Dortmund vs HSV: Oenning zeigt noch mal, wie man in Dortmund keine Chance hat

von Johan Petersen am 6. August 2011

Was wie ein ganz starker Auftakt von Dortmund schien, fällt eher in die Kategorie Testspiel – man weiß auch hinterher nicht, wie schwach der Gegner eigentlich war.

Klopp blieb bei seinem genial konstruierten 4-5-1 aus der Meistersaison: Kagawa und Götze rotierten, während Großkreutz seine Position links in der offensiven Dreier-Reihe hinter der einzigen Spitze Lewandowski hielt. Gündogan ersetzte Sahin und Löwe Schmelzer links hinten.

Oenning bot ein 4-4-2 auf, in dem Kacar und Rincon vor der Abwehr spielten und Elia und Töre über die Flügel kamen.

Es war ein verhaltener Auftakt. Dortmunds Pässen in die Spitze fehlte einige Male die nötige Präzision, um die von Beginn an auftretenden Lücken in der Hamburger Abwehr auszunutzen. Nach einer Viertelstunde fiel die Führung durch einen Konter – ein langer Ball auf Lewandowski zog beide Hamburger Innenverteidiger auf eine Seite, die erfolgreiche Ablage konnte Götze auf den komplett blanken linken Flügel weiterleiten. Diekmeier eilte zurück, aber die Anreise von wo auch immer er sich aufhielt war zu weit, um noch in die Nähe Großkreutz´ zu kommen. Eine gemeinsam agierende Viererkette war hier nicht zu erkennen, auch der Abstand der Innenverteidiger zum Mittelfeld war viel zu groß.

Dortmunder Dominanz

Nach dem Tor dominierte Dortmund. Kacar und Rincon standen im zentralen Mittelfeld gegen drei Dortmunder auf verlorenem Posten, zu Mal auch noch Götze oft ins Zentrum rochierte. Petric, Guerrero und vor allem Elia arbeiteten nicht genug gegen den Ball.

Mit Ball war Hamburg angesichts der strukturellen Dortmunder Überzahl im Mittelfeld auf schnelle Spielverlagerungen und anschliessende Einzelaktionen von Elia und Töre angewiesen – doch Dortmund stellte sie mit zwei Spielern, bevor sie ihre Fummeleien bei Tempo auf die Bühne bringen konnten. Insgesamt war das Hamburger Spiel ohne Ball zu statisch – die Dortmunder offensive Dreier-Reihe stand bei Hamburger Ballbesitz recht mittig, so dass Kacar und Rincon nie am Spielaufbau beteiligt werden konnten.

Es folgten einige Auftritte Kagawas, dessen Torabschlüssen aber das nötige Glück fehlte – es tut gut, sein Genie nach so langer Pause wieder am Arbeitsplatz zu sehen.

Das 2:0 malte die taktische Unterlegenheit des HSV in besonders grellen Farben aus – Dortmund kombinierte sich vertikal durch das Herz des Hamburger Mittelfelds, zwei Doppelpässe Götzes mit Gündogan und Lewandowski reichten aus.

Haltet den Ball flach!

Einige Kommentatoren waren mir zu enthusiastisch – in der ersten Halbzeit zeigte Dortmund zwei Schwächen, die in der letzten Saison nicht zu beobachten waren. Bei Durchbrüchen über die Flügel waren die Abschlusspositionen im Zentrum nicht konsequent besetzt, so dass alle Flanken und Hereingaben verpufften. Dem defensiven Mittelfeld fehlten die chirurgischen Pässe Sahins (u.a. auf die Flügel) – Gündogan hat seine Rolle noch nicht gefunden.

Das hört sich nach Kleinigkeiten an, aber die wichtigste Erkenntnis war für mich das schwache Auftreten Hamburgs, und gegen taktisch ebenbürtige Gegner kann der BVB ohne diese Varianten im Offensivspiel Schwierigkeiten bekommen.

Nach der Pause fiel nach einem Standard schnell das 3:0 – alle Hamburger schauten zu, wie sich Götze von der Seite bis an den Fünfer kombinieren konnte. Oben am Bildschirmrand hebt einer den Arm und steht für mehrere Sekunden still  - das ist nicht der Linienrichter sondern Ben Hatira (Korrektur: nicht wie zuerst gedacht Mladen Petric), der hier für alle Fälle auf abseits erkannt hat. Ein unglaublicher Vorgang, und das Spiel war entschieden.

Jansen, zur Pause für Elia gekommen, spielte etwas mannschaftsdienlicher als sein Vorgänger und konnte einige Bälle gefährlich in den Dortmunder Strafraum geben, aber das blieb eine Randnotiz.

Fazit: Oenning enttäuscht

Ich halte es für ausgeschlossen, dass ein 4-4-2 in Dortmund bestehen kann. Davon konnte sich jeder siebzehn Mal in der vergangenen Saison überzeugen – man fragt sich, wie Oenning das nicht mitbekommen konnte. Schon in der Rückrunde hat er die Mannschaft spielerisch überhaupt nicht aufmotzen können – vielleicht haben ihn die Hamburger Management-Wirren des Frühjahrs in die neue Saison gerettet. Andererseits ist der Hamburger Kader vermutlich zu sehr auf Flügelspieler wie Elia ausgerichtet, und Petric und Guerrero sind fürs zentrale Mittelfeld vielleicht taktisch nicht diszipliniert genug, als dass er echte Optionen hätte.

Taktische Überlegenheit gepaart mit individuell besseren Fußballern und konsequenterem Passspiel ergibt die totale Dominanz, die wir gesehen haben. Doch ansonsten bleibt von diesem Abend nur eines: der Ball ist zurück in unserem Leben. Denn Dortmund wird noch sehr viel stärkere Gegner bekommen, und der HSV leichtere.

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tim 6. August 2011 um 11:38 am

schöne analyse! danke.
sehe es z.T. ähnlich, bewerte aber die tatsache, dass es das erste spiel war, doch ein wenig stärker, dortmund ist schon unglaublich weit. der herr auf rechts beim hsv heisst übrigens töre.

Sonix 6. August 2011 um 12:13 pm

In zwei Punkten stimme ich nicht mit dir überein:
1. Gündogan hat für mich ein gutes Spiel gemacht, dass er nicht im ersten “richtigen” Spiel direkt Zauberpässe über 60 Meter an die Eckfahne spielt, finde ich gut und richtig- er soll sich erstmal einspielen und seine Bindung zur Mannschaft finden, um dann später dem Spiel mehr Impulse geben zu können.
2. Dass im Zentrum keine Anspielstation bei Flanken vorhanden war, liegt m.M.n. eher daran, dass nicht Barrios sondern Lewandowski spielte. L. spielt einfach ein bisschen anders. Ich glaube er selbst hat gestern so gut wie nie aufs Tor geschossen sondern i.d.R. Bälle kontrolliert und auf nachrückende Spieler abgelegt. Ergo ist seine Position in solchen Fällen nicht am 5m-Raum sondern an der Strafraumgrenze.

Johan Petersen 6. August 2011 um 1:05 pm

Sonix. Es war ja keine Kritik an Gündogan – nur eine Feststellung, dass er noch nicht die gleichen Impulse liefert wie Sahin. Was man wie Du auch sagst auch nicht unbedingt erwarten sollte.

Lewandowski spielt in der Tat eher wie eine false nine als Barrios – und das meiner Meinung nach sehr erfolgreich. Es ging aber darum, dass die anderen drei, vier Positionen für den Torabschluß nicht gut besetzt waren, vor allem im Rückraum.

Johan Petersen 6. August 2011 um 1:59 pm

Ich hab den Eindruck, dass bundesliga.de weniger Spieldaten liefert als in der letzten Saison. Vermutlich, um spiegel.de und bild.de zu füttern?

Aber dieser Eintrag legt nahe, dass SpOn nur die Daten, aber nicht das Spiel gesehen hat: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-71291-7.html

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