Als letzte Einstimmung auf die bald beginnende Bundesliga-Saison eine Rückblende zu einem der leckersten Fußball-Leckerbissen der letzten Jahre.
Der Anpfiff des Schiedsrichters ist für die Heimschaft wie die Öffnung der Tore für ein Rennpferd: es geht von Anfang rund. Angriff um Angriff läuft aufs Tor, der Gegner kommt nicht ins Spiel und jedes Mal, wenn ein Spieler aufs Tor schießt, geht die Kugel in den Knick, jedes Mal, wenn ein Angreifer frei vor dem Tor auftaucht, ist er eiskalt. Der Gegner hat ein Mal Pech mit einer Schiedsrichterentscheidung, schießt selber auch ein frühes Tor, doch zur Pause steht es 4:1.
Leider hat der Fußball-Gott am Samstag in der Pause den falschen Knopf gedrückt, uns zurück ins Jahr 2010 gebeamt; der zweite Teil des Jahrhundert-Kicks, in dem sich die Auswärtssmannschaft nie aufgibt, und zwischenzeitlich noch ein 4:4 schafft, fiel aus. Ich hab gedacht, ich bin im falschen Film.
Bei der Fehleranalyse wüsste ich nicht, wo anfangen. Der Singer hat sich schon an die Arbeit gemacht. Die ersten zwanzig Minuten schienen OK zu sein, die Ordnung stimmte halbwegs, und wir eroberten zwischen den 10. und 20.Minute sogar relativ viele Bälle mit einer Mitte der eigenen Hälfte stehenden Viererkette.
Doch dann gab es einen kollektiven Aussetzer. Dem Passspiel fehlte Genauigkeit, und die Ordnung ging verloren, insbesondere die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen.
Vielleicht sollte man keine Spieler heraus greifen, aber Pasanen und Frings fielen in einem schwachen Team noch einmal ab. Vor dem 1:1 geht Pasanen mit dem falschen Fuß in den Zweikampf, der Nachteil eines Rechtsfüßlers auf links. Vor dem zweiten Tor hebt er das Abseits auf.
Vor dem dritten Tor wird Frings zwar gefoult, aber seine Drehungen um die eigene Achse haben den Durchmesser und das Tempo eines alten Volvos, und er lebt in diesen Situationen mangels Tempo schon lange von seiner Geschicklichkeit, sich foulen zu lassen.
Doch er war der letzte Mann im Mittelfeld, es spielt keine Rolle, wie weit vor dem Tor er steht; da ist es seine Aufgabe, auf jeden Fall den Ballbesitz zu sichern, und nicht die Form des Schiedsrichters zu testen. Die Spanier haben bei Ballverlust sofort Spieler in der Nähe - bei uns kann der Gegner dann sofort über das ganze Feld auf unsere Kette zulaufen, und Schaaf schafft es seit Jahren nicht, dieses Problem zu lösen und mehr Defensive in unsere Vorwärtsbewegung einzubauen. Wie kann ein so erfahrener Spieler die Gefährlichkeit dieser Situation nicht erkennen?
Vor dem 4:1 verliert Frings ebenfalls den Ball. Es war klar, dass es in dieser Saison eine Debatte geben würde, ob Frings auf die Bank gehört. Dass wir sie schon nach dem ersten Spieltag haben, überrascht selbst mich.
Ähnlich Mertesacker. Vor dem 2:1 steht er zu weit außen, seine Balleroberung landet sofort wieder beim Gegner, und so verwandelt er im Alleingang eine harmlose Situation — Einwurf für den Gegner in dessen Hälfte — in ein Gegentor. Er hat sich über die Jahre bei uns nicht weiter entwickelt, und ich hoffe, im nächsten Jahr kommt bei uns endlich frischer Wind in die Innenverteidigung.
Es war erschütternd, wie wenig Torchancen die Mannschaft über 90 Minuten heraus spielte. Die Stürmer hingen komplett in der Luft, unser Kombinationsspiel aus dem Spiel gegen Genua war verschwunden. Schwer zu sagen, wie es innerhalb von drei Tagen einen solchen Einbruch geben kann. Man könnte noch vieles schreiben, über die Kader-Planung zum Beispiel. Jetzt sollten wir abwarten, und hoffen, dass wir eben im ersten Spiel den Ausrutscher erledigt haben, den man immer mal hat.
Ich dachte, das Spiel sei eine Rückblende auf unser 5:4 gegen Hoffenheim 2008/2009 mit vertauschten Trikots. War es leider nicht, die Saison hat begonnen, auch wenn vier Gegentore in 20 Minuten nicht nahe legen, dass das bei allen angekommen ist.
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Nachbetrachtung