Ecke: Der Abwehrspieler aus der Gattung Herdentier

von Johan Petersen am 7. Januar 2010

Der Mensch ist immer wieder Herdentier. Sieht man an den Finanzmärkten: wenn drei Händler in eine Richtung laufen, rennt der Rest irgendwann mit. Es könnte ja Geld zu verdienen sein. Es könnte ja ein Löwe im Savannengras lauern.

So funktioniert das auch im Strafraum, und der Bruchteil eines Moments, in dem die Instinkte das Training außer Gefecht setzen, ist fürs Tore schießen am besten.

Die Spieler (blau) sammeln sich hinten, und laufen dann nach vorne, um sich vor ihren Gegenspielern (weiß) einen Vorsprung zu erarbeiten. Es geht aber auch anders herum: denn in diesen Sog lassen sich alle reinsaugen.

Daher sind Ecken auf den langen Pfosten so gefährlich, ein Angreifer (rot) muss nur im richtigen Moment stehen bleiben; wenn sein Gegenspieler unbedingt bei den anderen dabei sein will, springt er unter dem Ball durch:

 

Bei Werder werden diese Bälle von Özil zum Tor hingedreht, aber es geht meiner Meinung nach besser, wenn ein Rechtsfuß den Ball vom Tor weg dreht.

Dieser ehemalige Grieche bei Frankfurt, mit dem Diego sich mal länger unterhalten hat, hat so in einer Saison mal etwa  ein halbes Dutzend Tore gemacht. Cannavaro war so trotz seiner für einen Innenverteidiger eher geringen Größe immer gefährlich. So ist zum Beispiel Drogba unter einer Ecke durch gesprungen, und Mertesacker hinter ihm hat das entscheidende 1:0 zum Sieg gegen Chelsea geköpft.

Hinten sollte sich immer einer zum zweiten Pfosten wegschleichen. Oft erwischt ein Angreifer den Ball nur mit der Stirn, und er geht am zweiten Pfosten vorbei. Wenn hinten einer durchläuft, kann er diesen Ball aus zwei oder drei Metern verwerten. Manch Abwehrspieler schaltet schon ab, wenn der Löwe woanders zubeißt, bleibt stehen – und dann klingelt’s hinter ihm.

Das macht normaler Weise ein nicht so kopfballstarker Angreifer. Bei Werder früher Ailton, heute Rosenberg oder Hunt.

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