Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010 (Saison-Fazit, Teil 4)

von Johan Petersen am 9. August 2010

Anne Will und Thomas Schaaf haben gegen Ende der vergangenen Saison sehr beunruhigende Sachen gesagt.

Will (in der Süddeutschen, Anfang Mai): “Die Qualität dieses Sports wird einem so faszinierend dargeboten, dass man beim Stadionbesuch fast enttäuscht ist und denkt: Was ist das langsam und kraftlos, es passiert so wenig!”

Schaaf (zitiert in der Welt): “Wir müssen aufpassen, dass Nebensächlichkeiten nicht den Fußball total vereinnahmen, denn damit wird irgendwann das Produkt Fußball kaputt gemacht.”

Und weiter: “Wir als Trainer müssen darauf achten, dass Fußball auch Fußball bleibt. Die meisten anderen, die heutzutage mit Fußball zu tun haben, haben andere Interessen.”

In 95 Prozent der Medien-Berichterstattung geht es nicht um die Sache selbst, sondern das drumherum: Emotionen, Personen, Atmosphäre. Geht jemand wie von Will beschrieben mal ins Stadion, ist die Überraschung groß, dass da ein Ball im Spiel ist.

Hier meine persönlichen Top 3 der letzten Saison:

1. Die Serie. Werder hat drei Jahre lang kein Heimspiel im DFB-Pokal? Gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man ein Mal davon in der ersten Runde ausscheidet, und Bundesligisten ohnehin nur 40 Prozent ihrer Pokal-Spiele zu Hause austragen. Es gibt Artikel, die es zum Trend erklären, wenn es im November erst eine Trainerentlassung gegeben hat. Dumm nur, dass in der Saison davor besonders viele, nämlich etwa 16 von 18 Trainer entlassen wurden. Selbst Trainer-Fresser wie Roth konnten sich nur eine oder zwei Entlassungen in zwei Jahren leisten. Das ist wie die Blinker in der Schlange vor der Ampel: obwohl alle Fabrikate einen andere Frequenz haben, blinken irgendwann einmal alle für einen Moment simultan. Und dann eben wieder lange nicht.

Werder hat 20 Spiele hintereinander nicht verloren? Wow. Am Ende waren wir sechster und hatten die Meisterschaft verspielt, und es war lange vorher auf dem Platz zu sehen.

2. Der Vertrag. Nein, nachdem Profis bei uns unterschreiben, schlafen sie nicht den Rest ihres Lebens in Werder-Bettwäsche (umso schöner, dass Frings offensichtlich genau das vor hat). Man muss einfach akzeptieren, dass Spieler, die besten zumal, nur drei Jahre bleiben. (Im Vergleich zu anderen Vereinen sollten wir uns glücklich schätzen – begnadete Spieler wie Micoud, Diego und Özil blieben alle drei oder vier Jahre - dagegen ist der sehr viel finanzstärkere HSV ein Durchlauferhitzer).

Natürlich ist die Zusammensetzung des Kaders und seine Planung kein Nebenschauplatz, sondern steht bei Verantwortlichen und Fans zu Recht im Mittelpunkt der Emotionen. Aber die Anfeindungen gegen Özil in Foren und Kurven haben mich sehr enttäuscht.

3. Der Topf. Es ist völlig egal, in welchem Topf Werder bei der Champions-League-Auslosung landet. Hauptsache, wir sind dabei!

Natürlich ist die Ausbeute sehr dünn.  Bei Werder gibt es kaum Kasperkrams im Vergleich zu Vereinen an Elbe, Isar und Rhein. Durch die Weser muss hingegen eine Art Kühlwasser fließen. (Allerdings mal sehen, was Arnautovic vor hat.)

Außerdem muss man den ganzen Quatsch nicht mehr lesen – es gibt zu viele gute blogs, als dass man noch Zeitungen bräuchte.

Am Ende noch ein beruhigendes Wort an alle, die die Wirklichkeit auf dem Platz enttäuscht: es kommt bestimmt bald einer auf die Idee, sonntags auf dem Domshof die Bundesliga auf Konsole nachzuspielen. Für alle, denen trotz Häppchen und Schnittchen der echte Fußball zu langweilig geworden ist.

Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.

I. Marin vs Almeida

II. Ein norddeutscher Jung

III. Der schönste Angriff der Saison

IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010

V. Nach der Saison ist vor der Saison

{ 4 Kommentare… read them below or add one }

Erik 11. August 2010 um 2:04 pm

Arnautovic ist klasse und wird sich in Bremen sicher beweisen :)

Johan Petersen 11. August 2010 um 3:51 pm

Als Fußballer ist er über jeden Zweifel erhaben. Er muss sich nur in die Gruppe einfügen, und das geht am besten, wenn die Saison läuft und er über Tore und gute Spiele Akzeptanz findet.

Zum Glück gibt es in Bremen im Vergleich zu anderen Bundesligisten quasi keine Boulevard-Presse.

Maria 12. August 2010 um 10:25 am

Was ich von ihm gehört habe hat er sich auch mit Mourinho überworfen! Und jetzt noch mit Schaaf? Das kann nicht gut gehn. Er muss sich wirklich ein bischen zügeln!!

Johan Petersen 12. August 2010 um 2:20 pm

Maria, ich denke nicht, dass er sich mit Schaaf überworfen hat. Die Presse (=Bild) hat das aufgebauscht, und sie haben im Moment keine anderen Themen. Er wird sich in Bremen schon durchsetzen, wenn er erst einmal richtig fit ist.

Kommentar

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