Werder vs Köln, das 1:0 und das 2:0

von Johan Petersen am 30. August 2010

Das Bilden von Dreiecken ist eine grundlegende Strategie mit Ball. Der ballführende Spieler sollte mindestens zwei oder drei Anspielstationen haben; am besten werden die Dreiecke flexibel  in 10 bis 15 Metern Entfernung vom Ball aufgebaut, breit und tief. Idealer Weise wird ein Netz aus fünf bis sechs Spielern sukzessive über das Feld gezogen, bis eine Flanke oder ein Pass in die Tiefe möglich ist.

Was mir an der Raute am besten gefällt: die Dreiecke auf dem Flügel werden erst im Laufe des Angriffs aufgebaut, also immer aus einer Bewegung heraus, anstatt dass dort wie im 4-5-1 oder im 4-3-3 bereits Angreifer auf den Ball warten. Denn das erfordert ein sehr gutes Spiel ohne Ball von diesen Spielern (z.B. wie bei Arjen Robben oder Thomas Müller), um sich von ihren Gegenspielern zu lösen. Mit Raute hingegen laufen Spieler flexibel und damit wenig berechenbar in diesen Raum hinein.

Wichtig ist, dass ein Spieler die Position auf dem Flügel besetzt. Hier ist es der rechte Spieler in der Raute (7), es kann aber auch der Spielmacher sein (10). Auch die anderen drei Spieler der Raute verschieben sich zum Flügel, bilden Dreiecke für Pässe und sichern sich gegenseitig ab.

Oben kann zusätzlich eine Spitze (11) auf den Flügel als Anspielstation kommen, während auch der Außenverteidiger (2) an den Kombinationen teilnimmt. (Ich halte es übrigens für falsch, dass bei Werder wegen der Raute die Außenverteidiger per se mehr nach vorne machen müssen als in anderen Mannschaften/Vereinen, wie manchmal zu lesen.)

So kann in diesem wichtigen Raum (siehe Quadrat) ohne lange Laufwege aus der Grundposition heraus Überzahl hergestellt werden – gerade wenn ein oder zwei Spieler diagonal in den Rücken des gegnerischen Mittelfelds gelangen, wird es immer gefährlich. Das hat im Hinspiel gegen das 4-4-2 von Sampdoria gut geklappt und so fielen auch die Tore gegen Köln.

Das 1:0: Köln presst gut gegen Mertesacker (29), Bargfrede (44) und Frings (22), der es aber schafft, den Ball an seinem Gegenspieler vorbei zu Fritz (8) zu spitzeln. Der wird vom Außenverteidiger (2) angegriffen, und spielt den Ball weiter zu Marin (10), der im Rücken des zu hoch stehenden Petit (8) auf den Flügel entwischt. Petit schafft es dann fataler Weise nicht, Marin vor dem Strafraum zu stellen.

Das 2:0: Hier ist es Borowski (6), der aus der Raute die Position ganz außen übernimmt. Bargfrede (44) bekommt einen Pass aus der Abwehr, den er in den Lauf von Borowski auf den Flügel spielt. In der Mitte kreuzen Pizarro (24) und Arnautovic (7). Am Außenverteidiger vorbei kommt Borowski zur Flanke.

 

Dieses Tor zeigt einen weiteren Vorteil der Raute: man hat bei diesen Angriffen über die Flügel fast immer zwei echte Angreifer im Strafraum, die wissen, was vor dem Laden zu tun ist – anders als nachrückende Mittelfeldspieler wie z.B. Marin, der zu klein für Flanken ist.

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