Seit mehreren Jahren hat Andreas Wolf bei seinem vorherigen Club, dem Club, in vielen Spielen Gegentore verschuldet. Entweder wegen unerklärlicher motorischer Aussetzer, oder weil er in Zweikämpfen jeglichen fußballspezifischen Bewegungsablauf vermissen lässt. In Bremen setzt er dies nahtlos fort.
Jos Luhukay stellte sein gewohntes 4-5-1 auf, in dem Baier knapp hinter der einzigen Spitze Möhrle agierte. Auf den Flügeln Bellinghausen und Gogia, vor der Abwehr Davids und Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Bei Werder ersetzte Thomas Schaaf den zuletzt verunsicherten Bargfrede auf der Sechs durch Ignjovski.
Augsburg überließ Werder die Initiative, ohne dabei sonderlich tief zu stehen. Das Mittelfeld bildete eine Viererkette, davor störte Baier die Kreise Ignjovskis und manchmal mit Mölders zusammen die der Innenverteidiger.
Werder hatte also viel Ballbesitz und bemühte sich um einen kontrollierten Spielaufbau, ohne zu sehr ins Risiko zu gehen. Naldo und Ignjovski zeigten auch bessere Ansätze als zuletzt in der Spieleröffnung.
Doch es fehlte Werder am Ball die letzte Überzeugung. Ein großes Handicap war der Auftritt von Marin, der sein vielleicht schlechtestes Spiel in grün-weiß zeigte. Er befand sich permanent im Deckungsschatten seiner Gegenspieler und war nie aus der Abwehr heraus anspielbar. Daher musste Pizarro seine Rolle übernehmen, und sehr oft kurz kommen. Eventuell hätte Marin sich im Stile eines klassischen Spielmacher häufiger fallen lassen sollen, um damit Räume für die anderen Rautenspieler und die Flügel zu schaffen. Ein zu tief agierender Spielmacher kann allerdings auch den Spielaufbau verstopfen. Wie dem auch sei, man hat bei Marin nie das Gefühl, dass er instinktiv die richtigen Dinge tut. Seine Ecken waren wieder warm wie Pipi.
Augsburg wartet auf Wolf
Trotzdem kam Werder zu Chancen – Rosenberg vergab die beiden besten, und sein Fehlversuch aus wenigen Metern in der 44. Minuten stand stellvertretend für die Verunsicherung der Mannschaft. An normalen Tagen schießt er hier Jentzsch mit ins Tor.
Augsburg versuchte gar nicht erst, bei Ballbesitz das Spiel über die Sechser aufzubauen, sonder setzte ganz auf lange Bälle und Konter. Erstere wurden auf beeindruckende Weise im Alleingang von Naldo abgeräumt. In einigen Szenen schaffte es Augsburg jedoch, den cleveren und beweglichen Mölders anzuspielen, der dann auf Baier oder andere nachrückende Mittelfeldspieler ablegte (so nach einer halben Stunde als Wiese nach einem schlampigen Ballverlust von Marin ausgezeichnet gegen Callsen-Bracker parierte).
Doch unter dem Strich agierte Augsburg im gegnerischen Drittel zu harmlos, zum Beispiel wurden zu viele Flanken ohne Adresse zugestellt.
Nach der Pause kam ziemlich schnell der Auftritt von Andreas Wolf. Entweder er hat ein motorisches Problem, als ob ihm für eine Sekunde die Festplatte ausfällt, und die Glieder nicht mehr wissen, wohin. Oder er hat ein Problem mit den Augen, ist vielleicht kurzsichtig. Da er viele Bälle falsch einschätzt, liegt vielleicht eher hier das Problem.
Pizarro patzt
Schaaf reagierte auf den Rückstand, indem er mit Wagner für Marin eine dritte Spitze brachte, und anschließend Ekici für Sokratis. Fritz rückte auf die rechte Außenverteidigerposition, Hunt agierte hinter den Spitzen und Ekici steuerte das Spiel aus der Tiefe, neben Ignjovksi.
Durch die Herausnahme Marins blühte Werder auf. Aufgeschreckt vom Gegentor spielte die Mannschaft überzeugter nach vorne und suchte die Flügel. Eine vom auffälligen Wagner erspielte Ecke — die Ekici endlich außerhalb Jentzsch´Reichweite schlug — nickte Pizarro ein.
Bereits nach der eigenen Führung überließ Augsburg Werder wieder die Initiative – mit dem Unterschied zur ersten Halbzeit, dass Luhukays Truppe jetzt auch tief am Strafraum stand. Nach dem Ausgleich wurde dies noch extremer, und Werder rannte vergeblich an. In vielen Situationen war die momentane Verunsicherung zu spüren, so wenn der richtige Moment für den Torschuss nicht erkannt wurde.
Nein, Werder ist nicht abhängig von Pizarro. Denn er hat zwei hundertprozentige Torchancen, die das Spiel entschieden hätten, versiebt.
Fazit: mit Wolf keine Punkte
Ein glücklicher Punkt für Augsburg, Werder ist an der Chancenverwertung und einem eigenen Verteidiger gescheitert. Schaafs Umstellungen während des Spiels haben gefruchtet, doch die Aufstellung von Marin und Wolf führten zum Verlust zweier Punkte.
Thomas Schaaf sieht in Andreas Wolf etwas, das ich nicht sehe und in diesem Blogger-Leben auch nicht mehr sehen werde.

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Ich stimme zu das Wolf gestern ein schlechtes Spiel gemacht hat. Aber die hetze hier gegen ein sonst zuverlässiger Abwehrspieler kann ich nicht nachvollziehen. Er hat den Sieg gekostet, aber ihm gleich zum Teufel zu wünschen halte ich für übertrieben.
Begründung? Wie viele Spiele hast Du von ihm gesehen?
Kommt mir vor, als ob auch Petersen immer für einen Aussetzer gut ist, nämlich dann, wenn es um Wolf geht. Das betrifft nicht Kritik an Wolf, die berechtigt ist, sondern die geradezu Gehässigkeit, mit der er abgeurteilt wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass du z.B. mit Mertesacker im vergangenen Jahr so verfahren bist – “unerklärliche Aussetzer” hat der in Serie produziert. Die Punkte hat gestern nicht Wolf gekostet, der ja sogar noch am Ausgleich beteiligt war, sondern die klägliche Offensivleistung gegen einen Zweitligisten.
Mir kommt ein anderer Punkt in deiner ansonsten sehr guten Nachbetrachtung zu kurz: Wie schon in den Spielen zuvor war auch gestern das Flügelspiel ein Problem. Weniger noch über links als über die rechte Seite. Hier agiert Sokratis, den ich für einen sehr guten Verteidiger und absoluten Gewinn halte, weitgehend allein gelassen. Ohne die Unterstützung des sich bei dessen Offensivbemühungen zurückfallen lassenden Fritz oder aus dem OM fehlt es Sokratis an Durchschlagskraft. Hier verlieren wir sehr viele Bälle.
Mein Fazit: Entweder einen offensivstärkeren RV bringen (also experimentieren, weil wir so einen mMn gar nicht im Kader haben) und Sokratis endlich in der IV bringen oder hier dringend im Training ansetzen. Ansonsten werden wir für unsere Gegner immer ausrechenbar bleiben.
Solche Fehler passieren aber nicht jedem IV der Liga. Wann hat denn Uwe Möhrle zuletzt solche Fehler gemacht? Aber wenn unsere IV´s solche Fehler in Serie produzieren, dann muss man doch die Spielanlage so verändern, dass solche Fehler nicht immer tödlich enden, oder?
Es ist ja auffällig, dass wir vorne immer gegen zwei Ketten anrennen und kein Spieler sich in der Lücke zwischen beiden gut positionieren kann, während man bei uns in der Defensive nie ein solches Spiel zu sehen bekommt. Dortmund und Augsburg waren hier weitgehend identische Spiele. Wir hingegen werden häufig überrannt. Sprich: Hat Werder überhaupt das Spielermaterial für den Offensivfußball, den Schaaf spielen lässt?
Früher hatte ich bei Werder-Ecken immer Riesenangst vor dem garantiert folgenden Konter. Das ist ja zum Glück mittlerweile anders, aber Fehlpässe im Spielaufbau sind immer noch etwas, was zu oft im Chaos endet. Ich fand es eigentlich ganz spannend mit anzusehen, wie gerade Naldo immer wieder Anspielstationen in der Mitte gesucht hat um nicht auf die Außen spielen zu müssen und es einfach keine gab, weil unsere Spieler sich nicht gut lösen und in die Lücken vorstoßen können. Da wäre Marin als Maulwurf ja eigentlich ideal, aber irgendwie passt der mitunter nicht ins System.
Weite Bälle könnten wir aber durchaus spielen, da sowohl Rosenberg als auch Pizarro diese behaupten und abtropfen-Fähigkeit besitzen, auch wenn Pizarro eher dazu neigt den direkten Abschluss zu suchen.
Ekici fand ich diesmal endlich ganz gut und man hat gesehen, dass er einen feinen Pass spielen kann und nicht nur Fehlpässe produziert, wie ich das vorher immer eingeschätzt habe. Vielleicht wird das mit ihm dann endlich was mit gutem Offensivspiel.
Ich hetze nicht gegen Spieler, sondern beobachte sie über Jahre und formuliere dann prägnant ihre Stärken und Schwächen. Dass Wolf große Probleme mit Beweglichkeit und Motorik hat, ist doch wohl auch für Laien zu sehen. Alles was ich hier schreibe, ist fachlich anhand von konkreten Spielszenen begründet, man muss nur mal im blog zurück blättern.
Auf die Probleme in der Offensive habe ich hingewiesen, und ohne den Aussetzer von Wolf hätte unser Tor drei Punkte gebracht.
@Haro. Gute Beobachtung zu Sokratis. Er ist auf seine Weise ein guter Rechtsverteidiger, ist aber gegen tiefstehende Gegner nicht sehr wertvoll. Für den Aufwand, den er betreibt, kommen am Strafraum zu wenig Hereingaben und Torabschlüsse (Schmitz hat noch Luft nach oben, aber als gelernter AV ist er einfach zielstrebiger). Auch das hat Schaaf im Spiel gut korrigiert.
@kroppschock. Genau, Marin findet irgendwie die von Dir beschriebenen kleinen Taschen im Zentrum des Spielfelds nicht. Ekici hat gestern wie auch gegen Dortmund gute Aktionen gehabt, aber beide Male hat er ziemlich tief gespielt, nicht hinter den Spitzen. Das scheint ihm besser zu liegen, als wenn er mit dem Rücken zum Tor spielt.
Trotz aller Schwächen haben wir uns aber vier, fünf hochkarätige Torchancen heraus gespielt, mehr als zuletzt, von denen Rosenberg oder Pizarro an anderen Tagen auch eine verwerten. Dann läuft das Spiel ganz anders.
Ich habe Ekici auch deutlich besser gesehen als in allen Spielen zuvor, aber ich sehe in ihm, wie wohl auch Schaaf eher einen tiefen Spielmacher als einen offensiven “Zehner”. Und für einen solchen gibt es in der Raute in meinen Augen keinen Platz. Ein klassisches 4-5-1 mit Ekici und Bargfrede/Iggy im defensiven Zentrum käme den beteiligten vielleicht mehr zugute. Oder?
Man kann ja durchaus der Meinung sein, dass es zu kurz greift, die Schuld für den Punktverlust allein bei Wolf zu suchen. Trotzdem müssen wir festhalten, dass Andi Wolf momentan DIE Schwachstelle in der Werder-Defensive ist. Das hätte auch schon eher bestraft werden können: bereits in Halbzeit eins schlug er einmal über den Ball – genau so, wie später das 1:0 für den FCA entstand.
Und wenn dann – wie gestern gesehen – die Stürmer auch keinen Sahnetag haben, dann lassen wir eben Punkte liegen, wo es total unnötig ist.
Einziger Lichtblick gestern war mMn die Leistung von Naldo, der gefühlte 20 Konter vereitelte. Wolf dagegen scheint nach einem eigentlich passablen Saisonstart immer mehr abzubauen.
Danke für die wie immer gute Analyse!
Ich möchte hier nur kurz ein paar Punkte erwähnen die mir zu Sokratis und Wagner aufgefallen sind.
Sokratis hat während des Spiels häufiger lange Bälle die Linie heruntergespielt und meiner Meinung nach erwartet Rosenberg dort zu finden. Für mich sah es einstudiert aus in welcher Regelmäßigkeit er diese Option gezogen hat. Rosenberg is aber nicht konsequent auf den Flügel durchgelaufen, sondern hat den Weg dahin immer wieder abgebrochen. So habe ich das zumindest anhand der Fernsehbilder wahrgenommen.
Wagners Leistung mit auffällig zu beschreiben, trifft es sehr gut. Er war zwar auffällig, aber im wesentlichen dadurch die flachen Entscheidungen zutreffen. Er hat in seinen krampfhaften Versuchen selbst ein Tor zu schießen, einige Maile deutlich besser postierte Mitspieler übersehen und egoistische gehandelt.
Schaaf bringt in letzter Zeit öfter mal drei nominelle Spitzen oder sehe ich das falsch?
@werda: Du machst wohl Scherze. Wir rennen in letzter Zeit öfter einem Rückstand hinterher, und da bringt Schaaf traditionell eine dritte Spitze. Hat dieses Mal auch gut geklappt.
@Stevie: Das kann gut sein. Nach der Umstellung auf drei Spitzen hatte Rosenberg aber einige gute Szenen auf dem rechten Flügel.
Zu Wagner, ich bin ja kein Fan von ihm, aber ich fand seine Leistung eigentlich gut. Er hat sich nach seiner langen Auszeit mit viel Kritik etc. gut eingefunden und hat den linken Flügel mit Schmitz wirklich belebt. Als Stürmer muss er von der Sechzehnerkante auch den Abschluss suchen. Andere waren mir da zu zögerlich, es kommt irgendwie das Selbstbewusstsein abhanden.
@Orkrist. Naldo hat gefühlte 40 Konter vereitelt. Ich habe wohl noch nie so ein Leistungsgefälle innerhalb einer Innenverteidigung gesehen.
@Einar. Seit dem Spiel gegen Dortmund denke ich über ein 4-5-1 mit Ekici und Ignjovski oder Bargfrede vor der Abwehr nach. Hunt hinter Pizarro, rechts Fritz und links Marin oder Arnautovic oder Rosenberg.
Ich würde gerne von Alfred wissen, auf welcher Basis er seine Aussage getätigt hat. Nach U-Bott-Manier taucht er kurz auf, lädt seinen geistigen Erguss in Forum und taucht dann ganz schnell wieder ab, ohne eine Begründung für sein Sprechblase zu liefern. Kontroverse bzw. gegenläufige Meinungen sind gern gesehen. Damit man diese aber Diskutieren kann, benötigt man schon die Grundlage der Entscheidungen. Sorry, aber der Kommentar musste einmal sein.
Wolf war im Spiel gegen Dortmund schon nachlässig, was bei seinem halbherzigen Abwehrverhalten das 0:1 zur Folge hatte. Im Spiel in Augsburg führte ein Aussetzen seiner kognitiven und koordinativen “Fähigkeiten” zum 1:0. In dieser Form hat Wolf nichts in der IV zu suchen. Die Frage ist für mich, ob zur Zeit Prödl eine alternative darstellt. Es wäre doch eine interessante Variante, den Griechen in die IV und Fritz wieder auf die RAV . Gerade auf Grund der oben schon angeführten Problematik des Griechen bei tiefstehenden Abwehrreihen.
Nachtrag
Natürlich heisst es U-Boot und nicht U-Bott
Der wollte sich hier nur Verkehr abholen. Es gibt zu viele Leute, die zu wenig Fußball sehen.
Sei mir nicht bös, aber Dein Wolf-Bashing wird langsam ermüdend.
Andere Meinung: super. Keine Begründung: ganz schlecht.
Moin,
sehr treffende Analyse! Vielen Dank an dieser Stelle für die netten Artikel, sie sind jede Woche ein Highlight.
Eine kurze Anmerkung habe ich dieses Mal aber, du schreibst: “Nein, Werder ist nicht abhängig von Pizarro. Denn er hat zwei hundertprozentige Torchancen, die das Spiel entschieden hätten, versiebt.”
Also… Piza hat die Dinger nicht reingemacht, und Werder hat nicht gewonnen. Hätte er sie reingemacht, hätte Werder gewonnen.
Ist dies nicht eher ein Beleg dafür, dass Werder von Pizarro abhängig ist ? (Abgesehen davon, dass es Pizarro war, der den Ausgleich gemacht hat)
Liebe Grüße
Es ist anders herum. Diese beiden Chancen hatte er nicht, weil er Claudio Pizarro heißt und deswegen Fähigkeiten hat, die kein anderer hat. Sondern weil er in dem Moment die Aufgabe hatte, dort das Sturmzentrum zu besetzen. Wenn er nicht auf dem Platz gestanden hätte, wäre genau dort Rosenberg, Wagner oder Thy oder Arnautovic gestanden.
Noch klarer bei dem Tor – genau dort steht immer ein Stürmer, um am ersten Pfosten verlängerte Bälle abzustauben. Steht dort nicht Pizarro, hält eben ein anderer den Kopf hin.
Natürlich erarbeitet sich Pizarro mit seiner Klasse Chancen, die sich andere nicht erarbeiten, aber nicht in diesem Spiel bzw. in diesen Szenen.
Okay da gebe ich dir recht!
Allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass es nicht darum geht, da “gestanden” zu haben. Ich finde, es gehört schon eine Menge dazu, sich so klare Chancen zu erarbeiten.
Naja seis drum – hoffen wir auf einen Sieg am nächsten Wochenende. Und natürlich darauf, dass Schaaf auf lange Sicht das Innenverteidiger-Duo Naldo und Papas spielen lässt (was er, denke ich, auch vor hat)