Bayer vs Dortmund: die Mühen des Erwachsenwerdens

von Johan Petersen am 28. August 2011

Nach dem Dortmunder Auftaktsieg gegen den HSV wollte mir keiner glauben, dass in den Details des Spiels zu lesen war, wie die Mannschaft in einigen kritischen Bereichen noch nicht wieder das Niveau der Vorsaison erreicht hat. Zwei nicht gewonnene Spiele später sitzen die Bayern erst einmal sehr fest im Sattel.

Beide Teams im 4-5-1. Götze zog nach meinem Eindruck dieses Mal weniger oft nach innen als zuletzt. Schürrle kam zunächst über rechts.

Es war ein Mittelfeld-Spiel zweier Top-Mannschaften. Leverkusen arbeitete außergewöhnlich gut gegen den Ball und ließ Dortmund nirgendswo Raum. Bei aller Kritik an den technischen Fähigkeiten Rolfes’ – zusammen mit Bender macht er das Zentrum sehr diszipliniert zu. Auch Werder hat sich am zweiten Spieltag an dieser Stelle die Zähne ausgebissen.

Kagawa konnte sich dem Druck nicht entziehen, Gündogan versäumte es, aus wirklich tiefen Positionen das Spiel zu machen. Hummels bolzte mehr Bälle unbedrängt nach vorne als in der gesamten letzten Saison. Da fehlte gleichzeitig die Ruhe und das Tempo im Dortmunder Spielaufbau.

Dortmunds Viererkette stand sehr hoch und Leverkusen versuchte, die schnellen Außen Schürrle und Sam durch die Schnittstellen einzusetzen. Meistens funktionierte die Abseitsfalle Dortmunds ganz knapp.

Über die gesamte Spielzeit war zu beobachten, dass bei Leverkusen die Abstimmung im Torabschluss nicht funktionierte. Zum Beispiel, wenn bei Flanken beide Angreifer im Strafraum auf den ersten Pfosten liefen.

Willkommen im echten Leben

Nach der Pause veränderte sich die Dynamik etwas, Dortmund hatte mehr Ballbesitz, doch Leverkusen blieb über Konter gefährlich (Schürrle). Hummels hätte für meine Begriffe für seine Grätsche am Strafraum vom Platz gemusst.

Erst nach dem Platzverweis gegen Kadlec hatte Dortmund Räume und konnte diese wegen seiner spielerischen Klasse auch nutzen. Gegen jetzt tief stehende Leverkusener konnten sie mit mehr Tempo Lücken in der Viererkette finden. Leno hexte jedoch im letzten Moment die Bälle aus dem Tor.

Die berechtigte rote Karte gegen Götze kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Gerade erst zum neuen Messi erkoren, muss Götze jetzt sowohl mit dem totalen Fokus auf ihn als auch einem zarten Leistungsloch — persönlich und mannschaftlich — klar kommen. In diesem Sinne steht er für eine Dortmunder Mannschaft, die nach der endlosen Leichtigkeit des Meisterwerdens jetzt erwachsen werden muss. In der Liga wollen alle den Meister schlagen. Die Champions-League hingegen ist eine Schule, in der noch ein Mal ohne Druck gelernt werden kann. Götze wird all dies nur weiter bringen.

Fazit: Schwächen auf hohem Niveau

Es war ein sehr gutes Spiel, vielleicht das beste, das ich in dieser Saison gesehen habe: das Tempo war gut, die Räume eng, es gab kaum individuelle Fehler. Der Platzverweis gegen Kadlec hat die Dynamik erheblich zu Gunsten Dortmunds verändert.

Es ist noch extrem früh in der Saison, aber beide Mannschaften dürften mit dieser Leistung direkt hinter den Bayern landen. Dortmund hat viel von seinem Tempo und Variabilität im Spielaufbau verloren, dürfte aber trotzdem die meisten Gegner schlagen, vor allem zu Hause.

Dutt hat mit Leverkusen viel erarbeitet, vor allem defensiv, doch er muss als nächstes dringend an die Details im Torabschluss ran. Da auch im Großen und Ganzen Bayers Spiel nach vorne zu sehr von den Antritten Schürrles abhängt, hat die Mannschaft erst zwei Tore in dieser Saison erzielt.

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Bayer Leverkusen 0:0 Borussia Dortmund – Das Zwillingsparadoxon « 44quadrat
29. August 2011 um 6:02 am

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