Dortmund vs Köln: die Rückkehr des Meisters

von Johan Petersen am 22. Oktober 2011

Es klemmte in der Samstagnachmittag-Unterhaltung. Das System legte ein altes Spiel aus Dortmunds Meistersaison ein und drückte auf Wiederholung: unheimliche Dominanz, spielerische Klasse, sofortiges Pressing nach Ballverlusten und trotz einiger vergebener Chancen ist das Spiel nach einer halben Stunde längst entschieden.

Bei Dortmund kehrte Kagawa im gewohnten 4-5-1 hinter die Spitze zurück, Götze rückte nach rechts. Bei Köln agierte Podolski in vorderster Front, unterstützt von Jajalo. Dahinter gegen den Ball zwei Viererketten.

Zur Kenntnis: Aus familiären Gründen konnte ich die erste Phase des Spiels nur nebenbei sehen. Dortmund wollte von Beginn an die Griechenland-Pleite wett machen. Dies gelang, weil die Mannschaft zwei grundlegende Probleme der bisherigen Saison stark verbesserte: aus der Abwehr spielten Hummels und Subotic viel bessere Bälle und vermieden Fehlpässe. Vor der Abwehr machte Kehl das Spiel schnell und fand im Gegensatz zu Gündogan die richtigen Passwege auf die Flügel.

Dies war das handwerkliche Fundament, das den Künstlern Götze, Kagawa und Lewandowski bisher oft fehlte. Gegen Köln konnten sie ihre aus der vergangenen Saison vertraute spielerische Klasse aufführen.

Acht einsame Kölner

Kölns 4-4-2, oder 4-4-1-1 kann gegen dieses 4-5-1 im Grunde nicht bestehen. Hinzu kam, dass Jajalo und vor allem Podolski vorne einfach nicht genug gegen den Ball arbeiteten. So hatte Köln oft nur acht Spieler hinter dem Ball, und die Kette im Mittelfeld war Dortmund hilflos ausgeliefert. Stellte sie das Zentrum zu — gegen einen Fußballer wie Kagawa plus zwei nachrückende Sechser schon ein hoffnungsloses Unterfangen —  eröffneten sich stattdessen den Flügelpärchen Dortmunds Räume. Götze hielt oft den rechten Flügel, was dem Dortmunder Spiel endlich die nötige Breite verlieh – wenn er von dort in den Strafraum eindringt, ist es zu spät. Siehe das 2:0.

Spätestens nach diesem Tor gesellte sich ein weiteres Dortmunder Charakteristikum aus der Meister-Saison zur Überlegenheit der Borussia: das Pressing nach Ballverlusten. Köln konnte nicht nur sein Konterspiel über Podolski nicht aufziehen, die Mannschaft verlor gewonnene Bälle einige Male im eigenen Spielfelddrittel sofort wieder.

In vielen Szenen gab es innerhalb der stark ersatzgeschwächte Kölner Viererkette erhebliche Abstimmungsprobleme. In einigen Szenen rückte der eine Teil vor, der andere blieb stehen. In anderen Situationen fehlten die richtigen Abstände innerhalb der Kette. Beim 3:0, bei dem Dortmund obendrein noch tolle vertikale Laufwege zum Überlappen von Mittelfeld und Sturm zeigte, kam beides zusammen.

Erst stellt Köln die Arbeit ein, dann Dortmund

Klopp nahm zur Pause Götze aus der Partie (für ihn kam Kuba). Die zweite Hälfte ist schnell erzählt. Köln wartete vom Wiederanpfiff weg auf den Abpfiff. Erst als dieser nach 40 Minuten immer noch auf sich warten ließ, entschloss es sich zu zwei Torschüssen. Dortmund hörte etwa nach dem 5:0 in der 66. Minute auf, mit voller Kraft weitere Tore heraus zu spielen. Sonst hätte es ein echtes Debakel werden können.

Beim 4:0 durften mehrere Dortmunder nach einem einfach an den Sechzehner geschlagenen Ball Hand in Hand durch das Kölner Zentrum marschieren. Aus Kölner Sicht eine beängstigende Szene, in der erst die Sechser und am Ende Riether ihre Kollegen in der Innenverteidigung ziemlich alleine ließen.

Beim 5:0 nutzte Dortmund mit einem langen Diagonal-Ball in den Rücken der Viererkette eine natürliche Schwäche dieser Verteidigung aus – der Angreifer auf dem Flügel kann durchlaufen, während sich der Außenverteidiger erst drehen muss. Allerdings konnte Hummels den Ball nur spielen, weil der Kölner Sturm keinen Druck auf ihn ausübte. Anschließend schaute auch Eigler Kuba so lange zu, bis dieser im Strafraum war und auf Kehl flanken konnte.

Eine ausführliche Analyse zu dieser Schwäche der Viererkette und wie sich solche Tore doch verhindern lassen, gibt es hier.

Fazit: es bleibt uns nur die Philosophie

Ein Spiel, dessen Einseitigkeit wie der Dortmunder Auftaktsieg gegen den HSV nur folgende Frage übrig lässt: war Dortmund so stark, oder war der Gegner so schwach? Am ersten Spieltag habe ich letzteres behauptet, und dieses Mal bin ich ähnlich mutig und schreibe den Sieg dem Dortmunder Auftritt zu. Denn in folgenden vier kritischen Bereichen zeigte sich die Mannschaft gegen Köln im Vergleich zum Sieg den HSV und einigen anderen Partien seitdem enorm verbessert: das Passspiel aus der Abwehr und dem defensiven Mittelfeld, das Pressing nach Ballverlusten, die Zielstrebigkeit vor dem Tor und die Leistung von Shinji Kagawa.

Gegen diese These spricht, dass Kölns Viererkette ein Torso war und Jajalo und Podolski nie auch nur in die Nähe der Laufleistung kamen, die für ein Eindämmen der Dortmunder Spieleröffnung nötig gewesen wäre. Das Mittelfeld dazwischen stand neunzig Minuten lang auf verlorenem Posten.

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