Australien vs Südkorea: die Jungs vom Land trotzen der Hightech-Nation

von Johan Petersen am 14. Januar 2011

Ein Spieler bekommt auf dem Flügel den Ball, und flankt mit dem zweiten Kontakt. Ein Spieler foult 25 Meter vor dem eigenen Tor und dreht sich sofort zum eigenen Torwart, um Anweisungen für den Bau der Mauer zu erhalten. Das ist Australien. Sie sind die sympathischen Jungs vom Land, die anpacken, schnörkellos ihre Aufgaben erledigen und sich vor allem ihrer Grenzen bewusst sind: völlig down to earth. Damit heben sie sich angenehm von den arabischen Mannschaften des Turniers ab, deren Spieler aus jeder Szene ein kleines Drama machen.

Südkorea trat im 4-5-1 an, in dem ManU´s Park hinter der einzigen Spitze Dongwon spielte, die immer wieder auf den linken Flügel rochierte. Über diesen kam Ja Cheol Koo, der in Südkoreas erstem Spiel beide Tore erzielte.

Australien spielte sein klassisches 4-4-2, mit Cahill und Kewell im Sturm. Letzterer ließ sich manchmal etwas fallen.

Südkorea begann abwartend, Australien stürmisch. Allerdings ruht das Angriffsspiel weitgehend auf langen Bällen. Vor allem Neil wurde von der südkoreanischen Spitze immer wieder so angelaufen, dass ihm nichts anderes übrig blieb. Die südkoreanische Abwehr stand erstaunlich tief, vermutlich damit die langen Bälle nicht in ihrem Rücken landeten. Das streckte die Mannschaft allerdings ziemlich, und riss Lücken im Mittelfeld. Australien konnte das mit nur zwei zentralen Mittelfeldspielern im 4-4-2 nicht nutzen.

Serienmäßige Technik

Neil war überhaupt der Mann der ersten Halbzeit: einen südkoreanischen Abschlag ließ er über sich hinweg segeln, und anschließend stellte er sich gegen den nachgerückten Ja Cheol auf die Torlinie, anstatt ihn anzugreifen. Man kann überall Tore verhindern, aber nicht da.

Das Tor beeindruckte Australien und Südkorea hatte anschließend keine Mühe mit seiner serienmäßig eingebauten Technik das Spiel zu kontrollieren. Australien hatte erst kurz vor der Pause wieder eine Chance, als Kewell eine aussichtsreiche Position am Strafraum ausließ, um den Ball auf seinem starken Fuß liegen zu haben. Ein unglaublicher Vorgang.

Die erste Halbzeit ging an Südkorea, aber Australien wehrte sich. Der ehemalige Bundesliga-Spieler Cha Du Ri musste gegen Cahill drei Mal  Elfmeter und Platzverweis riskieren, konnte aber immer klären.

In der zweiten Halbzeit kam es, wie es kommen musste. Nach einer guten Stunde irrlichterte Keeper Jung nach einer Ecke aus dem Tor, und Jedinak kam vor ihm an den Ball. Anschließend spielten beide Mannschaften bis zum Ende nach vorne, und die Abstände innerhalb beider Teams wurden immer größer. Die langen Bälle Neils wurden erfolgreicher, weil von ihnen mehr zweite Bälle gehalten werden konnten.

Südkorea bewegte sich in der zweiten Hälfte mit wie ohne Ball zu wenig als Kollektiv über den Platz. Coach Kwang Rae Cho brachte zwei frische Leute für den angeschlagenen Ja Cheol Koo und den blassen Dongwong. Das löste dieses Problem nicht – dass er einen der neuen in der Schlussphase wieder runter nahm, sprach Bände.

Modernisierungs-Bedarf

Es war ein interessantes Spiel zweier sehr unterschiedlicher Mannschaften. Südkoreas Technik  und Australiens Wille beeindruckten, taktisch hingegen enttäuschten beide wegen der vielen Räume in der zweiten Halbzeit. Südkorea hat es versäumt, entschlossener auf das 2:0 zu spielen (wie Japan gestern gegen Syrien). Gegen einen fußballerisch so limitierten Gegner hat die Mannschaft auch zu wenig Bälle erobert.

Osieck holt aus Australien wohl raus, was rauszuholen ist. Bei bei aller Sympathie muss das Land seinen Fußball modernisieren, um jemals außerhalb des international zweitklassigen Asien-Verbandes eine Rolle zu spielen. Mit ihrem britischen kick-and-rush wirkt die Mannschaft wie die ehemalige Kolonie, die noch immer das von ihrem — längst weiterentwickelten — Mutterland gelernte praktiziert.

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hwk 15. Januar 2011 um 10:39 am

Hab auch Ausschnitte gesehen. Der Verteidiger auf der Torlinie beim 1:0 war schon paradox. Der Gegner steht im Zentrum frei und kann quer angespielt werden. Am Ende waren beide Seiten aber mit dem Ergebniss zufrieden.
Vom Asien Cup habe ich sonst nur mal Ausschnitte mit China, Indien und ich glaube Katar gesehen. Eine Meinung will ich auf den wenigen Minuten nicht aufbauen.

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