der Strafraumgrenze.)

(Ich kann mich an kein Spiel erinnern, bei dem es in der ersten halben Stunde kein Foul gab. Auch das ein Indiz für allerhöchstes Niveau. Gerade Friedrich und Boateng haben in einigen heiklen Situationen foulfreies Zweikampfverhalten gezeigt, das zu den Highlights dieser WM gehörte.)

Fazit: Wir waren dichter dran als 2008, als wir keine Chance hatten. Unter dem Strich ist die Niederlage aber verdient.

Vielleicht hätte man versuchen sollen, Spanien von Anfang an mit Elan und Euphorie zu überrennen. Wir haben zu viel Respekt gezeigt. Hinten sind sie am ehesten anfällig und Fehler macht ein Gegner nur, wenn man ihn zu Fehlern zwingt. Ihn beschäftigen, in Nöte bringen, um es mit Thomas Schaaf zu sagen.

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Argentinien vs Deutschland

von Johan Petersen am 3. Juli 2010

Das mit dem Wiegen und der Waage, Argentinien und Brasilien haben wir gestern schon besprochen.

Daher direkt zum Spiel. Wie erwartet, geht es ab dem Viertelfinale zunehmend um Standardsituationen – siehe Niederlande vs Brasilien. Wie nicht erwartet, begann das Spiel mit einem deutschen Tor nach einem Standard.

(Natürlich sind diese Bälle aus dem Halbfeld für einen Torhüter knifflig, er weiß erst Zehntel-, Hundertstelsekunden vor seiner Ballberührung, ob der Stürmer den Ball noch touchiert oder nicht. Aber gerade deswegen trifft er entweder eine frühe Entscheidung, geht ins Risiko, oder stellt sich möglichst beweglich auf – Romero hingegen verwandelte sich kurz entschlossen in einen Volleyballer, der einen gegnerischen Schmetterball oder Aufschlag raus pitchen will. Damit war so beweglich wie ein breitbeiniger Sumoringer.)

Der Freistoß resultierte aus einer Einzelaktion Podolskis gegen Otamendi. Er machte im gesamten Spiel einen wesentlich agileren, konzentrierteren Eindruck als bisher und unterstützte auch die Defensive in einigen Situation sehr gut. Wie ebenfalls erwartet waren diese Duelle auf den Flügeln, gegen die schwachen argentinischen Außenverteidiger dieses Mal spielentscheidender als die Aktionen Özils im Zentrum. Denn Özil hatte mit Mascherano zum ersten Mal im Turnier einen tiefsitzenden, Weltklasse-Gegenspieler gegen sich. Andererseits war er auch nicht so stark wie bisher – sein Spiel ohne Ball war bei weitem nicht so aggressiv und weiträumig wie in den ersten Spielen.

Ein frühes Tor also, und in der ersten Viertelstunde sah man noch das mittlerweile von uns gewohnte Kombinationsspiel. Zunehmend warteten wir aber auf den Fehler, den sich Heinze oder Demichelis  leisten würden. Dieser Fehler kam in der 24. Minute, aber Klose vergab aus elf Metern.

Zunehmend versickerte allerdings unser Angriffsspiel – das Spiel ohne Ball im letzten Spielfelddrittel blieb bei weitem hinter dem zurück, was wir in den bisherigen Spielen gesehen haben. Gerade bei einigen Angriffen über links (zum ersten Mal gab es eine Balance zwischen beiden Flügeln) versäumten es Özil und Klose, sich auf den linken Flügel oberhalb Podolskis und Boatengs zu lösen. Auf beiden Flügeln gab es zwischen Außenverteidiger und Flügelspieler bisher nicht gesehene Missverständnisse bei den Laufwegen. Lahm bzw. Boateng kontrollierten den Ball, anstatt direkt Müller bzw Podolski zu überlaufen. So verschenkten wir einige Situationen, in denen wir Überzahl hätten herstellen können. Gerade Lahm hatte auf rechts große Freiräume, die oft verschenkt wurden.

Nach etwa 25 Minuten wurden wir immer passiver, und konnten unser Passspiel immer seltener durchbringen.

Auf der anderen Seite begann Argentinien wie erwartet mit einer Art Mittelfeldraute. Ich habe Messi während der Saison nicht gesehen, aber er schien sich tiefer als sonst fallen zu lassen, er nahm die Bälle an der Mittellinie entgegen, und lief dann auf unsere Abwehr zu bzw. versuchte, mit Doppelpässen in Richtung Strafraum zu kommen.

Das meiste lief über unsere linke Seite: fast jeder Angriff Argentiniens lief über einen kleinen Raum, eine kleine Tasche im Rücken von Podolski und neben oder vor Schweinsteiger. Dort kreierte Argentinien immer wieder kritische Winkel, die Boateng dazu zwangen, seine Position zu verlassen – was entweder Raum auf dem Flügel oder Passwege durch unsere Kette schuf. Das sorgte für viele kritische Situationen am und im Strafraum, und wir retteten das 0:1 letztlich in die Pause.

Trotzdem war es eine sehr gute Abwehrleistung - ich kann mich an keine Situation erinnern, in der ein deutscher Verteidiger allein ins 1 gegen 1 gehen musste. Beeindruckend, wie sich alle gegenseitig unterstützt haben, wie die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und den Verteidigern immer stimmten. Hinzu kam (vor allem nach der Pause), dass Argentinien die falschen taktischen Mittel gegen unsere tiefstehende Abwehr eingesetzt hat: zu oft wollten sie sich in den Strafraum kombinieren, es fehlte die Durchschlagskraft.

Das ist der Rückblick, während des Spiels hingegen fühlte es sich ab der 25. Minute so an, dass Argentinien sukssive Druck aufbaute, und ein Tor nur eine Frage der Zeit schien. Das hatte einen Grund: fußballerisch haben wir heute in der Phase zwischen diesem Zeitpunkt und dem 0:2 die mit Abstand schwächste Leistung geboten. Es war vermutlich das erste Zugeständnis an den großen Druck: es gab es keinen deutschen Spieler, der sich nicht einfache Ballverluste in Form von Fehlpässen und schlampigen Ballannahmen leistete. Selbst gegen Ghana und Serbien, als die Räume eng waren und wir wenig kombinieren konnten, leisteten wir uns nicht solche Ballverluste. Das galt auch und vor allem für unsere besten Fußballer: Lahm, Schweinsteiger und Özil.

In der Phase vor dem 0:2 sah es so aus, dass uns nur ein Rückfall in hundert Jahre deutsche Turnier-Historie retten würde: Grass fressen und kämpfen.

Letztlich spielentscheidend war aber — neben der unter dem Strich guten Ordnung in der Defensive–, dass sich sowohl Schweinsteiger als auch Khedira trotz der spielerischen Probleme weiterhin vorne einschalteten. Das wichtige 0:2 wurde nicht von Müller, sondern von Khedira vorbereitet, der einen Raum vor sich erkannte und mit Ball hinein stiess.

Auch Schweinsteiger spielte überragend und liess sich von seinen eigenen Problemen am Ball nicht verunsichern. Seine Passsicherheit half uns bereits im ersten Drittel, er ersetzte in gewisser Weise Özil als Spielmacher, aber nach einem langen Loch nahm er das Heft in die Hand, trieb unsere Angriffe voran und zeigte vor dem 0:3 ein tolles Solo.

Auf der einen Seite denke ich, dass unser Sieg wegen des Spielverlaufs um ein oder zwei Tore zu hoch ausfiel. Auf der anderen Seite ist es offensichtlich unsere Qualität, einen angeschlagenen Gegner im richtigen Moment endgültig in die Seile zu schicken, und die Führung auszubauen. Brasilien ist gestern ausgeschieden, weil es genau diese Qualität nicht hatte.

Die drei letzten Tore fielen alle über unsere linke Angriffsseite, ausgeführt mit klinischer Präzision und Selbstlosigkeit. Bei keinem unserer Angriffsspieler hat man das Gefühl, dass sie sich an der Spielkonsole verdribbeln. Sie legen den Ball dem besser stehenden Mitspieler auf, und dann ist er drin. Hört sich selbstverständlich an, ist es bei dieser WM aber nicht.

Ist Neuer ein Jahrhundert-Torhüter? Man kann das nicht mehr ausschließen.

Es gibt eine Sache, die ich damals im Geschichtsunterricht falsch verstanden habe. Deswegen bin ich heute so verwirrt wie ein von Messi ausgedribbelter Verteidiger: mir hat im Klassenraum keiner gesagt, dass man live dabei sein kann, wenn Geschichte geschrieben wird. So, wie es diese Mannschaft tut.

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Gegen Argentinien: Wie gut sitzt Maradonas Anzug?

von Johan Petersen am 2. Juli 2010

Argentinien spielt eine Art Raute, mit Mascherano als 6er und Messi hinter, neben und zwischen den Spitzen Tevez und Higuain. Tevez bewegt sich ebenfalls weiträumig, während Higuain eher auf den Abschluss lauert.

Es gibt viele Fragen zu Maradonas Taktik und Personal. Wenn er bei der Raute bleibt, wirkt sie ein bisschen wie sein ausgebeulter, schlecht sitzender Anzug. Oder ist ihm dieses System zu offensiv gegen die überragenden Özil und Müller? Dann könnte er Veron als zusätzlichen defensiven Mittelfeldspieler bringen und Tevez mehr defensive Aufgaben verordnen. Dabei könnte er sich an das Testspiel im März erinnern, als Veron und Mascherano uns erschreckend wenig Kombinationsspiel gestatteten. Damals hat uns di Maria erhebliche Probleme bereitet, daher wird es spannend zu sehen, ob Khedira sich mit seinen Antritten bis in die Spitze dieses Mal zurück hält, und stattdessen di Maria stärker im Auge behält.

Eventuell kann es die Raute uns auch schwieriger machen: bei einer Raute braucht man eher einen 6er, der tief und zentral seine Position hält. Damit würde es zunächst schwieriger für Özil, zwischen Mittelfeld und Angriff zu schlüpfen, und er müsste konsequenter auf die Flügel ausweichen. Daher glaube ich, dass der Schlüssel diesmal bei Müller und Podolski liegen wird. Wenn Rodriguez und di Maria offensiv ausgerichtet sind, können sie oft ins 1 gegen 1 gegen die schwachen argentinischen Außenverteidiger Heinze und Otamendi sowie Demichelis gehen. Als Mittel dagegen müsste die argentinische Abwehr dann tiefen stehen als bisher, da die Verteidiger nicht besonders schnell sind.

Langsame Abwehrspieler haben allerdings beide Mannschaften gemeinsam. Wir können es uns aber leisten, trotzdem höher zu stehen, weil wir Neuer haben (mir ist erst gegen England klar geworden, warum Schalke Vizemeister geworden ist). Außerdem ist es besser, variabel zum eigenen Strafraum zurückzuweichen und wieder vorzurücken, damit Argentinien Messi nicht auf immer die gleiche Weise einsetzen kann.

Um Messi mache ich mir auf Grundlage des bisher bei der WM gezeigten wenig Sorgen – er hat bisher noch kein Tor geschossen. Es gab Szenen, da ging er am Strafraum lieber links an zwei Gegenspielern vorbei, als rechts frei ins 1 gegen 1 gegen den Torwart zu gehen – das individualtaktische Verhalten eines D-Jugendlichen, oder? Wenn er nicht in den Strafraum eindringen kann, wird es ein leichtes für Neuer, sich auf seine mit links auf den langen Pfosten geschlenzten Schüsse einzustellen.

Es geht darum, Friedrich und Mertesacker (!) nicht alleine in die Duelle zu schicken, sondern keine Lücken zwischen 6ern und Abwehr zu lassen. Gerade wenn er von rechts nach innen zieht, wird Schweinsteiger mit seiner guten Motorik gegen den wuseligen Messi gut aussehen.

Wenn das Spiel ähnlich von Taktik geprägt ist wie im März, könnte die Führung das Spiel bereits entscheiden. Unser Vorteil: wenn Argentinien in Rückstand gerät, sind sie zum ersten Mal in einer Drucksituation. Wir hingegen haben schon drei hinter uns (früher Platzverweis/Rückstand gegen Serbien, Endspiel gegen Ghana, Klassiker gegen England).

Ob hingegen die Angriffe Schweinsteigers und Friedrichs ein Zeichen von Stärke oder Nervösität waren, werden wir erst hinterher wissen.

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Deutschland vs England, das 2:0

von Johan Petersen am 28. Juni 2010

Das englische Abwehrverhalten vor unserem 2:0 zählte zu dem schwächsten, das wir bisher bei der WM gesehen haben. Es war auch vorhersehbar: man darf Özil keinen Platz zwischen 6ern und Innenverteidigern geben.

Die Ausgangssituation: Deutschland greift über rechts an, wobei Klose (11) ungewöhnlich weit auf den Flügel ausgewichen ist. Eine große Stärke unseres Angriffsspiel ist hier sehr schön zu sehen: das Aufbauen von flexiblen Dreiecken, über die der Ball nach vorne getragen werden kann. Gerrard (4) presst Lahm (16), Barry (14) greift Khedira (6) and und Cole (3) presst Müller (13). Um Özil (8) kümmert sich niemand, er hat genau den Raum, der später im Angriff tödlich sein wird (weiße Fläche). Khedira spielt über Müller zu Özil.

 

Zum einen stimmt die Ordnung bei England hier prinzipiell nicht (Barry zu Özil, Cole zu Klose  – damit die beiden Innenverteidiger nicht so weit auf dem Flügel! – und Gerrard tiefer und zentraler in den Passweg zwischen Khedira und Müller), zum anderen sind sie zu weit weg von ihren (falschen) Gegenspielern und können diese Pässe nicht unterbinden.

Der Spielzug: Als Özil den Ball bekomment, verlässt Terry (6) seine Position, um ihn anzugreifen. Özil spielt Klose an, während Müller nach seinem Abspiel bereits diagonal gestartet ist – sein Spiel ohne Ball ist genial, und er läuft genau in den Raum, den Terry aufgegeben hat. Klose spielt ihm den Ball in den Lauf. Bei seiner Ballabgabe (Moment dieser Darstellung) hat Müller bereits drei Engländer überlaufen und geht alleine aufs Tor zu. Ein Desaster, und der Rest ist bekannt.

Auch beim 1:0 hat sich Terry von Özil etwas nach vorne ziehen lassen, während Klose in seinem Rücken auf Jagd gehen konnte. Auch beim 3:1 hat Özil ohne Ball mitgemischt, indem er einen Verteidiger mit ins Zentrum gezogen hat, so dass Schweinsteiger in seinem Rücken Müller auf dem anderen Flügel anspielen konnte.

Podolskis Rolle beschränkt sich bisher darauf, für den Torabschluss bereit zu stehen, wenn Angriffe über rechts durchkommen. Sonst nimmt er wenig am Spiel teil. Seine Aufstellung würde sich für mich nicht mehr rechtfertigen, wenn er weniger als 0,5 Tore pro Spiel macht.

Was aber hat Löw gemeint, als er gesagt hat, Podolski sei unser Offensivspieler mit dem größten Potential? Selbst bei diesem Tor hat er den Ball so schlecht verarbeitet, dass er sich in einen unnötig spitzen Winkel zum Tor gebracht hat (wie man es bei Hugo Almeida oft sieht).

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Deutschland vs England

von Johan Petersen am 27. Juni 2010

Ein Spiel, das die Debatte zwischen Kunst und Ergebnissen, zwischen Philosophie und Empirie, zwischen Löw und…sagen wir mal Sammer in ganz neue, unerforschte Sphären getrieben hat.

Einerseits: unsere spielerische, fußballerische Überlegenheit hat mit dem 2:0 das Spiel fast schon entschieden. Andererseits: unsere Ignoranz der Standardsituation hat die Engländer wieder ins Spiel gebracht.

Mit der Entscheidung Capellos, beim 4-4-2 zu bleiben, ging das Spiel aus englischer Sicht verloren, bevor der Schiedsrichter die Partie anpfiff. Nach den ersten zehn, fünfzehn Minuten blieb nur noch die Frage, ob es aus englischer Sicht eine Niederlage, oder ein Debakel werden würden. Zu sehen bei der Chance von Özil nach vier Minuten, als Rooney Schweinsteiger im Spielaufbau einfach laufen lässt, und der damit in Ruhe seinen Pass über die Abwehr aussuchen konnte. Gerrard, Barry und Lampard waren nicht in der Lage, dem deutschen Kombinationsspiel etwas entgegen zu setzen.

Das Spiel war in diesem Sinne das endgültige Begräbnis des klassischen 4-4-2. Aber abseits aller Systemfragen kam hinzu, dass wir fußballerisch in jeder Hinsicht in einer anderen Liga gespielt haben: Technik, Ballstaffeten, Ballan- und Mitnahme, Laufwege. England hat die bereits in der Vorrunde zu sehenden Schwächen in Technik und Passspiel gezeigt.

Zwar fiel der Führungstreffer nach einem grausamen Stellungsfehler der englischen Innenverteidigung, aber wir waren fußballerisch überlegen. Mitte der ersten Halbzeit, nach dem 2:0, sah alles nach einem Debakel für England aus. Nach einer halben Stunde hatte England 58 Prozent Ballbesitz, und wir 42 Prozent. Trotzdem waren wir gefährlicher, und hätten es noch mehr sein können, wenn der oft freie Müller besser eingesetzt worden wäre, und Podolski nicht in einer Überzahlsituation einfach blind aufs Tor geschossen hätte.

England hingegen musste sich auf lange Bälle beschränken, weil sie im Spielaufbau mit Barry keinen Schweinsteiger hatten. Ausnahmen waren Angriffe über unsere linke Seite, die am ehesten für Gefahr sorgten. Trotzdem hatte Boateng unter dem Strich die Sache im Griff.

Dann aber kamen die Standards ins Spiel. Von der Lampard-Chance abgesehen (Weltklasse-Parade von Neuer), kam England aus dem Nichts heraus ins Spiel zurück : durch eine Standardsituation. Wie sonst.

Für mich kein Torwartfehler – wenn Neuer auf der Linie bleibt, liegen seine Chancen bei 1-2 Prozent. Kommt er raus, bei 10-20 Prozent. Der Fehler lag darin, dass die deutsche Abwehr (wie auch öfters in der zweiten Halbzeit) einfach nicht auf eine kurze Ausführung der Ecke ausgerichtet war. Die Flanke aus dem Halbfeld in die aufrückende Abwehr ist tödlich.

Auf der anderen Seite wurden zwei von drei Ecken vom Keeper ohne Probleme abgefangen. Daher dachte ich: unsere spielerische Überlegenheit hat uns eine 2:0 Führung erst ermöglicht. Unsere Ignoranz der im Fußball entscheidenden Mittel hat das Spiel fast wieder gekippt.

Unsere größte Schwäche in der ersten Halbzeit war trotz allem die Chancenverwertung. Klose hätte das 3:0 machen müssen, weil der Torwart früh auf dem Boden lag, er ihn aber trotzdem anschoss.

In der zweiten Halbzeit wurde England zunächst stärker, unter anderem weil Rooney sich endlich ins Mittelfeld fallen ließ, kurz angespielt werden konnte und sich damit das englische Kombinationsspiel verbesserte.

Bei unseren Kontern lieferte sich England dann in der Abwehr weitere, haarsträubende individuelle Fehler. Vor dem 3:1 hätte Schweinsteiger beim Kreuzen von seinem Gegenspieler gelegt werden müssen. Vor dem 4:1 gibt Barry gegen Özil – der das Laufduell gewinnt, obwohl er den weiteren Weg hat – die innere Deckungslinie auf – Özil ist ohnehin schon schneller als er, und dann ist sein Stellungsspiel eine Katastrophe. Im Ergebnis tritt ein Käfer gegen einen Ferrari an.

Ich habe viele englische Arbeitskollegen, und denen werde ich morgen folgenden Trost, folgenden Deal anbieten: kurzfristig hat England ein Debakel erlitten. Langfristig, also historisch betrachtet, dürfen wir nie wieder das Wort Wembley in den Mund nehmen. In dieser Hinsicht steht es jetzt endlich eins zu eins.

Die FIFA ist im Grunde genommen eine Organisation aus dem Zeitalter vor der Aufklärung. Die kann man irgendwo zwischen dem 14. Jahrhundert (Norditalien, Florenz, da Vinci) und dem frühen 20. Jahrundert (Preussen, Bismarck, Kaiser) ansiedeln.

Dementsprechend gibt es keinen Videobeweis und keinen Chip im Ball. FIFA-Götter dämmern nicht, und das ist eine Schande für diesen Sport.

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Warum sind die deutschen Standards so harmlos?

von Johan Petersen am 26. Juni 2010

Die große Enttäuschung im deutschen Spiel bisher sind die Standards. Das liegt daran, dass sie wie schon 2006 und 2008 nicht trainiert werden: nur “zwei-, dreimal” bisher. Angenommen, Deutschland hatte bisher mehr als 60 Trainingseinheiten, dann haben wir weniger als 5 Prozent unserer Trainingszeit auf die Methode verwandt, mit der etwa ein Drittel aller Tore erzielt werden.

Man darf nicht vergessen, dass selbst eine spielstarke Mannschaft wie Argentinien gegen Südkorea erst einmal zwei Standards verwandelt hat, bevor sie die sich bietenden Räume mit Konter- und Kombinationsfussball ausgenutzt hat. Und ab jetzt werden die Spiele richtig eng, noch kleinere Kleinigkeiten entscheiden, und das werden unter anderem Standards sein.

Hinten liegt bei uns immer wieder ein Gegentor in der Luft, während vorne bisher gar nichts los war. Es gab nicht eine einzige Ecke, bei der ich in Erwartung eines Treffer von der Bierkiste aufgestanden wäre (Ausnahme der Lattenknaller von Khedira gegen Serbien, aber das war ein zweiter Ball).

Ich mag mich täuschen, aber ich kann mich an keine Ecke erinnern, die vom Tor weggedreht worden wäre. Linksfuß Özil schießt von rechts und Rechtsfuß Schweinsteiger schießt von links.

Bei Eckbällen und Standards in der Nähe der Eckfahne gibt es vermutlich zwei grundlegende Elemente, die die Wahrscheinlichkeit eines Treffers erhöhen. Man muss den Torhüter aus dem Spiel halten, und die Angreifer müssen sich von ihren Gegenspielern lösen (durch Blocken oder Bewegungsvorsprung).

Es gibt zwei Bereiche, die der Torhüter bei Eckbällen nicht oder nur schwierig erreichen kann. Am kurzen Pfosten, weil der Weg weit ist, und der Ball nur kurz in der Luft ist – siehe die hellgrüne Fläche. Und am langen Pfosten außerhalb des  Fünfers - siehe die weiße Fläche. Hier ist der Ball zwar länger unterwegs, aber der Keeper muss gleichzeitig den Ball und für seinen Laufweg die Mit- und Gegenspieler im Auge behalten, wozu er in zwei Richtungen blicken müsste. Um das noch schwieriges zu machen, wird der Ball vom Tor weggedreht. Der Torhüter muss halb rückwärts laufen und sich durch ein Knäuel von Spielern kämpfen – siehe sein schwarzer Laufweg.

Zu den Angreifern: laufen sie schnell und aggressiv auf den ersten Pfosten, können sie sich von ihren Gegenspielern lösen. Oft stehen auf dem Weg dorthin zwei weitere Gegenspieler im Raum, um sie aufzunehmen falls sie ihren direkten Gegenspielern entwischen, aber dann kann es beim Gegner zu Konfusion zwischen Mann- und Raumdeckung kommen. So hat van Buyten in dieser Saison vom ersten Pfosten einige Tore erzielt. (Einige Mannschaften spielen natürlich auch mit reiner Raumdeckung.)

Im zweiten hier dargestellen Raum am langen Pfosten täuschen die Angreifer einen Sprint nach vorne an, verlangsamen dann aber im Kalkül, dass die Gegenspieler trotzdem weiter nach vorge gesogen werden (wie hier mit landestypischen Bildern detaillierter diskutiert), und die Bälle dann über sie hinweg bei den Angreifern landen.

Ich habe hingegen den Eindruck, dass bei uns die zum Tor hingedrehten Ecken eher auf den zweiten Pfosten gezogen werden, und damit in keine dieser beiden Strategien fallen. Oder die Laufwege auf den ersten Pfosten sind nicht ausreichend abgestimmt.

Auffällig ist allerdings auch, dass wir bisher sehr wenig Standards aus dem Halbfeld hatten. Die sind oft gefährlicher als Ecken, gerade die von rechts (siehe diese Auswertung von Özils Freistößen in der Hinrunde). Entweder waren unsere bisherigen Gegner bisher sehr diszipliniert und haben Fouls in diesen Bereichen vermieden, oder sie haben es über zu lange Phasen des Spiels geschafft, uns ganz von diesen Bereichen fernzuhalten.

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