Was will Willi?

von Johan Petersen am 18. November 2011

Ich gebe mich hier nur noch mit dem großen Ganzen ab. Die wochendliche Grundlagenarbeit wird auf ballverlust.net erledigt. Und jetzt hinein ins Geschehen:

Die Transferbilanz von Klaus Allofs war lange Zeit über jeden Zweifel erhaben. Der Einkauf von Johan Micoud allein hat die Fachwelt vor Neid erblassen lassen.

In den letzten zwei Jahren, seit dem Sommer 2009, sieht die Sache ganz anders aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass am Samstag in Gladbach wie zuletzt mehrfach nach Umstellungen während des Spiels Aaron Hunt oder Marko Arnautovic hinter den Spitzen beginnen. Damit würden mit Marko Marin, Mehmet Ekici und Wesley etwa 20 Millionen Euro Ablöse auf der Bank sitzen.

Das ist eine Bruchlandung im Luxus-Segment, die sich ein mittelständischer Verein wie Werder Bremen nicht leisten kann und Allofs ist dafür verantwortlich.

Schlamperei

Alle drei Spieler haben eines gemeinsam: sie sind technisch sehr gute Fußballer. Sie stehen für Kreativität, für Fantasie. Doch alle drei haben haben ebenso gemeinsam: teilweise enorme taktische Defizite und Schwächen in der Entscheidungsfindung.

Wesley ist das Extrem dieser drei Spieler. Nach seiner Verpflichtung hat Allofs sehr sinngemäß, sehr ungefähr dieses gesagt: “Wir hatten ihn nicht unbedingt auf dem Zettel, aber als wir hörten, wie wenig Geld dieser Spieler kosten sollte, haben wir zugeschlagen.”

Heute wissen wir, warum Wesley, ohne Zweifel ein Bewegungswunder mit seinen grazilen Abläufen, so billig war – denn er hat eine höchstens rudimentäre taktische Ausbildung erhalten, für die die Bundesliga mehrere Nummern zu groß ist. Von weitem sieht dieser Transfer nach gründlicher Schlamperei aus.

Arnautovic hat ein ähnliches Profil wie diese drei, doch wenn er seine jetzigen Leistungen konservieren kann, müsste man seinen Transferwert am Ende der Saison vermutlich kaum runterschreiben.

Ein Schritt ins Leere

Diese Transfers fielen in eine Phase, als Werder den Schritt von einer Mannschaft, die fast immer in der Champions-League spielt und gelegentlich den Pokal gewinnt, hin zu einer Mannschaft machen wollte, die sich fast immer fürs Achtelfinale der Champions-League qualifiziert und in der Liga sich immer enger an die Bayern heran robbt.

An diesem Schritt ist Allofs gescheitert, eben so wie Thomas Schaaf, unter dem sich die Mannschaft sportlich in den Jahren 2009 und 2010 sogar zurück entwickelt hat, weil die Umstellung auf zwei Sechser und nur noch eine Spitze misslungen ist (oder nicht gewollt war).

Die genannten Transfers — für die sich die Verpflichtung von Carlos Alberto im Jahr 2007 als böses Omen entpuppte für Dinge, die da noch kommen sollten — sollten diesen Schritt bringen. Vielleicht hat Allofs den Fehler gemacht, das Konzept aus ärmeren Zeiten einfach weiter zu führen, nur mit mehr Geld: Spieler zu kaufen, die billiger sind, weil sie taktisch und fußballerisch noch weiter entwickelt werden müssen. Es gibt aber auch Spieler, die technisch nicht so viel Fantasie auslösen, dafür aber taktisch und charakterlich einwandfrei sind und daher auch viel Geld kosten.

Als andere schon die Funktionalität japanischer Fußballer schätzten, versuchte sich Werder als letzter Bundesligist noch an brasilianischen Sensibelchen. Ein teurer Spaß.

Daher kann ich es verstehen, dass der Aufsichtsrat Fragen stellt und ein erfolgsabhängiges Element in Allofs’ Vertrag einbauen möchte.

Der turn-around

Ich halte es aber trotz meiner nach wie vor bestehenden Vorbehalte wegen der eindeutigen Stagnation der Mannschaft unter Schaaf für  vollkommen unangebracht, die Ära Allofs/Schaaf am Ende der Saison zu beenden.

Erstens gab es in den letzten zwei Jahren Sonderfaktoren, wie die Belastung durch den Stadionumbau und die Verletzungen von Naldo und Claudio Pizarro.

Zweitens: die Mannschaft steht auf Platz drei der Tabelle, und die Tabelle lügt nie. Höchstens flunkert sie im Moment ein bisschen – nach den nächsten fünf Spielen wissen wir mehr. Es müsste dennoch mit dem Teufel zu gehen, wenn Werder nicht mindestens 6. würde – ein Ergebnis, das nach der Höllen-Vorsaison jeder unterschreiben würde.

Drittens, und hier geht es ans Eingemachte: Allofs und Schaaf haben mich im Sommer mit ihrer Analyse der Vorsaison beeindruckt. Sie haben die Problemfelder identifiziert und mit sicheren Griffen behoben. Sie haben den Kader breiter aufgestellt. Die Versetzung von Clemens Fritz ins Mittelfeld hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sokratis hat die Abwehr stabilisiert und die rechte Seite auf längst vergessene Weise mit Leben gefüllt. Von der anderen Seite werden dank Lukas Schmitz endlich wieder Tore vorbereitet.

Das Spiel von Ekici hakt nach meinem Eindruck an nur ein, zwei Dingen, die in seiner Ausbildung schief gelaufen sind, die sich aber hoffentlich noch beheben lassen.

Ein dickes Plus

Andreas Wolf ist ein Sonderfall, und Aleksandar Ignjovski lässt sich für mich noch nicht abschließend bewerten, ist aber mindestens vielversprechend. Aber unter dem Strich steht ein ganz dickes Transfer-Plus. Zumal: wer Per Mertesacker diese Woche hat länderspielen sehen, dürfte auch ihm nicht hinterher trauern.

Teure Spieler auf der Bank können auch eine weitaus glänzendere Kehrseite haben. Maximal ist die erste Elf mehr wert, minimal hat die Breite des Kaders auf vielfältige Weise die zu beobachtende Leistungssteigerung einiger Beteiligter bewirkt.

Richtig Geld hat Allofs dabei nur für Ekici in die Hand genommen. In der Not hat er wieder sein Talent für die Kreativität des kleinen Mannes bewiesen, die ihn in den Jahren vor und unmittelbar nach der Meisterschaft ausgezeichnet hat.

Vom Werder-Willi zum Willi-Willi?

Sportlich ist die Mannschaft trotz allem zu sehr von Claudio Pizarro abhängig. Doch es zählt auch ein Umstand, der zu oft übersehen wird: Pizarro spielt bei Werder Bremen. Genauer, er hat dort den Großteil seiner Karriere verbracht. Und nicht in Hannover, oder Stuttgart, oder bei der Hertha.

Zieht man diese Bilanz, ist die Zerstrittenheit des Vereins also schwierig einzuordnen. Vor allem: was will Willi Lemke erreichen? Will er gar das Gespann Allofs/Schaaf zermürben, bevor die Ära Allofs/Schaaf die Ära Lemke/Rehhagel verblassen lässt? Ist aus dem Werder-Willi ein Willi-Willi geworden?

Spekulation, ein böser Verdacht. Doch mächtige Männer sind erstaunlich oft bei Sandkasten-Spielen zu beobachten – sonst wären sie keine mächtigen Männer geworden.

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Gegen Köln: die Furie gleich wieder einmotten

von Johan Petersen am 4. November 2011

Noch einmal der Hinweis: dieses blog besteht nur noch, damit ich hier die zwei Tage vor dem Spiel einsetzende Unruhe kanalisieren kann. Werder-Fans, die das gleiche Problem haben, mögen hier weiter lesen.

Spielberichte und taktische Theorie gibt es jedoch nur noch hier: ballverlust.net – taktik und theorie im fußball.

Stale Solbakken hat in Köln schon viel versucht und auch einiges bewegt. Er präferiert je nach Personal ein 4-4-2 oder ein 4-5-1. Wegen des Ausfalls von Novakovic wird Podolski in der Spitze auflaufen, dahinter Jajalo. Damit wird Podolski notgedrungen einer seiner zwei großen Stärken beraubt: das Spiel bei Kontern vor sich zu haben.

Doch Kölns Spielanlage basiert auch auf flachem Kombinationsspiel, ein Stil, der schon vor Solbakken bestand. Die Mannschaft kann also durchaus auch in Heimspielen und gegen tiefstehende Gegner die zweite Stärke Podolskis nutzen: sein kompromissloser Torabschluss aus allen, linken Lagen.

Der lange vermisste Führungstreffer?

Auswärts hingegen ist Köln eine Wundertüte: Siegen bei Bayer und dem HSV mit jeweils vier erzielten Toren stehen derbe Klatschen auf Schalke und in Dortmund gegenüber, bei denen die Mannschaft Fehler an Fehler reihte und sich lange vor Abpfiff aufgab.

Kölns Defensive war wegen diverser Verletzungen zuletzt wieder so fehleranfällig wie in den vergangenen Spielzeiten. Man erinnere sich an Brecko, der beim letzten Auftritt Kölns im Weserstadion seine Schwäche bei Hereingaben von der anderen Seite bei fast allen Toren demonstrierte.

Es geht also darum, über bessere Ballsicherheit von Anfang an Druck auszuüben, den Ball im Pressing hoch zu gewinnen und über diese beiden Strategien Fehler in der Viererkette zu erzwingen. Wenn wir in Führung gehen — es wäre das erste Mal seit fünf (!) Spielen — dürfte die Luft schnell aus der Wundertüte weichen. Pizarro muss dann nicht wieder wie gegen Mainz als wütende Furie über den Platz rauschen, um nach einem Rückstand zu retten, was manchmal noch zu retten ist, und manchmal eben nicht.

Mit Ausnahme der Rückkehr Arnautovics für Rosenberg dürfte Schaaf zum ersten Mal seit zwei Spielen ohne personelle Änderungen auskommen. Ekici hat gegen Mainz nicht gerade überzeugt, aber vielleicht findet er zu seinem Spiel und Selbstbewusstsein, wenn er einige Male am Stück das Vertrauen geschenkt bekommt. Vor dem Tor macht er alles richtig, aber auf dem Weg dahin sollte er die Flügel suchen, nicht die Tiefe, und vor allem die Kreisel am Ball abstellen.

Ich will endlich sehen, was passiert, wenn Hunt und Ekici gleichzeitig in Form sind und ihre Kreativität gegenseitig befeuern. Denn wenn die Kölner Sechser Riether und Lanig mit beiden ausgelastet sind, dürften sich bei flexiblem Spiel Fritz und die beiden Außenverteidiger gegen die Kölner Flügel (vermutlich Peszko und Clemens) durchsetzen – denn Jajalo und Podolski überbieten sich nicht gerade darin, gegen den Ball zu arbeiten.

Dann kann Pizarro wieder wie in den ersten Heimspielen höher spielen und sich auf Aktionen am gegnerischen Strafraum konzentrieren. Die zuletzt bei ihm zu sehende Personal-Union aus Torjäger, Antreiber und Spielmacher sollte unbedingt ein temporärer fix bleiben.

In den letzten fünf Spielen der Hinrunde treffen wir auf vier direkte Konkurrenten – um so wichtiger, am Samstag mit drei Punkten das Selbstbewusstsein vorher noch einmal zu stärken.

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Weiter, immer weiter

von Johan Petersen am 29. Oktober 2011

Johan Petersen hat gekündigt. In Großkonzernen mit ihren zehntausenden Führungsspielern, Staubsaugern und Ballkünstlern braucht’s zuviel: Taktik.

Aber eigentlich geht es um Freiheit. Sie ist nicht unbezahlbar, man muss sie sich nur leisten wollen: der tägliche Sonnenuntergang am Weserstrand akzeptiert auch Opportunitätskosten, nicht nur die Kreditkarte im Hotel hinter den Dünen.

Als erstes also ein neues Blog aufgesetzt: ballverlust.net – taktik und theorie im fußball. Dort gibt es ab diesem Wochenende das, was ich hier in den letzten zwei Jahren geboten habe. Spiel- und Toranalysen, ergänzt durch theoretischen Hintergrund. Eine gründliche EM-Vorbereitung. Vielleicht ein bisschen weniger Bundesliga, und mehr internationalen Fußball. Mal sehen. Andere, noch verwegenere Projekte sind in Vorbereitung.

Diese Seite bleibt erstmal bestehen, wird aber ziemlich leer werden. Die Analysen von Werder-Spielen hat das neue Blog sofort verpflichtet. Es wird hier noch Vorberichte zu Werder-Spielen geben, wenn ich Lust habe, sowie Kommentare zu Spielern, Trainern, Aufsichtsratsvorsitzenden und was sonst noch so rund um den Verein kommentiert werden will.

An dieser Stelle wieder einmal Dank fürs Lesen und Kommentieren.

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Gegen Mainz: drei Maßnahmen reichen

von admin am 27. Oktober 2011

Ich denke an einen, der gar nicht da ist. Der seit Monaten fehlt. Ich denke an einen, der drei unserer größten Probleme auf einen Schlag lösen würde.

Doch zunächst zu den Dingen, die wir auch ohne ihn besser machen können. Nach drei Spielen ohne Sieg bin ich vor dem Auftritt in Mainz optimistisch. Wenn wir die spielerischen Leistungen gegen Dortmund und Augsburg wiederholen, wovon ich ausgehe, und folgende drei Maßnahmen ergreifen, gewinnen wir:

1. Zwei der Torchancen, die wir gegen Augsburg noch liegen ließen, verwerten.

2. Das Flügelspiel forcieren – Rosenberg muss wieder konsequenter die Seitenlinien suchen.

3. Die Patzer in der Abwehr auf ein zu bewältigendes Maß reduzieren.

Bei Mainz ist Jan Kirchhoff vor der Abwehr ein sehr interessanter Mann, der eine Zukunft bei einem Spitzenverein der Liga haben könnte. Marcel Risse versucht mit seiner Schnelligkeit ein Andre Schürrle für Arme zu werden. Andreas Ivanschitz führt wieder Regie und Eric Maxim Choupo-Moting hat sich doch noch entschieden, in der Liga Stammspieler zu werden.

Eine Reihe guter Fußballer, die sich aber in dieser Saison unter Wert verkaufen. Denn Mainz hat mit den Abgängen Schürrles sowie Holtbys soviel Substanz vor der Saison verloren, wie in der Liga sonst nur Nürnberg. Wird vorne kein Fußball mehr gespielt, gesellen sich hinten prompt Fehler hinzu – das Spiel kann nicht mehr soweit vom eigenen Tor fern gehalten werden.

Ich habe Mainz nur am Anfang der Saison gesehen, als sie noch gewonnen haben. Ich vermute die Probleme seitdem liegen vor allem in der schwachen Spieleröffnung der Innenverteidiger und Eugen Polanskis begründet, die schon im letzten Jahr mehr schlecht als recht vom schnellen Umschalten auf Holtby und Schürrle kaschiert wurde.

In der jetzigen Krise — die für mich bisher noch ein kleines Tal ist, das alle anderen für uns interessanten Mannschaften in dieser Saison auch schon durchschritten haben — fällt das Fehlen von Tim Borowski an immer mehr Ecken auf. Er würde unsere drei großen Probleme lösen, in beliebiger Reihenfolge:

1. Wie kaum ein anderer Spieler steht Borowski für Torgefährlichkeit aus dem Mittelfeld, für einen glasklaren Torabschluss und für schnörkelloses Spiel in die Spitze.

2. Wolf kann nicht auf der Bank sitzen, weil Sokratis nicht in der Innenverteidigung spielen kann. Sokratis kann nicht in der Innenverteidigung spielen, weil Clemens  Fritz nicht rechts hinten spielen kann. Fritz kann nicht rechts hinten spielen, weil seine Lauf- und Zweikampfstärke sowie vor allem seine Erfahrung der Raute die richtige Mischung bringen. Borowski wäre daher der ideale Ersatz.

3. Als Borowski nach der Winterpause in die Mannschaft zurück kehrte, hat er sie auch mit seinem Kampfeswillen fast im Alleingang wieder aufgerichtet. Verunsicherung von der Art, die gegenwärtig schon bei dem einen oder anderen zu sehen ist, ist ihm fremd.

Doch die große Lösung fehlt, also müssen wir an den vielen kleinen Schrauben drehen, die der Fußball zu bieten hat.

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Hannover vs Bayern: 96 schmiedet sich sein Glück

von Johan Petersen am 24. Oktober 2011

Das Spiel wollte den Beweis für folgenden, nicht in allen Gesellschaften gleich funktionierenden Volksglauben antreten: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Denn im Matchplan des Fußballgottes stand geschrieben, dass Hannover erneut vom Gegner früh einen unnötigen Elfmeter bekommt, der die Dynamik des Spiels entscheidend verändert. Dies war bereits gegen Bremen der Fall, und dieses Mal legte der Gegner auch noch einen frühen, ebenso unnötigen Platzverweis oben drauf.

Doch Hannover hat dieses Matchglück auch verdient. Die Viererkette agiert sehr harmonisch, die Konter sind ohnehin klasse und im Zentrum setzt Slomka auf spielerische Sechser – niemand hindert die Leverkusens, Herthas und Augsburgs dieser Liga es ihm nach zu tun. [click to continue…]

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Bayer vs Schalke: es klemmt im Werk, Farfan rennt

von Johan Petersen am 23. Oktober 2011

Es war lange Zeit ein Spiel, in dem bei aller Intensität keine der beiden Mannschaften ihren Ansprüchen gerecht wurde (vor allem im Vergleich zur Partie HSV vs Wolfsburg, bei der auf beiden Seiten viel mehr Strukturen in der Spielanlage erkennbar waren). Während Bayer einfach zu viele Baustellen hat, hat Schalke seinen Platz in meiner ganz persönlichen Abhängigkeits-Tabelle zementiert. [click to continue…]

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Mit Thorsten Finks erstem Spiel auf der Bühne Bundesliga hat die junge Trainer-Generation Verstärkung bekommen. Der Auftakt gegen Wolfsburg machte auch gleich Appetit auf mehr Taktik-Häppchen. Auf der Gegenseite hat allerdings auch der alte Hase Magath bewiesen, dass er mit der Zeit gehen kann und auf seine lange gehegte Vorliebe für zwei Stürmer verzichten kann. [click to continue…]

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Dortmund vs Köln: die Rückkehr des Meisters

von Johan Petersen am 22. Oktober 2011

Es klemmte in der Samstagnachmittag-Unterhaltung. Das System legte ein altes Spiel aus Dortmunds Meistersaison ein und drückte auf Wiederholung: unheimliche Dominanz, spielerische Klasse, sofortiges Pressing nach Ballverlusten und trotz einiger vergebener Chancen ist das Spiel nach einer halben Stunde längst entschieden. [click to continue…]

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Augsburg vs Werder: Wolf kostet Werder noch mehr Punkte

von Johan Petersen am 21. Oktober 2011

Seit mehreren Jahren hat Andreas Wolf bei seinem vorherigen Club, dem Club, in vielen Spielen Gegentore verschuldet. Entweder wegen unerklärlicher motorischer Aussetzer, oder weil er in Zweikämpfen jeglichen fußballspezifischen Bewegungsablauf vermissen lässt. In Bremen setzt er dies nahtlos fort. [click to continue…]

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Die Abhängigkeits-Tabelle der Bundesliga: Platz 6 bis 1

von Johan Petersen am 21. Oktober 2011

6. Hertha BSC Berlin. Der Hauptstadt fehlt es an guten Fußballern in der Abwehr. Für Roman Hubnik, Andre Mijatovic, Maik Franz und Levan Kobiashvili ist der Ball ein Arbeitsgerät, das ihnen während einer Schicht nun mal einige Male unterkommt – aber Gegenspieler werden zur Erfüllung des Produktionssolls bevorzugt. Weil davor auch Andreas Ottl und Peter Niemeyer Sechser der alten, unbeweglichen Schule verkörpern, tut sich Hertha in Heimspielen schwer, das Spiel zu machen. Noch weiter vorne spielen allerdings einige gute Fußballer, aus denen Raffael noch einmal herausragt – siehe seine Gegenangriffe beim Sieg in Dortmund.

5. 1. FC Köln. Kaum prophezeie ich Lukas Podolski den Herbst seiner Karriere, läuft er wie gewohnt zur alten (Konter)form auf. Zwar hat Köln einige spielerische Stützen in der Mannschaft, und zeigt unter Stale Solbakken manchmal auch durchdachte Spielzüge gegen tief stehende Gegner – doch seine einmalige Wucht bei Kontern und allgemein vor dem Laden machen ihn unverzichtbar.

4. Bayer Leverkusen: Ähnlich wie Dortmund hat Bayer viele gute Fußballer im offensiven Mittelfeld und mit Eren Derdiyok auch im Sturm. Doch es fehlt ein kreativer Spieler, der aus tiefen Positionen das Angriffsspiel strukturiert und Tempo ins Passspiel bekommt. Die kantigen Lars Bender, Simon Rolfes und Michael Ballack fahren in deutscher Tradition als unbewegliche Panzer auf der Sechser-Position auf. Daher wird in dieser Saison viel von den atemberaubenden Antritten Andre Schürrles abhängen.

3. SC Freiburg. Papiss Demba Cisse knipst und knipst und knipst. Zwar verfügt Freiburg im Vergleich zu anderen Kellerkindern immer noch über eine gute Spielanlage, die fast immer Chancen heraus spielt. Doch das Team hängt von der Kalblütigkeit Cisses ab, um die vielen Gegentore zu kompensieren.

2. Schalke 04. Bei Schalke war in den letzten Jahren der große Kontrast zwischen Erfolg und spielerischer Qualität auffällig: vertikale Bälle auf Kevin Kuranyi, Effizienz bei Standards, eine gute Abwehr und Manuel Neuer waren die Säulen des Erfolgs. Ralf Rangnick hat versucht, mit Lewis Holtby im defensiven Mittelfeld endlich mehr spielerische Tiefe in die Mannschaft zu bekommen. Und trotzdem haben auch in dieser Saison die außergewöhnlichen Antritte Jefferson Farfans Schalker Spieler entscheiden müssen – so gegen Mainz, als er nach seiner Einwechslung das Spiel gedreht hat. Mit Raul und Jan-Klaas Huntelaar steht vorne viel Qualität auf dem Platz. Rangnick hat auch einige standardisierte Angriffe über die Flügel in die Mannschaft gebimst, die auf rechts wie links funktionieren. Dennoch liegt Schalke in dieser Tabelle fast an der Spitze, weil an manchen Tagen immer noch viel von der Schnelligkeit Jefferson Farfans abhängt.

1. Borussia Mönchengladbach. Lucien Favre hat Mönchengladbach in der letzten Monaten spielerisch in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Vor seinem Amtsantritt konnte die Mannschaft nur kontern. Jetzt kann sie an guten Tagen selber das Spiel machen; Martin Stranzl und das defensive Mittelfeld zeigen über den rechten Flügel schöne und gründlich automatisierte Angriffszüge. Doch diese funktionieren nur über die rechte Seite, und an normalen Tagen hängt die Mannschaft immer noch von den Explosionen von Marco Reus ab. Seine Schnelligkeit und seine (noch ausbaufähige) Kaltschnäuzigkeit vor dem Torwart bei Kontern sowie seine diagonalen Läufe von außen nach innen sind die wesentliche Waffe Gladbachs – zumal die anderen Verdächtigen im Sturm vor dem Tor bei vielen Chancen genau das bleiben: verdächtig (Gladbach hat den drittschlechtesten Sturm der Liga). Gladbach ist daher erster.

Eine Spielerei. Aber wenn man alle Bundesligisten unter diesem Aspekt querliest, ergeben sich auch Erkenntnisse. Wenn Mannschaften stark von einem Spieler abhängen, dann ist dieser meistens ein überdurchschnittlicher Flügelspieler. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Mannschaft Probleme hat, als Mannschaft den Ball spielerisch und variabel in die torgefährliche Zone zu bekommen. Es hapert bei diesen Mannschaften also an einer guten, vertikalen Spieleröffnung aus der Abwehr und an spielstarken Sechsern, die den Ball zum Spielfeld hin mitnehmen.

Denn Räume auf dem Flügel, die auch einem durchschnittlichen Flügelspieler genügen, schafft eine Mannschaft, indem sie die ersten ein oder zwei Pässe des Angriffs in das Dickicht in der Mitte spielt.

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