Jetzt ist mir auch klar, warum das englische Wort für Schadenfreude schadenfreude ist.
Allerdings hat der Fehler von Green ein zweites, vielleicht grundlegenderes Problem Englands aufgezeigt. Die Abstimmung zwischen Gerrard und Lampard stimmt nicht. Ohne fest verteilte Rollen zeigen beide zuviel Offensivdrang – aber die zentrale Position vor der Viererkette muss immer von einem Spieler gehalten werden, vor allem wenn der Gegner mit Donovan und Dempsey zwei starke und relativ zentral spielende offensive Mittelfeldspieler einsetzt.
Das war vor allem dann verhängnisvoll, wenn der linke Außenverteidiger in einen vorgezogenen Zweikampf oder Kopfball gezwungen wurde, und diesen verlor. So auch vor dem Ausgleich, als die USA plötzlich mit drei offensiven Leuten auf die Abwehr zuliefen, im Rücken von Gerrard und Lampard, und dann vier gegen fünf spielten.
Ich verzweifelte schon, weil Dempsey lieber Kreise drehte, als den Angriff sauber auszuspielen – einen Moment später war klar, warum.
England war besser, hat aber einfach Probleme bei Ballbesitz. Der Spielaufbau ist kümmerlich im Vergleich zu dem versierten, klaren Passspiel anderer Spitzenmannschaften wie Argentinien, Spanien und wohl auch Deutschland. Die Übergänge ins offensive Mittelfeld und dann zu Rooney, der überhaupt nicht ins Spiel kam, funktionierten nicht.
Die USA haben mir gefallen – leider hat Donovan nach der Pause stark abgebaut. Vielleicht fehlt ihm die Kraft, über 90 Minuten Akzente zu setzen. Und sie müssen das Stellungsspiel von Onyewu in den Griff bekommen, der zu oft seine Position in der Kette für Himmelfahrtskommandos aufgibt.
Vor dem 1:0 orientiert er sich zu Rooney, und öffnet damit genau den Raum, in den Gerrard dann diagonal in seinem Rücken reinlaufen kann. Natürlich ist es geführlich, wenn ein Spieler wie Rooney 25 Meter vor dem Tor den Ball hat, und das defensive Mittelfeld hatte den Raum nicht richtig besetzt – aber das war nicht gravierend genug, als dass sich ein Innenverteidiger soweit raus ziehen lässt. Das sollte immer die allerletzte Option sein. Daher hätte Onyewu länger versuchen müssen, beide Aufgaben solange zusammen anzugehen, bis ein Mitspieler Rooney unter Druck setzen kann. ZM hat das hier schon grafisch aufbereitet, deswegen verzichte ich auf Bildchen.
England wird sich steigern, und trotz aller Schwächen spiele ich im AF lieber gegen Slowenien oder die USA. Eine spannende Gruppe.
