Gegen Köln: die Furie gleich wieder einmotten

von Johan Petersen am 4. November 2011

Noch einmal der Hinweis: dieses blog besteht nur noch, damit ich hier die zwei Tage vor dem Spiel einsetzende Unruhe kanalisieren kann. Werder-Fans, die das gleiche Problem haben, mögen hier weiter lesen.

Spielberichte und taktische Theorie gibt es jedoch nur noch hier: ballverlust.net – taktik und theorie im fußball.

Stale Solbakken hat in Köln schon viel versucht und auch einiges bewegt. Er präferiert je nach Personal ein 4-4-2 oder ein 4-5-1. Wegen des Ausfalls von Novakovic wird Podolski in der Spitze auflaufen, dahinter Jajalo. Damit wird Podolski notgedrungen einer seiner zwei großen Stärken beraubt: das Spiel bei Kontern vor sich zu haben.

Doch Kölns Spielanlage basiert auch auf flachem Kombinationsspiel, ein Stil, der schon vor Solbakken bestand. Die Mannschaft kann also durchaus auch in Heimspielen und gegen tiefstehende Gegner die zweite Stärke Podolskis nutzen: sein kompromissloser Torabschluss aus allen, linken Lagen.

Der lange vermisste Führungstreffer?

Auswärts hingegen ist Köln eine Wundertüte: Siegen bei Bayer und dem HSV mit jeweils vier erzielten Toren stehen derbe Klatschen auf Schalke und in Dortmund gegenüber, bei denen die Mannschaft Fehler an Fehler reihte und sich lange vor Abpfiff aufgab.

Kölns Defensive war wegen diverser Verletzungen zuletzt wieder so fehleranfällig wie in den vergangenen Spielzeiten. Man erinnere sich an Brecko, der beim letzten Auftritt Kölns im Weserstadion seine Schwäche bei Hereingaben von der anderen Seite bei fast allen Toren demonstrierte.

Es geht also darum, über bessere Ballsicherheit von Anfang an Druck auszuüben, den Ball im Pressing hoch zu gewinnen und über diese beiden Strategien Fehler in der Viererkette zu erzwingen. Wenn wir in Führung gehen — es wäre das erste Mal seit fünf (!) Spielen — dürfte die Luft schnell aus der Wundertüte weichen. Pizarro muss dann nicht wieder wie gegen Mainz als wütende Furie über den Platz rauschen, um nach einem Rückstand zu retten, was manchmal noch zu retten ist, und manchmal eben nicht.

Mit Ausnahme der Rückkehr Arnautovics für Rosenberg dürfte Schaaf zum ersten Mal seit zwei Spielen ohne personelle Änderungen auskommen. Ekici hat gegen Mainz nicht gerade überzeugt, aber vielleicht findet er zu seinem Spiel und Selbstbewusstsein, wenn er einige Male am Stück das Vertrauen geschenkt bekommt. Vor dem Tor macht er alles richtig, aber auf dem Weg dahin sollte er die Flügel suchen, nicht die Tiefe, und vor allem die Kreisel am Ball abstellen.

Ich will endlich sehen, was passiert, wenn Hunt und Ekici gleichzeitig in Form sind und ihre Kreativität gegenseitig befeuern. Denn wenn die Kölner Sechser Riether und Lanig mit beiden ausgelastet sind, dürften sich bei flexiblem Spiel Fritz und die beiden Außenverteidiger gegen die Kölner Flügel (vermutlich Peszko und Clemens) durchsetzen – denn Jajalo und Podolski überbieten sich nicht gerade darin, gegen den Ball zu arbeiten.

Dann kann Pizarro wieder wie in den ersten Heimspielen höher spielen und sich auf Aktionen am gegnerischen Strafraum konzentrieren. Die zuletzt bei ihm zu sehende Personal-Union aus Torjäger, Antreiber und Spielmacher sollte unbedingt ein temporärer fix bleiben.

In den letzten fünf Spielen der Hinrunde treffen wir auf vier direkte Konkurrenten – um so wichtiger, am Samstag mit drei Punkten das Selbstbewusstsein vorher noch einmal zu stärken.

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Tobias (Meine Saison) 4. November 2011 um 9:07 am

Vor Köln habe ich diese Saison etwas Angst. Völlig unberechenbar. An guten Tagen sind sie fast schon eine Topmannschaft, an schlechten spielen sie wie ein Abstiegskandidat.

Arnautovic wird wieder mehr Feuer in unseren Angriff bringen. Ich hätte nicht gedacht, dass er so fehlen würde. Rosenberg scheint sein Selbstbewusstsein wieder mal komplett auf der Bank verloren zu haben. Das ist sehr schade, denn es war ein Luxus, zwei so starke Stürmer neben Pizarro zu haben und einen von ihnen von der Bank bringen zu können.

Von Ekici erwarte ich deutlich mehr. Allerdings glaube ich, dass er erst in der Rückrunde richtig durchstartet, wenn er die Vorbereitung mitgemacht hat. Marin hat nun über ein halbes Jahr Zeit gehabt, sich in die 10er-Rolle einzufinden und nach zwischenzeitlich guter Entwicklung ist er fast wieder auf dem Stand vom letzten Frühjahr angekommen. Ekici sollte man nun auch etwas Zeit geben, sein Spiel den Anforderungen anzupassen.

Johan Petersen 4. November 2011 um 10:02 am

In den ersten beiden Spielen der Arnautovic-Sperre fand ich Rosenberg noch ganz passabel. Gegen Mainz hat er es dann einfach in einer Szene verpasst, seine drei Spiele mit einem Tor aufzuwerten. Man darf aber nicht vergessen, dass seine Auftritte just in Werders Schwächephase fielen – und die hatten andere Gründe als den Ausfall Arnautovics, fand ich.

Genau das denke ich auch zu Ekici. Er hat jetzt einfach mal ein paar Spiele verdient – wozu haben wir einen Hunt, der in dieser Form auch von halblinks das Spiel machen kann. Ergänzt durch Pizarro von oben.

Seine ständigen, unnötigen Kreisel um die Gegenspieler herum machen mich allerdings wahnsinnig. In der Rückwärtsbewegung setzt er auch nicht energisch genug nach – da dürfte er Arnautovic am Samstag einige Male nur von hinten sehen….

Wir haben es wohl selbst in der Hand, ob Köln eine Topmannschaft oder ein Abstiegskandidat ist – indem wir einfach mal in Führung gehen….

BenHasna 5. November 2011 um 10:42 am

Bremen hats heute auf jeden Fall selbst in der Hand.

Köln hat sich gar nicht sooo stark weiterentwickelt, wie die Resultate oder gewisse Berichte vielleicht zwischendurch mal suggerieren. Also, das heisst nicht, dass schlecht gearbeitet worden wäre oder die Spieler es nicht kapieren, aber die ganz grossen Schwächen konnten noch nicht behoben werden und viele der verbesserten kleinen Dinge sind durch Verletzungssorgen/Personalprobleme/Umstellungen ein wenig verpufft. Und sooo unkonstant ist das Team gar nicht. Natürlich ist die Umsetzung mal besser, mal weniger gut, und vielleicht schwankts tatäschlich mehr als bei anderen Teams, aber bisher waren eindeutig die Leistungen der Gegner die Treiber von Kölns Resultaten.

Und insbesondere die Taktik der Gegner. Leverkusen und Hoffenheim haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann gegen Köln – Hertha, Dortmund, Schalke haben vieles richtig gemacht.

Man muss gegen Köln den Ball schnell laufen lassen, v.a. schnell nach vorne auf aussen bringen oder mit Bällen hinter die Abwehr aufbrechen. Wenn das einigermassen gut ausgeführt wird, kommen die Chancen automatisch. Zu oft müssen die individuell überforderten Verteidiger dann in 1-gegen-1-Situationen bestehen.
Bei Dortmund hat Hummels unzählige Bälle hinter die Abwehr verteilt – bei Hertha lief der Ball fast nie über die 6er, dafür umso schneller (auch weit und/oder diagonal) auf die Flügel – bei Schalke wurden die Aussen überladen mit Hilfe der Aussenverteidiger und dann immer wieder geflankt. Wenn der Ball aber langsam läuft, bzw. fast nur kurz gespielt wird, alle ständig ins Zentrum ziehen, verschiebt Köln recht ordentlich, lässt nichts zu durch die Mitte und erobert sich auch Bälle da, die ihre reine und wirklich gefährliche Konter-Offensive auch braucht.

Jetzt mal schauen, Werder hat in einigen Spielen Dinge getan, die man gegen Köln genau nicht tun darf. Allerdings bin ich überzeugt, dass man aus diesen Spielen gerlernt hat und mittlerweile ohnehin besser aufgestellt ist, braucht aber auf den Flügeln wohl mehr als nur unregelmässiges Ausweichen der Stürmer.

Johan Petersen 5. November 2011 um 11:12 am

Absolut, Koeln haengt noch stark davon ab, ob es Podolski richtig einsetzen kann. Das Kombinationsspiel auf dem Weg dorthin war schon vor Solbakken zu sehen – genau wie die Fehler in der Defensive dann und jetzt viel wieder einreissen.

Gerade die Siege in Hamburg und bei Bayer mit seiner Anfaelligkeit fuer Konter machten eher die Probleme der beiden groessten Sorgenkinder der Liga deutlich.

Lange Diagonalbaelle und Paerchen-Bildung auf dem Fluegel sind der Werder-Raute natuerlich vollkommen wesensfremd und daher auch nicht zu erwarten.

Die Raute kommt aber auch auf den Fluegel, indem sie mit vertikaler Spieleroeffnung, um die sich Jajalo vielleicht nicht ausreichend kuemmert, den Gegner erst in der Mitte haelt, waehrend Ekici oder Arnautovic bis dahin einen Fluegel besetzt haben.

Gerade die Abstimmung zwischen Jemal und Sereno und mit den Aussenverteidigern laesst zu wuenschen uebrig, daher muesste es eigentlich auch ohne konsequentes Fluegelspiel Luecken geben. In gewissem Sinne sind die Sechser das Prunkstueck, Lanig und Riether stellen viel dicht, aber die drei anderen Mittelfeldspieler ziehen nicht immer mit.

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