Nach einer kleinen Unterbrechung durch die WM geht es hier wieder um die Farben, die uns wirklich interessieren: ich kann es kaum erwarten, dass der Ball in der Liga endlich wieder rollt.
Und dieser Teil des Saison-Fazits ist vor allem ein Blick voraus. Denn neben der möglichen Champions-League-Qualifikation hat die Saison 2009/2010 etwas noch dauerhafteres hervor gebracht: Philipp Bargfrede.
Mit ihm hat Werder endlich wieder, zum ersten Mal seit Aaron Hunt, selber einen Mittelfeldspieler produziert, der zum besten der Liga gehören wird.
Wenn man ihn mit einem Wort beschreiben müsste: unprätentiös. Neben dem Platz sowieso: Irgendwie erinnert er mich an die kommerzfreien 80er Jahre, aus denen unser Cotrainer vorbei an Entertainment und Show der 90er Jahre und unserer Zeit direkt auf unsere Trainerbank gebeamt wurde. Die gleiche Zeit, in der auch sein Vater seine Karriere bei St. Pauli bestritt. 111 Spiele, 1 Tor.
Das gilt auch für sein Spiel. Bargfrede macht viele einfache Dinge, wenig spektakuläres. Er ist ein laufstarker Spieler, der in Vorwärts- wie Rückwärtsbewegung dem Team hilft, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen klein zu halten. Wenn die Reihe vor ihm den Ball verliert oder mit einem Rückpass den Ball sichern muss, ist er in der Nähe. Er hat den Radius eines Frings in jungen Jahren.
Daneben sollte man aber nicht seine sehr gute Technik, vor allem seine Ballverarbeitung übersehen. In unübersichtlichen Situation, auf engem Raum — zum Beispiel in der Balleroberung – hat er daher sofort Lösungen bereit. Wie er jetzt in einem der Testspiele vor dem Torwart einen Ball mit dem Außenrist aus dem Himmel holte, war sehenswert. Er spielt nicht die genialen Bälle in die Tiefe, aber er fügt sich ohne Reibung ins Schaafsche Kombinationsspiel ein.
Ein in seiner Komplettheit moderner Spieler, und dazu auch noch aus der Umgebung: ein echter local hero. Vom 15. bis zum 23. Spieltag fehlte er 2009/2010, und es ist kein Zufall, dass unsere fünf Niederlagen am Stück in diese Phase fielen. Ich glaube nicht, dass er in seinem zweiten Profi-Jahr in ein Loch fällt, sondern — ähnlich wie Khedira — auch im Spiel nach vorne noch mehr Dominanz entwickeln wird.
Mein Saison-Fazit in fünf Folgen.
II. Ein norddeutscher Jung
III. Der schönste Angriff der Saison
IV. Kasperkrams – die Top 3 der Saison 2009/2010
V. Nach der Saison ist vor der Saison

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Dann fehlt uns jetzt nur noch ein “Typ Schweinsteiger” im defensiven Mittelfeld, der das Spiel lenkt. Ein Stratege halt. Vielleicht tut sich da ja noch etwas in der Sommerpause.
Als nicht Werder-Fan habe ich Bargfrede bisher kaum beachtet. Ein Umstand den ich nach dem Lesen dieses Posts kommende Saison zu ändern gedenke. Vielen Dank dafür.
@ Tobias. Ja, wir brauchen jemanden, der im defensiven Mittelfeld das Spiel aus der Abwehr heraus schnell macht – Frings erfüllt diesen Part ja nicht mehr so richtig.
Daher hoffe ich, dass Bargfrede und auch Borowski topfit und in guter Form in die Saison gehen, um die Anlaufschwierigkeiten der WM-Fahrer und Frings nach seiner Verletzung auszugleichen.
Vielleicht kann ja Wesley die Lücke schließen? Für mich ist Bargfrede vielleicht sogar der Spieler der Saison, da er aus dem Nichts kam und sich schnell unentbehrlich machte. Vor allem in den Spielen ohne ihn wurden die Defizite von Frings um so deutlicher. In den Spielen mit Frings und Boro vor der Abwehr fehlte gerade die oben angesprochene Laufbereitschaft und der Einsatz.
Ja, Bargfrede war DIE Konstante in der Rückrunde und meinem Kickerteam (wo er kommende Saison sicher über den bisher aufgerufenen 300.000 € zu haben sein wird).
Gegen Santander hat er wieder einige gute Bälle erobert, u.a. direkt vor dem 2:0. Er ist auch immer bemüht, diese kleinen, vertikalen Stichpässe zu spielen, anstatt mit Querpässen das Spiel zu verlangsamen. So wie er Özil das spielentscheidende Solo gegen Schalke aufgelegt hat, wenn ich mich richtig erinnere.