von Johan Petersen am 17. August 2011
In den Fußball-Geschichtsbüchern wird die false nine eines Tages einen gesonderten Eintrag zu den 2000er Jahren erhalten. Das 2:0 aus dem Freundschaftsspiel gegen Brasilien dürfte als historisches Beispiel angeführt werden. [click to continue…]
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Tor
von Johan Petersen am 28. Dezember 2010
Zuletzt schienen die Schöngeister von Arsene Wenger nicht das Nervenkostüm für big points gegen die anderen großen Teams der englischen Liga zu haben. Nerven zeigte jedoch nur die Maschine Chelsea, deren beiden Aussetzer nach der Pause in nur zwei Minuten das Spiel entschieden. [click to continue…]
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Treffer
von Johan Petersen am 19. Dezember 2010
Es war der Treffer des Spieltags, weil er der Übermannschaft Dortmund die erste Niederlage seit dem ersten Spieltag beigebracht hat. Aber das 1:0 von Gekas war auch ein herrlicher Treffer mit tollen Laufwegen.
Die Ausgangssituation: Gekas (9) hat sich fast bis an die Mittellinie fallen lassen, wird angespielt und leitet den Ball auf den Flügel, wo er Jung (6) erreicht. Damit hat der Grieche den Innenverteidiger Hummels (4) weit aus seiner Position gezogen. Der Sechser da Silva (2) ist de facto an seiner Stelle in die Viererkette gerückt.

Den entscheidenden Laufweg leistet Altintop (7). Als Jung den Ball hat, läuft er diagonal auf den kurzen Pfosten. Wie Marionetten, die an unsichtbaren Fäden hängen, schwingt die Dortmunder Viererkette nach vorne. Währenddessen schleicht sich Gekas in einem Bogen in den Rücken der Abwehr und Hummels, mit einem Laufweg diametral zu allen anderen Laufwegen auf dem Platz!
Der Spielzug und Torabschluss: Jung spielt am Rücken der Abwehr entlang einen tollen Pass in den Strafraum zu Fenin (8), der Piszczek (6) und Hummels (4) auf sich zieht, den Ball aber mit der Hacke zu Gekas durchrollen lässt. Völlig frei vor Weidenfeller ist der Grieche eiskalt.

Gegen Werder und die Eintracht hat Dortmund nicht mehr so überzeugt wie zuvor in dieser außergewöhnlichen Hinrunde. Die Winterpause kommt gerade rechtzeitig, aber es steht außer Frage, dass Dortmund Meister wird. 65 Punkte dürften reichen, und damit braucht die Borussia nur noch 22 aus 17 verbleibenden Spielen.
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Viererkette
von Johan Petersen am 16. Dezember 2010
Die meisten Tore fallen, weil der Gegner Fehler macht. In Ermangelung eines solchen fiel das 2:0 gegen Inter trotz eigener Fehler im Angriff, beide von Marko Marin.
Die Ausgangssituation: Hunt treibt den Ball von der Mittellinie auf Inters Abwehr zu. Arnautovic startet aus dem Zentrum auf halbrechts, ohne angespielt zu werden (vertretbar, weil es keinen freien Passweg gab). Marin steht im Zentrum und müsste in den von Arnautovic geöffneten Raum unmittelbar vor der Viererkette laufen – Hunt hätte einen diagonalen Pass spielen können, und Marin wäre vielleicht durch die Kette gekommen (siehe den in Rot dargestellten Raum mit dazugehörigen Lauf- und Passwegen). Ein nachrückender Mittelfeldspieler hätte seinen Raum besetzen können, als Absicherung im Falle eines Ballverlusts.

Stattdessen bleibt Marin stehen, lässt sich de facto fallen und zwingt Hunt zu einem Querpass. Dann weiß er nicht wohin, weil Inters Viererkette die Lücke inzwischen geschlossen hat. Marin wartet einige Momente mit Ball und nimmt dem Angriff den letzten Rest Tempo.
Dann begeht er seinen zweiten Fehler: er spielt einen Querpass in den Rücken von Hugo – weil er den rechten Fuß nimmt, nicht den linken wie damals Bargfrede.

Hugo muss einige Schritte zurück laufen, um den Ball aufzunehmen. Die Klasse von Hugo und Arnautovic bringt den Ball dann trotz dieser doppelten Straßensperre von Marin noch in Inters Tor unter. [click to continue…]
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von Johan Petersen am 2. Oktober 2010
Ein ausgeglichenes Spiel, bei dem St. Pauli seine Möglichkeiten besser eingesetzt hat als Hannover - entschieden durch einen Traum aus Außenbahn.
St. Pauli begann in einem 4-5-1 mit Ebbers als einziger Spitze, dahinter Kruse (der leider nicht mehr bei uns spielt), links Hennings und rechts Bartels. Hannover 96 spielte ein 4-4-2 mit Pinto und Schmiedebach vor der Abwehr, Stindl und Abdellaoue im Sturm und Rausch und Stoppelkamp auf den Flügeln.

Hannover schaffte es während des gesamten Spiels nicht, eine überzeugende Spielanlage auf den Platz zu bringen. Vor allem der Spielaufbau krankte unter dem strukturellen Nachteil des 4-4-2 gegenüber dem 4-5-1, das im zentralen Mittelfeld Überzahl hat. St. Pauli verschob zudem sehr diszipliniert zum Ball und machte die Räume immer wieder eng.
Hannover griff zu dem Mittel, mit dem ein 4-5-1 trotzdem geknackt werden kann (wie es Sampdoria gegen Werder vorgemacht hat): lange Seitenwechsel auf die äußeren Mittelfeldspieler, vor allem von Pogatetz auf Stoppelkamp. Der Ertrag war gleich null, denn kaum hatte Stoppelkamp diese Bälle verarbeitet, sah er sich gleich zwei Gegnern gegenüber. [click to continue…]
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Nachbetrachtung
von Johan Petersen am 23. Juli 2010
Was ist ein schöner Angriff? Die wahre Ästhetik des Spiels liegt für mich nicht im spektakulären Dribbling, sondern in den Laufwegen. Es geht nicht um das, was am Ball passiert, sondern um das, was ohne Ball passiert.
Daher habe ich diesen Angriff aus der ersten Halbzeit des Heimspiels gegen Gladbach zum schönsten Angriff der Saison gekürt.
Die Ausgangssituation: Für uns ist es ein untypischer Angriff, weil er nicht über einen 6er, sondern einen Außenverteidiger eröffnet wird. Fritz (8) spielt einen steilen Ball auf Özil (11), der aus dem Zentrum in den Raum auf dem Flügel startet. Ermöglicht von Borowski (6), der aus dem Mittelfeld entgegen kommt – er bindet damit die Gegenspieler, in deren Rücken Özil entweichen kann.

Der Torabschluss: Özil spielt Pizarro (24) am Fünfer an, der den Ball auf die nachrückenden Mittelfeldspieler Hunt (14) und Borowski zurücklegt. (Hunt zielt daneben.)

Ein schlichter, aber effektiver Angriff, dessen entscheidendes Element die Laufwege von Borowski sind: zu Beginn bietet er sich dem ballführenden Abwehrspieler an und eröffnet damit einen Passweg, am Ende ist er am Strafraum und bietet damit mehr Optionen beim Torabschluss. Er sorgt dafür, dass während des Angriffs die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen kurz bleiben.
Borowski ist im gesamten Angriff nicht einmal am Ball zu sehen, aber er spielt eine wichtige Rolle: Aktionen am Ball sind nur möglich, wenn auch ohne Ball gespielt wird. Dies war auch ein sehr schöner, weiträumiger Angriff – und das Dribbling von Pizarro ins Zentrum war nur möglich, weil Pasanen — dem oft Unauffälligkeit in der Offensive vorgeworfen wird — ganz außen einen Gegenspieler bindet.
Mein Saison-Fazit in fünf Folgen:
I. Marin vs Almeida
II. Ein norddeutscher Jung
III. Der schönste Angriff der Saison
IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010
V. Nach der Saison ist vor der Saison
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Angriff,
Saison
von Johan Petersen am 2. Januar 2010
Etwa ein Drittel aller Tore fallen nach Standards. Bei Werder waren es in der Hinrunde 29.85 Prozent (Elfmeter und von Marin und Naldo direkt ins Tor geschossene Freistöße nicht mit gerechnet). Von diesen fielen wiederum nicht weniger als 60 Prozent nach von Özil getretenen Ecken oder Freistößen. Allein deswegen ist er auf dem Platz unersetzlich.
Wie bei wenigen Spielern ist die Flugkurve der Standards von Özil wirklich dreidimensional. Die heben nicht ab wie ein Flugzeug und kommen auf der gleichen Linie wieder runter, sondern irgendwo anders. Curveballs, wie man im Baseball sagt. Unberechenbar. Der Torwart weiß nie, auf welcher Höhe ein Angreifer den Ball mit dem Schopf erwischt.
Hier sind alle Hinrunden-Treffer nach Özil-Standard dargestellt. Die Beteiligten: Pizarro (rot), Naldo (blau), Mertesacker (hellgrün), Hunt (türkis), Boenisch (weiß), Almeida (gelb).
Die Freistöße: Aus dem Halbfeld werden bei Werder und allen Mannschaften die meisten Standards auf den zweiten Pfosten getreten, so dass Angreifer den Ball nur über den Kopf rutschen lassen müssen, um seine Flugbahn minimal, aber unhaltbar zu verändern. Ohne Berührung schlägt der Ball dann nicht selten direkt im langen Eck ein. Eine interessante Variante ist es, den Ball auf den ersten Pfosten (auf Pizarro) zu schlagen, aber dann kommt er oft zu flach und man kann ihn eigentlich nur auf den zweiten Pfosten verlängern. Wie hier bei Almeida auf Naldo.

Die Ecken: Bei den Ecken besetzt unter anderem Pizarro den ersten Pfosten. Er macht nur wenige Schritte nach vorne, und da der Gegenspieler zwischen ihm und dem Tor steht, muss er nur aufpassen, dass er während des winzigen Moments, in dem die Ecke in der Luft ist, vor dem Gegenspieler bleibt. Wenn dann der Gegenspieler, der vorne im Raum steht, nicht an den Ball kommt, brennt es schon.
Weiter hinten, bei Naldo am zweiten Pfosten und Mertesacker dazwischen, ist auch nicht viel mehr Bewegung, im Vergleich zu anderen Mannschaften, die von weiter hinten rein laufen. Bei jeweils 1,98 Meter Größe auch nicht nötig.

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Standards
von Johan Petersen am 2. November 2009
Als ich Hunt das erste Mal auf dem Platz gesehen habe, war mein erster Gedanke wirklich: was für ein verletzungsanfälliger Junge. Spieler mit langen, schlaksigen Beinen haben anfälligere Gelenke (Knie!) als zum Beispiel ein Torsten Frings, der seine Beine mit kurzen, sicheren Schritten in den Boden rammt (schlechtes Beispiel gerade, und er hatte ja auch seinen Kreuzbandriss), ob nun zwei Gegenspieler versuchen ihn umzutreten oder nicht.
So kam es dann leider auch. In den ersten Jahren nach seinem Debüt war allein Geduld gefragt, unterbrochen von seltenen Highlights wie dem Spiel gegen Real Madrid.
Doch jetzt ist er unser heimlicher Mittelfeldmotor hinter Özil, zweitbester Torschütze, auf dem Sprung in die Nationalmannschaft. Seine größte Stärke, vielleicht noch vor seiner Technik und dem Passspiel, ist sein Spiel ohne Ball. Er erkennt Spielsituationen und Kombinationen zwei Stationen, bevor sie ihn erreichen. Das heißt nichts anderes, als dass er sie mit seinem Laufweg erst ermöglicht. Im Fluss zwischen Mittelfeld und Sturm, der diese Saison mangels klassischem Sturmduo noch stärker fließt als sonst, tummelt er sich so elegant und unberechenbar wie sonst nur die Robben in ihrem Becken im Bremerhavener Zoo.
Das gilt auch andersrum – er spielt geniale Pässe durch komplexe Laufwege und hat dieses angeborene Radar für Spielsituationen. Als er vor dem 1:0 gegen Hoffenheim vor einem Jahr von Özil den Ball bekommt, hält er ihn einen Moment länger, zieht damit zwei Gegenspieler auf sich bevor er ihn zurück passt und gibt Özil die Zeit, die er für seinen Schuss in den Winkel braucht.
Mittlerweile schießt er auch Tore, weil er zielstrebiger und konzentrierter im Torabschluss geworden ist. Ihm ist mal ein Tor aus der zweiten Reihe zu gönnen. Für Dribblings braucht er (anders als Özil und Marin) eher Raum auf dem Flügel.
Einige Schwächen hat er, die man im Mannschaftsgefüge sorgsam ausgleichen muss. Das Kopfballspiel. Es gibt Tage, da spielt er die einfachen Pässe sehr schlampig. Wie ein Genie, dass das Handwerk nicht immer ernst nehmen kann. Schließlich die Defensive. Jüngstes Beispiel das verspätete Umschalten und der verlorene Zweikampf vor dem 1:0 in Bochum. Oder als er den falschen Fuss nimmt, um eine Ecke rauszuschlagen, und damit die Grosschance von Lautern nach fünf Minuten einleitet.
Wie es weiter geht? Aaron Hunt hat alles dabei, was man für eine große Bundesligakarriere und noch mehr braucht. Die Eskapaden auf der Diskomeile werden bis heute hervor gekramt – ich konnte schon damals die Berichterstattung nicht verstehen. Er war 19 oder 20 – ich hab solche Sachen noch mit 26 gemacht (mit dem Unterschied, dass mich auf der Diskomeile nicht dreihundert Leute erkennen und provozieren, sondern an guten Tagen nur zwei).
Vielleicht hätte er damals mehr für seine Muskeln und seinen Bewegungsablauf tun können, wer weiß. Spielt alles keine Rolle mehr. Ich hoffe, er bleibt nach dieser langen Durststrecke so stabil und konzentiert und spielt noch lange bei Werder.
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von Johan Petersen am 25. September 2009
Was ist aus dem Fritz seiner Anfangszeit bei Werder geworden? Flankenläufe, ob effektiv oder spektakulär, sehen wir nicht mehr. Im Gegenteil, er geht kaum noch ins 1 gegen 1: entweder er (1) bricht ab und spielt den Ball zurück auf die Halbposition, (2) legt den Ball am Strafraum quer für einen Doppelpass – mit hohem Risiko, dass der Ball dabei verloren geht – oder (3) flankt aus dem Halbfeld (das allerdings oft recht gut).
Warum also kommt Fritz so selten ins 1 gegen 1? Er hat in Interviews mangelndes Selbstvertrauen in der vergangenen Saison erwähnt – und Selbstvertrauen braucht man im 1 gegen 1. Ich frage mich, ob das auch an seiner An- und Mitnahme liegt, bei der das Tempo fehlt. Kommt der Ball aus der Mitte, wartet er, läßt den Ball am Standbein vorbeilaufen und nimmt ihn mit dem starken, äußeren Fuß mit (wie fast alle Flügelspieler, die den starken Fuß außen haben).
Könnte er das nicht beschleunigen, wenn er in die Mitte dem Ball entgegen geht, und ihn dann mit links mitnimmt? Dann wäre er auch schwerer auszurechnen.
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von Johan Petersen am 22. September 2009
Pizza ist irgendwie noch nicht richtig angekommen in der Saison. Er arbeitet, aber es fehlt sein unverwechselbarer Esprit, seine Ideen, seine Präsenz im Kombinationsspiel.
Das mag an fehlender Vorbereitung mit der Mannschaft liegen, oder am Sturmpartner Marin, neben dem er bisher oft gespielt hat. Wenn Almeida neben ihm spielt, gibt es einen echten Sturmtank im Zentrum, der auch Innenverteidiger beschäftigt. Dann kann Pizarro mal auf den Flügel gehen, mehr am Spiel teilnehmen. Neben Marin hingegen muss er das Sturmzentrum halten – wenn er selber auf den Flügel geht, um sich dem Abwehrzentrum zu entziehen, gibt es keinen mehr, der Flanken abnehmen kann (gerade wenn es Borowski bei einem Angriff über die Flügel nicht rechtzeitig in den Strafraum schafft).
Bin gespannt, wie sich das entwickelt.
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