Werder vs Hertha: Drama-Queen Pizarro

von Johan Petersen am 25. September 2011

Um seine Spieler von seinen taktischen Innovationen gegen den Ball zu überzeugen, ließ Arrigo Sacchi in den 80ern im Training fünf gegen zehn spielen. Bei Ballverlusten mussten die zehn wieder in der eigenen Hälfte beginnen. Ein Tor geschossen haben sie laut Überlieferung dabei nie. [click to continue…]

{ 9 Kommentare }

Bayern vs Bayer: Dutts Dreifach-Sechs begrenzt den Schaden

von Johan Petersen am 25. September 2011

Bayern ist nicht unbesiegbar, aber im Moment einfach unterfordert. Ein konstanter Herausforderer ist in dieser Saison jedoch nicht in Sicht, so dass die Meisterschaft wohl so früh vergeben ist wie im letzten Jahr.

Heynckes stellte ein 4-1-4-1 auf, in dem Tymoshchuk das Zentrum vor den Innenverteidigern hielt, während Kroos und Schweinsteiger davor auf einer Höhe agierten. Dutt stellte seinen Weihnachtsbaum auf, ein 4-3-2-1 mit drei Sechsern, von denen Balitsch auf dem Flügel gegen Ribery doppeln sollte. Renato Augusto sollte Kießling unterstützen, während Sam auf links eine Rolle irgendwo dazwischen inne hatte. [click to continue…]

{ 19 Kommentare }

Gladbach vs Nürnberg: Reus, und dann lange nichts

von Johan Petersen am 25. September 2011

Man sitzt in der Kneipe, es gibt nur einen Fernseher. In kniffliger Debatte überzeugt man schlußendlich die versammelten Fans und den Kneipier, nicht die großen Namen oder die Konferenz zu sehen,  sondern das Duell zweier kleiner Clubs, das man wegen ihrer taktischen Disziplin und ihrer guten Trainer für ein verkapptes  Spitzenspiel hält. Doch während des Spiels rückt der Experte immer weiter verschämt in die Ecke, weil beiden Mannschaften Tempo und individuelle Klasse fehlen, um mit den Leistungen ihrer Trainer mitzuhalten. [click to continue…]

{ 0 Kommentare }

Gegen Hertha: Kampf der Systeme

von Johan Petersen am 22. September 2011

Zwei grundverschiede Systeme messen sich am Sonntag im Weserstadion, und unsere Raute hat natürliche Nachteile gegen Berlins 4-5-1. Doch im Fußball spielt nicht nur die Theorie eine Rolle, sondern auch der Heimvorteil (der hier wohl eher der Raute hilft), die individuelle Klasse, und der Spielverlauf. [click to continue…]

{ 7 Kommentare }

Die Debatte Wiese vs Mielitz geht weiter, und ein Ende ist nicht in Sicht. Hätte Mielitz den Freistoß von Mendler gehalten? Nein. Eher schon den Ball gegen Petric letzte Woche.

Hecking ersetzte den gesperrten Pekhart durch Eigler. Im Mittelfeld agierte Simons als Sechser vor der Abwehr, der Rest jagte davor im Rudel den Ball. Schaaf mit der erwarteten Raute. [click to continue…]

{ 4 Kommentare }

Gegen Nürnberg: der nächste Schritt?

von Johan Petersen am 15. September 2011

Folgender Satz wäre in der vergangenen Saison undenkbar gewesen, und illustriert unseren Aufschwung: ein Ausfall Marins gegen Nürnberg wäre eine Schwächung. [click to continue…]

{ 7 Kommentare }

Werder vs HSV: die Standards holen die Punkte

von Johan Petersen am 11. September 2011

Die Listen der guten Nachrichten von diesem Abend ist ein einziges Wohlfühlbad: drei Punkte im Derby, die Rückkehr von Naldo, das starke Debut von Iggy, zu Null gespielt ohne Mertesacker, das Ankommen von Arnautovic und schließlich, dass so weit ich weiß zwischen den Fans alles friedlich blieb.

Schaaf mit der erwarteten Raute, Iggy debütierte auf links. Oenning bot ein klassisches 4-4-2 auf, mit Tesche und Jarolim vor der Abwehr und Petric und Guerrero vorne drin.

Es war zunächst kein gutes Spiel. Die Hamburger Stürmer attackierten bei Werders Spielaufbau nicht unsere Innenverteidiger, sondern standen dicht beieinander und stellten so die Passwege auf Bargfrede und sonst ins Mittelfeld zu. Dadurch wurden unsere Angriffe sofort auf die Außenverteidiger geleitet, und wir konnten unser vertikales Kurspassspiel durch die Raute nicht aufziehen. Der HSV hat das sehr viel besser gemacht als zum Beispiel Kaiserslautern oder Hoffenheim.

Ping und Pong

Werder griff relativ hoch an und erlaubte damit ebenfalls keinen geordneten Hamburger Spielaufbau. Das Spiel war fahrig, in einigen Pingpong-Szenen zeigte das Duo Wolf-Prödl, dass es technisch einfach nicht so stark ist wie Naldo-Mertesacker, die die meisten hohen Bälle auch unter Druck wieder flach und konstruktiv ins Spiel bringen konnten.

Ich habe selten einen Spieler debütieren sehen, der es so unbedingt packen will wie Aleksandar Ignjoski. Als Rechtsfuß aus dem Mittelfeld zeigt er allerdings auf dieser Position ein ganz anderes Spiel als der gebürtige Linksverteidiger Lukas Schmitz, und Schaaf hat hier in Zukunft knifflige Entscheidungen zu treffen.

Bis zur Pause erarbeitete sich Werder sukzessive ein größeres Übergewicht und einige Standards. Aber als wir einige Male aussichtsreich bis an den Hamburger Strafraum spielen konnten, agierte ausgerechnet Pizarro zu zögerlich und umständlich.

Pizarro vs Westermann

Nach der Pause beging der HSV den spielentscheidenden Fehler. Im Gegensatz zur ersten Halbzeit ließ sich Oennings Truppe zu tief hinten rein drängen und hielt den Ball nicht mehr so konsequent vom eigenen Strafraum fern. Dadurch ergaben sich Standards mindestens im Minutentakt, und das Tor war dank Pizarro, den Westermann am zweiten Pfosten nie in den Griff bekam, plötzlich eine Frage der Zeit.

Das Gegentor hinterließ Spuren bei den nervlich schon vor dem Spiel angeschlagenen Hamburgern. Die Mannschaft spielte einige Fehlpässe nach vorne, und die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden nicht mehr so kurz gehalten. Die sich bietenden Räume nutzte Werder aber kaum aus, auch weil die ballführenden Spieler nicht schnell genug in die Spitze spielten.

Trotz der großen Chance von Petric, die Wiese mit einem tollen Reflex vereitelte, zeigte Hamburg in der zweiten Halbzeit nur noch wenig. Wir wollten und glaubten permanent an uns, doch dem HSV fehlte nach dem Rückstand einfach die Überzeugung. Nichts illustriert das besser als die Zahlen: Hamburg hatte in diesem Spiel mehr Ballbesitz und spielte wesentlich mehr Pässe, doch wir haben fast drei Mal so oft aufs Tor geschossen und hatten etwa doppelt so viele Ecken.

Fazit: die Standards entscheiden das Spiel

Das Spiel war taktisch interessant, spielerisch nicht sehr gut, hatte aber trotzdem viel zu bieten. Wie vermutet, haben wir mehr unter dem spielerisch schwächeren Charakter des Nordderbys gelitten als der HSV. Wie ebenfalls zu erwarten, haben daher die Standards den Erfolg gebracht.

Der HSV war in der ersten Halbzeit nicht schlechter, aber dann fehlte der Mannschaft unsere gegenwärtige psychische Robustheit und Entschlossenheit. Im Spiel nach vorne ist die Truppe eigentlich nur über Anspiele auf Jansen gefährlich, bei vielen Angriffen und Laufwegen fehlt die Abstimmung. Dennoch wird die Mannschaft zur Winterpause hin sicherlich die Abstiegsplätze verlassen.

{ 9 Kommentare }

Dortmund vs Hertha: Borussia ohne Flügel, ohne Chance

von Johan Petersen am 10. September 2011

Das Spiel bewies eindrucksvoll, wie schnell es im Fußball nach unten und nach oben gehen kann. Vor einem Jahr hat Dortmund Heimspiel um Heimspiel in der ersten halben Stunde entschieden. Gestern wusste man nicht mehr, wer wer war. Hertha habe ich noch am ersten Spieltag zum Abstiegskämpfer erklärt, nun haben sie beim Meister gewonnen.

Klopp brachte sein gewohntes 4-5-1, Kagawa hinter Lewandowski, auf rechts ersetzte Kuba den gesperrten Götze. Auch Babbel wählte wieder ein 4-5-1. Gegen den Ball ließen sich allerdings die Flügelspieler Ebert und Torun auf die Höhe der Sechser fallen, so dass ein 4-4-1-1 entstand.

Von Beginn an war Hertha besser im Spiel. Die Mannschaft stand tief, und bei Dortmund stimmt einfach die Grundlage nicht: Tempo und Genauigkeit im Passspiel. Hummels spielte lange Bälle ins Nichts, der bemitleidenswerte Schmelzer wurde ständig im Rücken angespielt. Gündogan fehlte oft das Gespür, ob er mit einer Ballmitnahme zum Spielfeld hin Tempo ins Spiel bringen konnte, oder mangels Raum den Ball klatschen lassen musste. Zu oft entschied er sich für letzteres – eines der wirklich fundamentalen Probleme im Fußball, wie regelmäßige Leser dieses blogs hoffentlich verstanden haben.

Der Pinsel fehlt

Hertha stand gut. Weil Ebert und Torun sich fallen ließen, konnten die Sechser Ottl und Niemeyer das Zentrum zu machen und Kagawa ausschalten. Der Japaner ist das genialste Mosaikstück der Bundesliga, wenn Hochgeschwindigkeitsfußball gespielt werden kann – doch er ist nicht der klassische Spielmacher, der einen Schritt zurück von der Leinwand macht, den Pinsel nimmt und noch einmal von vorne anfängt. Er verpasste es, auf die spielerische Malaise zu reagieren, und aus tieferen Positionen das Spiel schnell zu machen.

Großkreutz und Kuba agierten im wesentlichen von den Halbpositionen – konsequent an den Linien klebende Flügelspieler wären wohl das bessere taktische Mittel gewesen. Das hätte die Schnittstellen zumindest in der Berliner Mittelfeldkette vergrößert und aus dieser Ausgangsposition hätte Dortmund auch klare Pärchen auf dem Flügel aufbauen können. (Kuba-Piszczek und Schmelzer-Großkreutz). Das wiederum allerdings hätte schnelle Spielverlagerungen benötigt, wozu vermutlich das Tempo im Passspiel gefehlt hätte.

Hätte, Wenn und Aber – Dortmund spielte sich in der ersten Halbzeit nur zwei oder drei Chancen gegen einen geordneten Gegner heraus, plus einige vage Möglichkeiten nach Berliner Ballverlusten in deren Hälfte.

Wer ist wer?

Doch meistens schaltete Hertha sehr gut um, und zeigte in ein oder zwei Szenen sogar das technisch versierte Direktpass-Spiel, das wir von Dortmund kennen.

Klopp reagierte zur Pause und ersetzte den restlos enttäuschenden Gündogan durch da Silva. Das änderte aber nichts an den grundlegenden Problemen in der Spielanlage, und wenige Minuten nach der Pause ging Berlin verdient in Führung.

Anschließend versuchte Klopp einige Umstellungen (erst kam Großkreutz nach der Perisic-Einwechslung über rechts, dann Kagawa), ohne dass Herthas Ordnung je wirklich gefährdet wurde. Dortmunds Passspiel bekam mehr Zug, und Kagawa taute etwas auf, doch viel zu oft versuchte Dortmund sich durchs Zentrum zu kombinieren, wo das sehr gut stehende Quadrat Ottl-Niemeyer-Hubnik-Mi alles abräumte.

Die Hertha versäumte es, das Spiel mit einem ihrer Konter früher zu entscheiden, letztlich geriet der Sieg aber nie in Gefahr.

Fazit: eine produktive Niederlage?

Ich glaube, dass diese Niederlage für Dortmund sehr produktiv war. Vom ersten Spiel an war offensichtlich, dass die Mannschaft aus diversen Gründen und auf vielfältige Weise nicht mehr die Übertruppe der Vorsaison ist. Jetzt ist jedem klar, dass nur der FC Bayern in jedem Jahr Meister werden muss und auch kann. Damit ist der Druck weg, und die Mannschaft kann in Ruhe ihre Punkte sammeln.

Die Möchtegern-Experten werden auch passender Weise alles am Fehlen von Götze fest machen, doch Klopp weiß, dass die Probleme woanders liegen. Allerdings müsste er jetzt den einen oder anderen der Meister-Helden vorüber gehend auf die Bank setzen, doch es fehlt fast überall im Kader am Konkurrenz-Kampf – nur Perisic drängt sich auf.

Babbel hat eine sehr gute Taktik gewählt. Weil Hummels, Bender und Gündogan nie Tempo ins Spiel bekamen, konnte er vorne Dortmund Räume gewähren, und sein Mittelfeld gegen die sonst gefährliche Reihe um Kagawa konzentrieren. Wenn die Hertha ihren technisch guten Fußball auch gegen tiefer stehende Mannschaften zu Hause zeigen kann, ist die erste Tabellenhälfte sicher zu erreichen.

{ 0 Kommentare }

Augsburg vs Bayer: Dutt an der Werkbank

von Johan Petersen am 10. September 2011

Eine der bisher interessantesten taktischen Entwicklungen der Liga hat sich am Freitag-Abend versteckt: Dutt kommt langsam im Werk an, und hat dort seinen in Freiburg erprobten Weihnachtsbaum aufgestellt. Ein System, das in der Champions-League bestehen könnte – aber der Preis in Form von Andre Schürrle ist verdammt hoch.

Luhukay schickte ein 4-5-1 ins Rennen, mit Mölders als Spitze, dahinter Baier. Dutt brachte mit Rolfes, Ballack und Bender drei zentrale Spieler, wofür er den Flügelspieler Schürrle opferte. Das Ergebnis war ein 4-1-4-1, das manchmal ins 4-3-2-1 rutschte.

Bayer bemühte sich von Anfang um viel Tempo im Passspiel. Die Innenverteidiger suchten im Spielaufbau die zentralen Mittelfeldspieler, die wechselweise kurz kamen. Augsburg versuchte hoch anzugreifen, blamierte sich dabei aber gründlich. Das Mittelfeld stand zu weit von der ersten Reihe – mal ein, mal zwei Angreifer – und das gleiche galt für Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld. Bayer hatte im Spielaufbau immer Überzahl und konnte sich schnell in die gegnerische Hälfte spielen. Die schwerfälligen Bender, Rolfes und Ballack haben einen Wendekreis wie ein Schützenpanzer, doch in den von Augsburg angebotenen Räumen wirkten selbst sie wie Ballerinnen.

Ohne Grundlagen

Das 1:1 sagte alles: wenn ein Innenverteidiger (Toprak) einen vertikalen Flachpass durchs gesamte Mittelfeld auf die einzige Spitze (Kießling, technisch für seine Verhältnisse hervorragend verarbeitet) spielen kann, muss der Trainer noch einmal an die Grundlagen ran. Man kann hoch angreifen, oder sich am Strafraum einbunkern – Hauptsache man steht kompakt.

Die Kehrseite von Dutts Medaille war allerdings, dass die offensiven Flügel überhaupt nicht besetzt waren. Leverkusen spielte sich bequem durchs Zentrum bis weit in die Augsburger Hälfte, aber dann zog oft Ratlosigkeit ein in die Angriffe, weil gerade auf links die Anspielstation fehlte.

Augsburg wurde taktisch auf dem falschen Fuß erwischt und schaffte es auch nicht darauf zu reagieren. Die Mannschaft hätte gegen den Ball das Zentrum massieren können oder durch schnelles Umschalten auf dem Flügel Leverkusener Lücken ausnutzen können. Das ist aber graue Theorie, wenn wie gesagt die Grundlagen nicht stimmen – in jedem System müssen die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmen.

Ohne cojones

Augsburg machte nur durch zwei lucky punches auf sich aufmerksam: dem 1:0 und als Mölders durchbrach, Schiedsrichter Zwayer aber nicht die cojones hatte, einem Bayer-Spieler samt Traube die völlig angemessene rote Karte zu zeigen.

Die Bayer-Innenverteidigung zeigte in dieser und einigen anderen Szenen eine Unsicherheit, die einen Einzug ins Achtelfinale der Champions-League ausschließt. Vielleicht hat Dutt vor, sie mit drei Abräumern im Zentrum zu schützen. Dass er diese Defensiv-Taktik gegen Augsburg erprobte, und trotzdem gewann, spricht nicht gerade für die Augsburger.

Fazit: Dutt fummelt sich rein

Bayer hat das Spiel über sein sehr viel höheres Tempo im Passspiel entschieden, weil es damit die Augsburger Lücken gegen den Ball effizient ausnutzte. Dutt hat seine taktische Versiertheit vorgeführt, und gegen einen schwachen Gegner nur das nötigste getan. Auf Flügelspiel wird er aber gegen andere Gegner nicht verzichten können.

Augsburg muss zeigen, dass es in der Bundesliga Fußball spielen will, und nicht eine Klasse tiefer. Gegen den Ball fehlte jegliche Kompaktheit, nach Ballverlusten fehlte das entschlossene Umschalten, mit dem andere ebenfalls fußballerisch limitierte Mannschaften versuchen zu überleben.

{ 2 Kommentare }

Gegen den HSV: je weniger Derby, desto besser

von Johan Petersen am 8. September 2011

Werder gegen den HSV, der Dritte gegen den Letzten, die Gefahr, den Rivalen zu unterschätzen – wer hätte das nach der vergangenen Saison gedacht.

Hamburg hat viele Probleme auf dem Platz. Meine größte Kritik an Michael Oenning ist, dass ein halbes Jahr nach Amtsantritt immer noch keine Spielanlage zu erkennen ist. Die Flügelspieler in seinem zunächst praktizierten 4-4-2 sind außer Form, im Zentrum klafft – manchmal auch dem Ausfall von Petric geschuldet – ein spielerisches Loch, wie es sonst bei vielleicht keinem Bundesligisten zu finden ist.

Welcher Fehltritt ist größer: Klose noch in München zu wähnen, oder Heiko Westermann ins defensive Mittelfeld zu stellen? Schwer zu sagen. Westermann läuft aufrecht durch die Landschaft, was auch immer um ihn herum vor sich gehen mag. Er hat einfach nicht die motorischen Fähigkeiten, um das Spiel zu gestalten. (Gegen uns wird er wohl wieder in der Abwehr spielen; ich hätte mich auch auf seine Duelle mit Marin gefreut, aber Jarolim dürfte den Part auch hinbekommen.)

Man füge eine anfällige Defensive mit jungen und verunsicherten Spielern und einige Torwart-Patzer hinzu, und die rote Laterne erklärt sich schnell.

Man sollte beim Blick auf die Tabelle aber nicht vergessen, dass der HSV die beiden schwierigsten Auswärtsspiele der Saison (Dortmund, Bayern) schon hinter sich hat. Durch die vermutliche Umstellung auf ein 4-5-1 und die zunehmende Abstimmung in der Mannschaft wird sich das Team stabilisieren – hoffen wir, dass der Aufwärtstrend nicht ausgerechnet gegen uns beginnt.

Warten auf den Fehler

Im Grunde kommt das Nord-Derby in diesem Sinne zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Ich denke, dass die Kräfte, die ein Derby freisetzt, und die zusätzliche Unruhe auf dem Platz immer der schwächeren Mannschaft helfen: selbst in einer langen Niederlagen-Serie will kein Team ausgerechnet beim Rivalen untergehen.

Andererseits wird das Derby auch uns helfen, nach zwei Wochen Länderspiel-Pause sofort konzentriert zu sein. Prödl könnte
Mertesacker eins zu eins ersetzen, eine Verschiebung von Sokratis hingegen macht insgesamt drei Änderungen einer zuletzt sehr eingespielt wirkenden Mannschaft nötig (zumal wenn auch Schmitz ausfällt).

Der HSV wird spielerisch wenig bieten und auf schnelles Umschalten nach Ballgewinnen setzen; für Werder geht es vor allem darum, von Beginn an und dann immer wieder über längere Phasen viel Druck auf die nicht eingespielte Innenverteidigung und den verunsicherten Torwart auszuüben und die unweigerlich entstehenden Fehler auszunutzen. Nimmt man die bisherigen Spiele des HSV zum Maßstab, müssen wir uns nur durch hohen Ballbesitz eine ausreichende Anzahl an Standards heraus spielen – der entscheidende Fehler kommt irgendwann. Dank Westermann (und Jarolim) hat auch Pressing immer wieder gute Aussichten auf überraschende Ballgewinne, die dann schnell in die Spitze gespielt werden können.

Man kann sich gegen diesen HSV also viele Wege vorstellen, um Tore zu schießen. Wegen unserer momentanen spielerischen Überlegenheit haben wir dieses Mal aber auch relativ gesehen wesentlich mehr zu verlieren, wenn die derby-typischen Emotionen und Nickeligkeiten (Jarolim?) ins Spiel kommen.

{ 2 Kommentare }