Die meisten Mannschaften verteidigen nach außen. Alle Verteidiger versuchen im eins gegen eins, den Gegner zur Außenlinie abzudrängen. Die Logik dahinter: je weiter außen, desto torungefährlicher ist ein ballführender Spieler. Und an der Außenlinie kann einem Spieler im Pressing leichter der Ball abgejagt werden – er hat 180 Grad Platz für Passspiel und Dribbling, in der Mitte des Spielfelds sind es 360 Grad, er wird sich fast immer befreien können.

Die etwas modernere Variante: nach innen zu verteidigen. Bei dieser Taktik wird der ballführende Gegner ermutigt, nicht Außen, sondern innen am Verteidiger (7) vorbei zu gehen. Das Ziel ist, ihn in den Bereich des Spielfelds zu treiben, in dem die Räume am engsten sind: das Zentrum. Er wird in einen Trichter getrieben, dessen Sog er sich nicht mehr entziehen kann, und an dessen Ende ein unvermeidbarer Ballverlust warten soll.

Von der gewählten Taktik hängt ab, wo der Verteidiger im Verhältnis zur Torlinie (schwarze gestrichelte Linie) steht (Position 1), wie er sich dann dreht (2) und mit welchem Bein er zuerst in den Zweikampf geht. Gruppentaktik und Individualtaktik überlagern sich also, und eventuell muss der Verteidiger sein Spiel umstellen und sein im Zweikampf schwächeres Bein wählen.

Die größte Herausforderung für das Verteidigen nach Außen und das Stellungsspiel im Zweikampf ist ein Spieler wie Robben, der spiegelverkehrt agiert, weil er seinen starken Fuß innen hat und deswegen permanent ins Zentrum zieht. Der Verteidiger muss also sehr weit nach innen versetzt stehen (Position 3), um das zu verhindern (schwarzes Dribbling). Dann ist er aber weit weg, wenn der Angreifer auf dem Flügel davon zieht (weißes Dribbling). (Während Robben fast alles mit dem starken Fuß macht, ist auf der anderen Seite Ribery viel weniger berechenbarer, weil er mit seinem guten linken Fuß den Ball ohne Probleme außen am Verteidiger vorbei führen kann. Damit ist er noch schwieriger zu verteidigen.)
Bei Robben kommt noch hinzu, dass sein Spiel ohne Ball sehr gut ist: er täuscht lang an, kommt kurz, und täuscht ein entgegen Kommen an, und geht dann aber lang (letzteres war der Ausgangspunkt dieses Gegentors). Er verlässt im richtigen Moment die Außenlinie, um in Richtung Halbposition angespielt zu werden. Kann er sich dann mit der Ballannahme zum Zentrum hin drehen, brennt es.
Gefährlich wird vor allem, wenn der Innenverteidiger (3) im Spielaufbau den Sechser (6) überspielt und Robben den Ball zu ihm klatschen lassen kann. Dann kann der Sechser ihn wieder anspielen (hier nicht dargestellt), oder den in den durch Robbens Laufweg geöffneten Raum gestarteten Außenverteidiger anspielen.

Ich bin gespannt, ob Schaaf morgen wie zuletzt mit Raute oder im vier-fünf-eins spielen lässt. Bei letzterem kann man vermutlich schneller am Flügel gegen Robben und Ribery Doppeln. Dass das zu spät geschah, war ein Hauptgrund für das bereits oben verlinkte Tor der Bayern. Andererseits taugt Borowski, dessen Spiel in der Raute besser zum Tragen kommt, eher zu Defensivarbeit als Marin und Hunt. Im Verbund mit Petri kann er Robben hoffentlich vom Tor weg halten.
Jetzt kann man eigentlich nur noch anpfeifen. Beim Singer gibt es auch noch weiterführende Lektüre, hier und da.
I. Der DFB-Pokal ist ein Kindergeburtstag
II. Bayerns Flügelzange: In welchem Drittel kneift man sie?
III. Robben-Jagd auf Finnisch: von außen nach innen oder von innen nach außen?

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