Gegen Köln: wir brauchen Planken, Planken, Planken

von Johan Petersen am 27. August 2010

Der Aktienkurs eines Unternehmens steigt und fällt aus vielen verschiedenen Gründen. Er wird vom Markt mitgesogen, von fundamentals getragen, von den Gewinnen eines Konkurrenten befeuert oder von Spekulanten geshortet.

Dann gibt es noch die technische Analyse jenseits von Nachrichten und Gewinnen oder Verlusten. Händler sprechen manchmal von einem Widerstand, von einer technischen Unter- oder Obergrenze, die getestet wird, und dann doch nicht durchbrochen wird. Der Markt rennt in eine Bande, aufgestellt von Algorithmen und einhundert Jahren Daten, die den historischen Kurs des Unternehmens in Bezug setzen zu anderen Ereignissen und Kursverläufen im Markt. Sie schaffen ein Band Wahrscheinlichkeit, in dem sich der Kurs wohl fühlt. Oder der Markt durchbricht diesen Widerstand, und das verlangsamt den Kurs nicht etwa, sondern gibt ihm neuen Schwung mit bis weit ins nächste Band.

Bei Werder lohnt sich die technische Chart-Analyse nicht: es geht rauf und runter, mit Ausschlägen nach unten wie gegen Hoffenheim und Genua Sampdoria, die uns in den Abgrund namens Mittelmäßigkeit Europa League blicken lassen. Es gibt kein Band, in dem wir uns durch die Saison bewegen.

Künstler vs Zimmermann?

Schaaf ist ein genialer Künstler, der feinste Verästelungen in unser Offensiv-Spiel geschnitzt hat, an denen sich Fußball-Ästheten aus der ganzen Liga erfreuen. Doch über all die Jahre hat er es nicht geschafft, sich zügig in einen Zimmermann zu verwandeln, der auch einmal kräftige Planken und Bohlen in die Hand nimmt, und sie quer ins Gebäude nagelt, wenn das Gebilde anfängt zu wackeln.

Wie sehen solche Planken aus? Prinzipiell braucht es einen breiten Kader (den wir haben, wenn Silvestre noch kommt) und Ersatzspieler müssen formschwache Spieler laut Leistungsprinzip verdrängen können.

Aber auch mitten in der Saison kann gehämmert werden. Eine große Planke Werders Fall wäre eine tieferstehende Viererkette. Es gibt auch kleinere, sehr effiziente Nägel: man kann es Mertesacker per taktischer Anweisung untersagen, bei der Balleroberung den Ball mit einem Kontakt zu einem Mitspieler zu spielen: wenn zwei Kontakte nicht möglich sind, geht der Ball auf die Tribüne. Das 2:1 in Hoffenheim wäre nicht gefallen. Man kann spielverliebten Typen wie Bargfrede oder Hunt Dribblings, vertikale Pässe oder Aktionen mit nur einem Ballkontakt im eigenen Spielfelddrittel untersagen. Das 3:0 bei Sampdoria wäre nicht gefallen.

Immer eine Idee

Das bedeutet weniger Spektakel. Aber wir können uns das leisten, denn Pizarro und Marin haben vorne immer eine Idee. Hat sich die Leistung stabilisiert, können diese Beschränkungen zu Gunsten von mehr Risiko aufgehoben werden. Aber unsere Krisen, wie wir sie in den letzten Jahren immer hatten, sind weniger lang und tief, und wir liefern konstantere Ergebnisse über die Saison hinweg ab.

Vor dem Spiel gegen Köln ist für mich bereits eine Phase gekommen, in der Stabilisierung des Gebäudes oberste Priorität sein sollte. Ein derart angeschlagener Gegner kommt uns recht: man muss ihn nicht ständig unter Druck setzen, damit er Fehler macht, Geduld reicht. Mit Mohamad und Geromel fällt das Abwehrbollwerk der vergangenen Saison aus, und der Ersatz McKenna ist nicht der schnellste.

Ist Hunt fit, hat Schaaf eine gerade zu unüberschaubare Menge an Optionen. Raute oder 4-5-1, jeweils in unterschiedlicher Besetzung. Zu den Planken gehört aber auch, dass nicht fitte Spieler nicht eingesetzt werden.

Marin braucht Hilfe

Ohne Hunt lohnt sich die Raute nicht, und in einem 4-5-1 könnte man Borowski hinter der Spitze ausprobieren. Er verbreitet kein Spielmacher-Flair, aber er hat die drei wichtigen Eigenschaften, die diese Position braucht: schnelle, vertikale Pässe durch die Kette, passabler Torabschluss/sehr guter Schuss aus der zweiten Reihe, weiträumiges, wenig berechenbares Spiel ohne Ball und Antritte durch die gegnerische Kette.

Marin kommt in Form, und gegen die Kölner Raute dürfte er auf dem Flügel ähnlich Platz haben wie gegen Sampdoria. Aber er braucht mehr Unterstützung von einem aufgerückten Außenverteidiger – jedes Dribbling lebt davon, dass die Gegenspieler Passwege abdecken müssen. Pasanen braucht keine dreifachen Übersteiger zu zeigen, aber er sollte Marin bei jedem dritten oder vierten Angriff außen überlaufen. Daher könnte Boenisch die bessere Wahl sein.

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Conti 28. August 2010 um 12:13 pm

Richtig. Aber so lange Werder “etwas anbieten” will wird das wohl nie passieren. Werder bleibt halt Werder. Aber sinnvoll wäre es allemal.

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