Oh je, Frankreich. Alle Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Es steht keine Einheit auf dem Platz, und es gibt keine Mechanismen im Spiel nach vorne.
Sie haben das Spiel kontrolliert, aber Uruguay wirkte bei Ballbesitz gefährlicher. Der Unterschied lag im Spiel ohne Ball. Die beiden Spitzen Uruguays haben sich immer wieder geschickt durch die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld bewegt, sind entgegen gekommen und haben Platz fürs Mittelfeld geschaffen. Ein strukturiertes Angriffsspiel, bei dem man immer die Idee dahinter erkannte, auch wenn sie nicht immer umgesetzt wurde.
Ganz anders Frankreich. Keine diagonalen Laufwege, die Offensivspieler werkelten für sich in ihrer Zone. Der Spielaufbau fand zu selten über die 6er (von denen Diaby allerdings viele gute Ansätze zeigte) statt, damit kamen zu wenig Anspiele durchs Zentrum auf den Spielmacher oder die Spitze. Wenn stattdessen früh über den Flügel auf Ribery eröffnet wurde, konnte Uruguay ihn rechtzeitig stellen. Evra und Ribery schienen bei jedem Angriff aufs Neue festzustellen, dass sie in der gleichen Mannschaft spielen. Vielleicht weil Ribery in der Vorbereitung oft über rechts kam, und Malouda über links.
Frankreich’s FFF muss eine seltsame Verbandsstruktur haben, dass Domenech so lange von der Final-Teilnahme 2006 zehren konnte. Schon verrückt, wie oft er zuletzt die Mannschaft umstellte, und man sah gestern das Ergebnis der ständigen Änderungen und Spannungen in der Mannschaft.
Das Spiel war eine Warnung an uns: im 4-2-3-1 müssen die Laufwege abgestimmt sein, und 10er und Spitze müssen immer anspielbar sein, damit Überraschungseffekte entstehen und der Gegner erst spät im Angriff weiß, über welchen Flügel er gespielt wird. Von den Anspielen von Khedira auf Özil, der dann einen Flügel einsetzen oder auf die Kette zulaufen kann, erhoffe ich mir viel. Weder Toulalan noch Gourcuff konnten diese Akzente setzen.
