Gestern das Personal, heute das System. Zu Anfang der letzten Saison gab es hier eine große Überraschung, als Marin von Schaaf im Sturm eingesetzt wurde. In dieser Saison werden wir vermutlich zwischen der Raute und dem 4-2-3-1 der letzten Saison pendeln. (Das 4-3-3 der Vorbereitung war für mich dem Umstand geschuldet, dass Marin erst so spät dazu kam, und dass Almeida und Arnautovic Spielpraxis bekommen sollten.)
Es ist gut, zwei Systeme zur Verfügung zu haben. Zwischen Champions-League und St. Pauli und Ahlen liegen schließlich Welten, wenn es um die gegnerische Spielweise geht. Die Raute ermöglicht schnörkelloses Spiel in die Spitze – im 4-5-1 geht es darum, sich mit geduldigen Kombinationen an den Strafraum zu spielen.
Aber: aufgrund unseres Personals bringt ein Wechsel zwischen diesen beiden Systemen auch einen Austausch von Personal mit sich. Denn Marin und Arnautovic sind spezialisierte Flügelspieler, die bei der Raute nur im Sturm spielen könnten (Marin auch als 10er).
Also spielen neben den gesetzten Özil, Frings, Bargfrede und Pizarro in einer Raute eher Borowski/Hunt/Jensen und vorne Almeida oder Wagner. In einem 4-5-1 eher Marin und Arnautovic.
Es könnte also sein, dass Schaaf zu Beginn der Saison noch viel experimentiert, und dann zwei oder drei vermeintliche Stamm-Spieler auf der Bank sitzen, weil sie nicht ins dann gefundene System passen.
Die Raute: Pizarro und Almeida haben im Sturm wenig Konkurrenz. Gegen Fulham haben sie gut harmoniert, haben sich oft kurz angeboten und waren ständig anspielbar. Der Vorteil: bei Flanken (z.B. von Fritz aus dem Halbfeld) befinden sich oft normaler Weise zwei kopfball- und abschlussstarke Spieler im Strafraum.
Dahinter Özil, als Ersatz Hunt oder auch Marin. Auf den Halbpositionen Hunt, Bargfrede oder Borowski (für ihn dies sicher die ideale Position, die er gegen Fulham sehr gut gespielt hat) – eine gute Mischung von offensiven und defensiven Spielern.

Das 4-2-3-1: Ich zeige hier Marin und Arnautovic auf den Außenpositionen, aber Hunt dürfte bei Schaaf erste Wahl sein, und damit sitzt einer der beiden auf der Bank.

Pizarro spielt vorne, nimmt aber auch viel am Spiel teil, indem er oft kurz kommt. Das ermöglicht Özil, sich durch die Abwehr in die Spitze zu schleichen – eine große Stärke von ihm, die in der Raute nicht zum Tragen kommt.
Auf rechts zeigt Arnautovic wenig Finesse in seinen Laufwegen – damit nimmt er Fritz Raum, wenn der Arnautovic ständig an der Außenlinie überlaufen muss. Dieses Überlappen könnte am Anfang ziemlich holprig ablaufen. Allgemein erwarte ich weniger Rochaden der Reihe hinter Pizarro, wenn Arnautovic für Hunt spielt.
Auf links ist Marin variabler, bekommt aber weniger Unterstützung durch Pasanen, der seltener aufrückt. (Wobei sowohl Pasanen als auch Boenisch mit ihrem starken rechten Fuß eingesetzt werden könnten, wenn sie hinter Marin nach innen ziehen – auf rechts geht das mit Fritz nicht.)
Im Mittelfeld hat Bargfrede einen größeren Aktionsradius als Frings, der eher lange Bälle aus der Tiefe spielt - ich hoffe, Bargfrede wird torgefährlicher.
Fazit: Vielleicht hängt das gewählte System am Ende davon ab, welche Spieler verletzt bzw. nicht in Form sind. Wenn Özil geht, steigen vermutlich die Chancen der Raute. Wenn Hugo nicht überzeugt, könnte auch Arnautovic als zweite Spitze neben Pizarro rücken.
Ich denke, dass Schaaf mit der Raute beginnt: Almeida ist gut in Form, während Marin und Arnautovic aus unterschiedlichen Gründen noch nicht überzeugen. Im Laufe der Saison wird er dann zum 4-5-1 übergehen.
Wie und von wem vorne das grün-weißte Feuerwerk abgebrannt wird, spielt ohnehin keine Rolle, wenn hinten wie gewohnt gezündelt wird. Ich wünsche ich mir da zwei Dinge – die Betonung liegt auf Wunsch, und ein frommer dazu.
1. Eine tiefere Viererkette. Zumindest eine flexiblere – wenn wir auswärts in Führung gehen, sollten wir eher an den Strafraum zurück weichen, als weiter hoch und auf abseits zu spielen.
2. Ein besseres Pressing bzw. Umschalten nach Ballverlusten. Ein großer Vorteil der engmaschigen Ballstafetten Spaniens ist, dass sie bei Ballverlust automatisch mehrere Spieler in der Nähe haben. Damit ist in ihre Angriffsweise ihre Verteidigungsstrategie bereits mit eingebaut. Da können wir uns einiges abschauen, um Konter zu verhindern. Gerade das 4-5-1 mit seinem Kombinationsspiel ist dafür geeignet. Die Frage ist, ob Spieler wie Marin oder Arnautovic das beherrschen.
Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.
III. Der schönste Angriff der Saison
IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010
V. Nach der Saison ist vor der Saison

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mal ne Frage zu deinen Wünschen.
Ist es nicht schwer Pressing mit tiefer Abwehr zu spielen? klar, wenn der Gegner das Spiel aufbaut dann muss die Abwehr gut stehen. Aber gerade nach Ballverlusten kann das Pressing der Angreifer und eine sich zurückziehende Abwehr ein Loch vor der Abwehr erzeugen. Mit wenigen Pässen auf einen Spieler in diesen Raum hätte der gegner fast freihe Bahn.
Grundsätzlich ist Pressing immer ein Spiel mit Risiko, gerade wenn der Gegner Verteidiger hat die gut am Ball sind. Versteh mich nicht falsch, ich mag es auch aber man muss dann mit einer etwas höheren Abwehr leben.
Ich meinte unter Punkt 2 das Pressing unmittelbar nach dem Ballverlust, nicht bei gegnerischem Spielaufbau. Man könnte sich auch unter gelegentlichem Attackieren zurück ziehen – bei uns klappt oft weder das eine noch das andere.