Werder vs Köln

von Johan Petersen am 28. August 2010

War es Werner Lorant, der Flanken einmal zum wahren Manko des deutschen Fußballs erklärt hat?

Die erste Halbzeit gegen Köln war geprägt durch geduldiges Kombinationsspiel gegen einen im Zentrum massiert und geordnet stehenden Gegner – aber wenn dann der Weg auf den Flügel gefunden wurde, flog die Flanke ins Niemandsland. Es wird den Experten auf der Tribüne wieder einmal verborgen geblieben sein, dass Borowski zunächst als einziger das taktische Mittel des Tages beherrschte, nicht nur vor dem 2:0.

Marin war der Zehner in der Raute, und für mich ist er als Spielmacher (erst einmal) durchgefallen. Anstatt sich dieser Rolle anzupassen, hat er sie seinen Fähigkeiten angepasst: auf dem Flügel und entlang der Torauslinie Gegenspieler schwindelig spielen ist sein Ding. Weder hat er dem Spiel aus der Tiefe Rhythmus gegeben, noch hat er tödliche Pässe gespielt, noch ist er im richtigen Moment ohne Ball durch die Abwehr gestartet. Auch weil sein Spiel ohne Ball nicht das eines Hunts oder Özils ist, tat sich Werder schwer – in der ersten halben Stunden waren Bargfrede und Borowski dahinter auch zu uninspiriert, um diese Aufgabenn des Mittelfeldspiels mit zu übernehmen. Arnautovic hingegen ermöglichte mit seiner Beweglichkeit (die Almeida später vermissen ließ) viele Angriffe über die Flügel.

Im und am Strafraum fehlte aber lange die Zielstrebigkeit im Torabschluss.

Der endgültige Podolski-Beweis

Köln war wie erwartet ein biederer Gegner, der sich in der ersten Halbzeit weigerte, nach vorne zu spielen: das Umschalten bei Ballgewinn war nicht bundesligatauglich. Es wird viel davon geschrieben, dass Podolski viele Freiheiten in der Spitze oder dahinter braucht. Diese erste Halbzeit war der endgültige Beweis, dass er eine extrem eng umrissene Aufgabe braucht, die genau auf seine Fähigkeiten in der Offensive ausgerichtet ist (siehe seine Rolle bei Löw). Außerdem hätte die linke Kölner Abwehrseite, über die beide Tore fielen, mehr Unterstützung von ihm gebrauchen können.

Insgesamt haben wir heute die richtige Mischung aus Druck und Geduld gezeigt, der Sieg war trotz der Gegentore (beide nach Standards) nie in Gefahr. In der zweiten Halbzeit funktionierte allerdings das Umschalten lange nicht, weil Almeida und Arnautovic zu weit vorne warteten, und damit bei Ballgewinnen am eigenen Strafraum Anspielstationen Mitte der eigenen Hälfte fehlten.

Wenn Fritz so weiter macht, steht er vor seiner bisher besten Saison bei Werder, die ihn wieder in den Kreis der Nationalmannschaft bringen dürfte.

Ich würde hier gerne etwas Neues erzählen, aber wieder hat Frings mit einem gruseligen Ballverlust unmittelbar ein Gegentor verschuldet.

Update: Also Brecko hatte einen rabenschwarzen Tag. Ein Außenverteidiger ist immer das letzte Glied in der Fehlerkette, aber bei drei von vier Toren sah er nicht gut aus. Vielleicht macht sich da bei dem WM-Teilnehmer fehlende Vorbereitungszeit bemerkbar.

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Tobias (Meine Saison) 29. August 2010 um 12:56 pm

“Ich würde hier gerne etwas Neues erzählen, aber wieder hat Frings mit einem gruseligen Ballverlust unmittelbar ein Gegentor verschuldet.”

An die Szene kann ich mich gar nicht erinnern. Das 1:2 kam doch nach einem Freistoß und das 2:4 nach einer Ecke, oder?

Ich glaube nicht, dass sich Marin an die Spielmacherrolle anpassen lässt. Man muss ihn seinen Stärken nach einsetzen und die hat er nunmal woanders. Deshalb habe ich auch nicht ganz verstanden, warum Werder gestern mit Raute gespielt hat, das Personal hätte eher zu einem 4-2-3-1 gepasst. Wenn Hunt und Almeida wieder richtig fit sind und Wesley noch dazu kommt wird es richtig interessant. Wenn wir dann noch eine halbwegs stabile Defensive hätten…

Das 4:1 von Werder war toll herausgespielt. Das Solo von Fritz, der Laufweg von Almeida, der Abschluss von Arnautovic.

Johan Petersen 29. August 2010 um 7:52 pm

Der Ballverlust führte direkt zu der Ecke.

Ich hatte auch ein 4-5-1 erwartet, wobei Borowski, Bargfrede und Frings auf einmal da schlecht rein passen. Das war vielleicht auch eine Reaktion auf Genua. Ich glaube auch, dass Arnautovic wegen seines großen Aktionsradius in einem Zweier-Sturm gut aufgehoben ist.

bortttonic 30. August 2010 um 8:29 am

Marin war kein Spielmacher, ist kein Spielmacher und wird auch nie ein Spielmacher sein. Genausowenig wie ein Ribery oder ein Robben in der zentralen Position ihre Wirkung haben, hat auch Marin diese nicht. Er braucht die Außenbahn, wo er wenige, direkte Gegenspieler hat, und auch den Platz bekommt, den Gegner auszudribbeln. Das ist seine Stärke. Nicht das Spiel zu lenken und zu dirigieren. Dafür bedarf es jemand anderen.

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