Der neunte September 2001 war der vielleicht wichtigste Tag in der Trainerkarriere von Thomas Schaaf. Nach einem schwachen Saisonstart stand Werder im Keller. Schaaf hat kurzerhand die beiden größten Werder-Ikonen der 90er Jahre, Eilts und Herzog auf die Bank gesetzt, einen jungen Mann von der rechten Seite vor die Abwehr befördert, und Banovic zum neuen Regisseur gemacht. Er hat die Probleme analysiert, und auf dem Platz gehandelt. Am Ende wurde Werder sechster, UEFA-Pokal.
“Ich musste etwas ändern,” hat Schaaf damals in etwa gesagt, hat mit seiner trockenen Art, mit diesen einfachen Worten einen gewaltigen Umbruch in der ersten Elf beschrieben.
Nach fünf Niederlagen in Folge, sieben sieglosen Spielen, ist Werder wieder in der Krise. Es ist jetzt die Aufgabe von Schaaf, die Lage zu analysieren und auf dem Platz zu handeln.
Für mich ist Torsten Frings eine wesentliche Ursache der Talfahrt. Vor seiner Verletzung im Herbst war er in guter Form, aber seitdem ist er ein Sechser, der den Ansprüchen von Werder nicht mehr genügt. Er gewinnt wenig Bälle, kommt spät in die Zweikämpfe und leistet sich viele einfache Ballverluste. Seine An- und Mitnahme läuft wie im Lehrbuch immer zum Mittelfeld hin ab – man sieht ihm an, dass er den Schaafschen Spielaufbau in den Füßen hat, aber die Umsetzung ist langsam, er hält viele Bälle zu lange. Oft steht er falsch, wie vor dem 0:1 gegen Schalke. (Das liegt allerdings manchmal auch daran, dass die Flügelspieler der Raute nicht genug helfen. Der Sechser kann den Außenverteidigern nicht gegen gegnerische Flügelspieler helfen, er muss das Zentrum halten, den Raum vor den Innenverteidigern sichern.)
Schaaf und Allofs sind der Meinung, Frings sollte nach Südafrika fahren. Hoffentlich sagen sie das, um sich öffentlich vor ihren Kapitän zu stellen. Wenn sie tatsächlich dieser Meinung sind, zeugt das von einem bedenklichen Realitätsverlust. Dann sollte man ihnen schnellstens ein Band mit den Leistungen von Khedira und den neuen Qualitäten von Schweinsteiger schicken. Die spielen auch vor der Abwehr, aber in einer anderen Liga.
In Werders Spielsystem, das sich vor allem über eine oft sehr hochstehende Viererkette definiert, ist ein überdurchschnittlicher Sechser aber unabdingbar. Wenn die Viererkette kurz hinter der Mittellinie steht, muss der Raum unmittelbar vor der Abwehr beherrscht werden, damit der Gegner keine kontrollierten Flachpässe in die Tiefe spielen kann, und lange Bälle nicht per Kopf durch die Innenverteidiger in den Lauf eines Stürmers verlängert werden können.
Deswegen war der wahre Verlust im vergangenen Sommer der Abschied von Frank Baumann, nicht der Abgang von Diego. Diesen Verlust hat der Kader nicht kompensieren können.
Alte Zöpfe soll man abschneiden, und daher sollte sich Werder im Sommer von Frings trennen und sich jetzt nach einem Nachfolger umschauen. Im eigenen Verein und auf dem Transfermarkt. Wenn sich die jetzige Lage nicht ändert, sollte Schaaf Frings sogar vorher schon auf die Bank setzen. Wobei es leider aus anderen Gründen keine echte Alternative gibt.
Aber kann Schaaf das? Frings ist sein Kapitän, wegen ihm ist er nicht nach Juve gegangen, sondern bei Werder geblieben. Das Verhältnis der beiden soll über die Jahre sehr eng geworden sein. Kann Schaaf noch wie als junger Trainer einen verdienten Spieler, einen echten Werderaner, einen Kapitän auf die Bank setzen? Kann er sich noch verändern?
Der Adjutant, den Schaaf damals im September vom Flügel ins Zentrum versetzt hat, und damit das Denkmal Dieter Eilts vom Sockel geholt hat, hieß Torsten Frings.
Ich gehe jetzt zu meinem Kleiderschrank, ziehe mir ein Frings-Trikot an, hole mir ein Bier aus dem Kühlschrank und hoffe vor dem Fernseher, das alles irgendwie besser wird. Dass Schaaf sich noch ändern kann.

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Diesmal stimme ich bedingt zu, m.E. fehlt Frings die Spritzigkeit wg. fehlender Fitniss oder fortgeschrittenem Alter, das kann ich nicht beurteilen. Daraus resultiert die schleppende und oft unpräzise Spieleröffnung. Mit P. Bargfrede steht allerdings ein durchaus hoffnungsvoller und mit D. Jensen (so er denn Fit ist) ein erfahrener Spieler bereit, den Kapitän zu beerben.
Ja, wobei sich Bargfrede bis jetzt erst mal nur ein hoffnungsvoller Spieler ist. Ob er mal das Niveau eines Baumann erreichen kann, muss man noch sehen. Von Jensen halte ich sehr viel, aber wer weiß, ob er noch mal eine ganze Saison spielt.