Dieses Tor war der endgültige Beweis, dass Mesut Özil das Potential hat, einmal in einem Atemzug mit Micoud und Diego genannt zu werdem. Hier durch seine blitzschnelle Auffassungsgabe und das klasse Timing seines Passes.
Das Tor zeigt auch, was eine hochstehende Viererkette gepaart mit Spielern wie Frank Baumann und Özil für Wunder wirken kann: sechs Ballkontakte, drei Stationen, vier Sekunden nach Balleroberung klingelt’s. (Sie kann auch ins Verderben führen, bevorzugt bei Auswärtsspielen in Stuttgart. Mehr dazu demnächst, aber hoffentlich nicht morgen.)
Die Ausgangssituation: Bayern erobert den Ball und kontert: Ze Roberto führt den Ball quer durchs Mittelfeld. Entscheidend: Werders Viererkette weicht nicht zurück, sondern bleibt etwa 25 Meter hinter der Mittellinie stehen (weiße gestrichelte Linie). Naldo greift Ze Roberto an, der in seiner Zone steht (blaue Linie). Toni und Podolski stehen beim Pass deutlich im Abseits.

Der Spielzug: Dann Frank Baumanns (6) große Stärke, das schnelle Umschalten, in Reinform. Er spielt den Freistoß sofort vertikal auf Mesut Özil (11), der kurz nach Ballverlust der Bayern noch ungedeckt ist. 
Der Torabschluss: Özil nimmt den Ball zum Spielfeld hin mit, und spielt sofort vertikal in die Spitze. Der ihn angreifende Lucio (2) kommt zu spät. Rosenberg (9) nimmt den Ball hinter dem Rücken von Demichelis so geschickt mit, dass er mit dem dritten Ballkontakt frei vor Rensing abschließen kann.

Jürgen Klinsmann sollte nie wieder so dicht an den von ihm zuerst für die Nationalmannschaft propagierten schnellen, vertikalen Fußball kommen wie bei diesem Spielzug. Er saß nur dreißig Meter entfernt an der Seitenlinie.
